Mittwoch, 10. Mai 2017

"Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen" Europa üben ...


Der Mythos: Zeus entführt Europa
(2 Euro-Münze Griechenland)

Zur Bedeutung des Stiers
in der Mythologie
Ein Bericht im Deutschlandfunk Kultur (17.03.2017) hat es auf den Punkt gebracht:
Der Orient ist Europas Schicksal
von Konstantin Sakkas
Er betont die kulturelle Einheit, die schon Goethe im West-östlichen Divan betonte. Zugleich erinnert er daran, dass der heutige Anti-Islamismus nur eine moderne Spielart eines Jahrhunderte lang gepflegten Anti-Orientalismus ist.

"Europa und der Orient bilden seit Urzeiten eine geistige und kulturelle Einheit. Wenn Europa nicht ein entsprechendes geopolitisches Narrativ entwickelt und in praktische Politik umsetzt, wird es untergehen.Der heutige Antiislamismus ist nichts anderes als die moderne Spielart des Antiorientalismus. Über Jahrhunderte hinweg richtete sich dieser Antiorientalismus in Europa gegen die Juden, mit Abstrichen auch gegen die Griechen. An ihre Stelle sind heute "die Moslems" getreten, und in ganz Europa sind antimuslimische Bewegungen auf dem Vormarsch.Doch mit dem Antiorientalismus schießt sich Europa ins eigene Knie. Denn Europa und der Orient bilden seit Urzeiten eine geistige und kulturelle Einheit. Der Gegenentwurf hierzu war das Konzept der "Westernness", also eines westlichen, atlantischen Europas, das sich vom vermeintlich minderwertigen Orient hermetisch abschottet – ein ebenso uraltes Konzept, das aber bis heute nicht aufgegangen ist."
Aber die europäische Geschichte zeigt zum Glück auch freundliche Tendenzen interkultureller Begegnung. Diese müssen wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Goethe bietet dazu ermutigende Anleitungen: 


Wer sich selbst und andre kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Occident
Sind nicht mehr zu trennen:
Sinnig zwischen beiden Welten.
Sich zu wiegen, lass ich gelten;
Also zwischen Ost und Westen
Sich bewegen, sei’s zum Besten. 

Johann Wolfgang von Goethe, 
West-östlicher Divan, Nachtrag, 1825/26


Schumann-Adenauer-Gedenkzeichen
12 Stelen in Bassenheim:
 und Europa mit dem Stier (Wikipedia)


Der Orient in der Kunst und
in der Architektur
 
Potsdam: Wasserwerk
im orientalischen Stil


Orientbegeisterung
auf dem Theater
und in der Oper



    Kleine Literaturauswahl
    Europa, Orient und Orientalismus

    • Abdurrahman Al-Gabarti - aus der Chronik: Bonaparte in Ägypten.
      Übersetzt von Arnold Hottinger.
      SP 871. München / Zürich:  Piper 1989, 450 S., Register
    • Al-Jabarti's Chronicle of the French Occupation.
      1798. Napoleon in Egypt
      Introduction: Robert L. Tignor, Translation: Shmuel Moreh.
      Expanded edition in honor of Al-Jabart's 250th birthday.
      Princeton (USA): Markus Wiener Publ. 2004, 210 pp., illustr.
    • Badisches Landesmuseum (Hg.): Das Imperium der Götter.
      Isis - Mithras - Christus.

      Kulte und Religionen im Römischen Reich.
      Darmstadt: Konrad Theiss (WBG) 2014, 580  S., Abb. , Karten
    • Henry Corbin: Weder Germanist, noch Orientalist
      Marian Bremer in Qantara.de, 19.04.2017
    • Pierre Larcher: Orientalismus des Westens
      - Wissenschaftliche und literarische Verständnisse 
      (2017) 
    • Europa und der Orient 800 - 1900
      [28. Mai - 27. August 1989 ;
      eine Ausstellung des 4. Festivals der Weltkulturen Horizonte '89
      im Martin-Gropius-Bau, Berlin].
      Berliner Festspiele / Bertelsmann Lexikon Verlag 1989, 923 S., Abb.
    • Annette Kuhn: Warum sitzt Europa auf dem Stier?
      Matriarchale Grundlagen von Europa
      in: Frauen verändern EUROPA verändert Frauen
      Hg.: Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration
      des Landes Nordrhein-Westfalen, 2008 S. 191 - 201. 
    • Pierre Larcher: Orientalisme savant. Orientalisme littéraire.
      Sept essais sur leur connexion. 
      Arles (F): Actes Sud Sindbad 2017, 240 pp.
    • Saddek Rabah: L'Islam dans l'imaginaire Occidental. Aux sources des discours.
      Beyrouth: Al Bouraq 1998, 241 pp.
    • Edward Said: --- L'Orientalisme. L'Orient créé par l'Occident.
      Aus dem Amerikanischen von
          Cathérine Malamoud. 
      Préface de Tzevetan Todorov.
          Traduit de l´Américain par Cathérine Malamoud. 
          Paris Seuil 1980, 393 S., Personenregister
      --- 
      Culture and Imperialism. New York: Random House 1994, 380 S., Register
      --- Zum Tod von Edward Said - wirkungsmächtig und umstritten.
           Jörg Lau in ZEIT online, 25.09.2003      
    • Gereon Sievernich / Hendrick Buddha (Hg.):
      Lesebuch zu "Europa und der Orient 800 - 1900.
      Berliner Festspiele 1989, 138 S.
    • Ziauddin Sardar: Orientalism. Concepts in Social Sciences.
      Buckingham: Open University Press 1999, 136 pp., index
      Deutsche Ausgabe: Der fremde Orient. Geschichte eines Vorurteils.
      Aus dem Englischen von Matthias Strobel.
      Berlin: Klaus Wagenbach 2002, Wagenbach TB 451, 188 S., Personenregister
    • Burkhard Schnepel / Gunnar Brands / Hanne Schönig (Hg.):
      Orient - Orientalistik - Orientalismus. Geschichte und Aktualität einer Debatte.
      Postcolonial Studies Bd. 5. Bielefeld: Transcript 2001, 31o S., Abb.
      Inhaltsverzeichnis und Leseprobe: hier
      --- Rezension: hier

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