Samstag, 22. Juli 2017

"Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen" Europa üben ... (aktualisiert)


Der Mythos: Zeus entführt Europa
(2 Euro-Münze Griechenland)

Zur Bedeutung des Stiers
in der Mythologie
Ein Bericht im Deutschlandfunk Kultur (17.03.2017) hat es auf den Punkt gebracht:
Der Orient ist Europas Schicksal
von Konstantin Sakkas
Er betont die kulturelle Einheit, die schon Goethe im West-östlichen Divan betonte. Zugleich erinnert er daran, dass der heutige Anti-Islamismus nur eine moderne Spielart eines Jahrhunderte lang gepflegten Anti-Orientalismus ist.

"Europa und der Orient bilden seit Urzeiten eine geistige und kulturelle Einheit. Wenn Europa nicht ein entsprechendes geopolitisches Narrativ entwickelt und in praktische Politik umsetzt, wird es untergehen.Der heutige Antiislamismus ist nichts anderes als die moderne Spielart des Antiorientalismus. Über Jahrhunderte hinweg richtete sich dieser Antiorientalismus in Europa gegen die Juden, mit Abstrichen auch gegen die Griechen. An ihre Stelle sind heute "die Moslems" getreten, und in ganz Europa sind antimuslimische Bewegungen auf dem Vormarsch.Doch mit dem Antiorientalismus schießt sich Europa ins eigene Knie. Denn Europa und der Orient bilden seit Urzeiten eine geistige und kulturelle Einheit. Der Gegenentwurf hierzu war das Konzept der "Westernness", also eines westlichen, atlantischen Europas, das sich vom vermeintlich minderwertigen Orient hermetisch abschottet – ein ebenso uraltes Konzept, das aber bis heute nicht aufgegangen ist."
Aber die europäische Geschichte zeigt zum Glück auch freundliche Tendenzen interkultureller Begegnung. Diese müssen wieder stärker ins Bewusstsein rücken. Goethe bietet dazu ermutigende Anleitungen: 


Wer sich selbst und andre kennt,
Wird auch hier erkennen:
Orient und Occident
Sind nicht mehr zu trennen:
Sinnig zwischen beiden Welten.
Sich zu wiegen, lass ich gelten;
Also zwischen Ost und Westen
Sich bewegen, sei’s zum Besten. 

Johann Wolfgang von Goethe, 
West-östlicher Divan, Nachtrag, 1825/26


Schumann-Adenauer-Gedenkzeichen
12 Stelen in Bassenheim:
 und Europa mit dem Stier (Wikipedia)


Der Orient in der Kunst und
in der Architektur
 
Potsdam: Wasserwerk
im orientalischen Stil


Orient-Sympathien
auf dem Theater
in der Oper und
in der Literatur



    Kleine Literaturauswahl
    Europa, Orient und Orientalismus

    • Abdurrahman Al-Gabarti - aus der Chronik: Bonaparte in Ägypten.
      Übersetzt von Arnold Hottinger.
      SP 871. München / Zürich:  Piper 1989, 450 S., Register
    • Al-Jabarti's Chronicle of the French Occupation.
      1798. Napoleon in Egypt
      Introduction: Robert L. Tignor, Translation: Shmuel Moreh.
      Expanded edition in honor of Al-Jabart's 250th birthday.
      Princeton (USA): Markus Wiener Publ. 2004, 210 pp., illustr.
    • Badisches Landesmuseum (Hg.):
      Das Imperium der Götter.
      Isis - Mithras - Christus.

      Kulte und Religionen im Römischen Reich.
      Darmstadt: Konrad Theiss (WBG) 2014, 580  S., Abb. , Karten
    • Anke Bentzin / Henner Fürtig / Thomas Krüppner /
      Riem Spielhaus (Hg.):

      Zwischen Orient und Okzident. Studien zu Mobilität von Wissen,
      Konzepten und Praktiken. Festschrift für Peter Heine
      Freiburg u.a.: Herder 2010, 365 S. 
      --- Rezension: hier
    • Dominiqu Chevallier / Azzedine Guellouz / André Miquel:
      Les Arabes, l'Islam et l'Europe. Paris: Flammarion 1991m 234 pp., cartes
      Kurzrezension: hier -  von
        Année 1991  Volume 56  Numéro 3  p. 758
    • Henry Corbin: Weder Germanist, noch Orientalist
      Marian Bremer in Qantara.de, 19.04.2017
    • Nefvel Cumart / Ulrich Waas:
      Orient und Okzident - die andere Geschichte.
       
      Das Fremde als kulturelle Bereicherung.
      Buchreihe der Georges-Anawati-Stiftung, Bd. 14
      Freiburg/Br. u.a.: Herder 2017, 240 S.




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