Freitag, 28. Dezember 2018

Jon Sobrino - Christologie von unten

Jons Sobrino 2013 (Wikipedia)
Der Jesuit und katholische Priester Jon Sobrino  (geb.27.12.1938), stammt aus einer baskischen Familie. 
Er gehört zu den bekanntesten Vertretern der  Theologie der Befreiung
in Lateinamerika
.
Er erhielt seltsamerweise als einziger 2007 eine sogenannte Notifikation des Vatikans (durch den Nachfolger von Kardinal Ratzinger), in der seine "Christologie von unten" als Irrtum und als große Gefahr für den Glauben der Kirche eingestuft wurde. Das  Lehrverbot führte weltweit zu einer großen Solidaritätwelle für ihn.


Zur weiteren Erinnerung: Sobrino lehrte an der Universidad Centroamericana in San Salvador. Am 16. November 1989 verübte das gefürchtete (und von den USA unterstützte) Batallón Atlácatl auf dem Campus der Universität einen nächtlichen Überfall. Dabei wurden u.a. sechs Jesuiten-Patres - unter ihnen der Rektor Ignacio Ellacuría - umgebracht. Sobrino entkam diesem Mordversuch nur, weil er gerade dort nicht anwesend war.
Die Bedeutung dieses in seinen Aussagen eher gemäßigten Theologen liegt in der systematischen Aufarbeitung des theologischen Freiheitsverständnisses, besonders unter den sozialen Bedingungen von Gewalt und Repression.

Werke in Deutsch:
  • Christologie der Befreiung. Bd. 1. Mainz: Matthias-Grünewald 1998 
  • Der Glaube an Jesus Christus (= Bd. 2 der Christologie der Befreiung).Ostfildern: Grünewald 2008.Rezension: hier
    (Institut für Theologie und Politik Münster)

    --- Besprechung Bd. 1+2 in Forum Weltkirche: hier
  • Der Preis der Gerechtigkeit. Briefe an einen ermordeten Freund.
    Würzburg: Echter 2007

Vgl. die Bände "Mysterium Liberationis" :
Ignacio Ellacuría / Jon Sobrino (Hg.): Mysterium Liberationis.
Grundbegriffe der Theologe der Befreiung. 
2 Bände. Luzern: Edition Exodus 1995/1996
Original spanisch, zuerst erschienen bei Trott in Madrid 1990
Zu Sobrino: Bd. 1, S. 461-504.567-591, Bd. 2, S. 851-878.1097-1114

Vgl.: Mehr zur Theologie der Befreiung auch in: Focus Lateinamerika

Anlässlich seines 80. Geburtstags am 27. Dezember 2018 hat der spanische Theologe und Religionswissenschaftler Juan José Tamayo von der Universität Carlos III Madrid  eine kleine Hommage im Lateinamerika-Portal Amerindia verfasst,
die einen guten Einblick in Leben und Wirken von Jon Sobino gibt.
Sie trägt den Titel: Das Prinzip - Barmherzigkeit und die Kirche der Armen 

 Der vollständige spanische Text: hier

Juan José Tamayo schreibt dort u.a.:
"Jon Sobrino ist einer der qualifiziertesten Theologen der Befreiung. Mit seiner Konzeption der >Christologie von unten< überschreitet er den lateinamerikanischen Kontext. So hat er auch weltweit Anerkennung gefunden, weil er auf der Basis seiner theologischen Methodologie die großen Themen des Christentums - die Christologie, die Ekklesiologie, die Spiritualität und das Gottesverständnis - aus der Sicht der Armen zur Sprache bringt.
Er tut dies ganz konkret, indem er etwa daran erinnert, dass sein kleines Land El Salvador innerhalb von 12 Jahren Bürgerkrieg mehr als 80.000 Tote und Hunderttausende von Vertriebenen und Exilierten zu beklagen hat. Die Welt der Armen, so sagt er, ermöglicht uns erst das Denken, ja lehrt uns das Denken.Mehr zum Bürgerkrieg in El Salvador von 1980 - 1991: hier 
(Vergessene Konflikte,16.02.2014) 


Sobrinos Theologie geht von einem bevorzugten kirchlichen Ort aus, der Kirche der Armen, und von einem privilegierten sozialen Ort: der Welt der Armen. El Salvador, ein kleines Land, erlebte dies auf das Schrecklichste - innerhalb von 12 Jahren mit mehr als 80.000 Toten und Hunderttausenden von Vertriebenen und Exilierten. Die Welt der Armen, sagt er, gibt uns das Denken, ermöglicht das Denken und lehrt das Denken, das nicht im Allgemeinen stehen bleiben darf.
Mehr zum Bürgerkrieg in El Salvador von 1980 - 1991 (Vergessene Konflikte,16.02.2014) 


Der Horizont seines Nachdenkens ist das Prinzip der Gnade. Die Barmherzigkeit wirkt in alle Dimensionen des Menschen hinein, auch in die Theologie. Unmöglich ist eine kalte Intelligenz des Glaubens, die am Leiden der Menschen vorbeigeht wie der Priester und der Levit im Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Es geht um eine Intelligenz der Liebe und der Barmherzigkeit, die sich um die Leidenden kümmert und diejenigen anprangert, die dieses Elend provozieren. Dieser liebende Glaube steht auf der Seite der verarmten und gekreuzigten Völker.

Zusammen mit anderen Theologen der Befreiung - wie Leonardo Boff und Juan Luis Segundo - hat Sobrino maßgeblich zur Entwicklung einer lateinamerikanischen Christologie beigetragen. Sie ist aus der Welt der Armen als sozio-theologischem Ort mit Jesus von Nazareth hervorgegangen ist = Christus der Befreier. Seine Christologie wird von der Parteilichkeit zugunsten der Ausgeschlossenen und durch die Hoffnung auf eine friedvolle Praxis geleitet. Ihr Ziel ist es, den historischen Jesus mit seiner befreienden Praxis zurückzugewinnen. Der Akzent ist dabei ein doppelter: Kreuz und Auferstehung. Sobrinos Nachdenken über die Auferstehung konzentriert sich auf den Gott Jesu, der den Opfern Gerechtigkeit bringt, indem er sich auf ihre Seite stellt, sie in ihrer Würde rehabilitiert und ihr Leben wiederherstellt.

Sobrino hat ein kreatives Nachdenken über die Kirche entwickelt: "Selig sind die Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich", sagt Jesus in der Bergpredigt. Diese bilden eine christliche Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu und setzen seine Befreiungsinitiative fort - als egalitäre Bewegung von Männern und Frauen.

Spiritualität ist ein weiteres Feld, das Jon Sobrino durchleuchtet. Er führt diese aus dem engen Rahmen der Askese heraus, in der sie viele Jahrhunderte eingeschlossen war. Sie wird zum Mittelpunkt der Befreiungsprozesse. Spiritualität ist konstitutiv für den Menschen, ebenso wie Körperlichkeit, Geselligkeit und praktisches Handeln. Sie gehört notwendigerweise zum christlichen Wesen im Sinne der Befreiung.


Darum hebt Sobrino auch die Verbindung von (heiligem) Geist und Praxis, Befreiung und Nachfolge Jesu hervor. Befreiung braucht sowohl Praxis als auch Geist. Heiligkeit kann nicht in der Privatsphäre bleiben, sondern muss die Veränderung von Strukturen beeinflussen. Die Begegnung zwischen Spiritualität und Befreiung führt so zu >politischer Heiligkeit<. 

Auch Sobrinos Gottesverständnis geht von den lateinamerikanischen Erfahrungen der Unterdrückung aus, von der die Mehrheiten der Gesellschaft täglich bedroht sind. Hier wird Gott zum Verteidiger und Garant des Lebens. Er wird als der ultimative Protest gegen den Tod erlebt. Die Bekräftigung des Lebensgottes führt direkt zur Option für die Armen und ihr Recht auf ein würdevolles Leben. Es lohnt sich, dafür auch mit dem eigenen Leben einzustehen.
Gerade in seiner bescheidenen, zurückhaltenden Art - auch angesichts der Phase des Lehrverbots durch den Vatikan - war das Sobrino auferlegte Schweigen sehr beredtEs war vielleicht die beste Antwort auf solch eine unbegründete Zensur gegen einen der privilegierten Zeugen der salvadorianischen Märtyrer. Möglicherweise erinnerte sich Sobrino an den argentinischen Gitarristen, Sänger und Schriftsteller Atahualpa Yupanqui (1908-1992): Ich brauche keine Stimme. Ich weiß, wie man in Stille singt."


CC




Donnerstag, 20. Dezember 2018

Engel unterwegs ...


Engel. Nowgoroder Schule, 12. Jh.
Original: Russisches Museum St. Petersburg
Nicht nur an Weihnachten
sind Engel unterwegs,
aber sie scheinendie dunklen Nächte des Winters zu lieben.Und wer mit dem inneren Auge genau hinschautkann ihre leuchtenden Flügel erahnen. 
Sie sehen in die Tiefen der Seele
und erkennen,
wo sie ihr himmlisches Leuchten
hineinbringen müssen,
aber sie tun dies menschlich,
darum trägt ihr zartes Antlitz
die menschlichen Züge des
liebenden Mitseins.




Dreieinigkeit, Andrei Rubljow, 1411
Der Vater im durchscheinenden Gewand,
der Sohn mit erdfarbenem Kleid
mit dem Symbol des Opferlamms im Kelch,
der Hl. Geist in der Grünkraft
und himmlischem Blau
Original: Treljakow-Galerie, Moskau



Dem Irdischen zugewandt
lassen die Engel Gott selbst
durchscheinen:
Jenseitig lichtvoll,
irdisch bis in die Tiefe des Leidens
der Erde menschlich verbunden  
und schöpferisch
die Grünkraft des Geistes ausstrahlend –
Gott in den Engeln
sich dreifach nähernd.










Es ist nicht ganz leicht,
dies zu erkennen am Tisch des Alltags,
den Durchblick gewinnen,
das Himmlische wahr-nehmen
und achtsam gestärkt den Weg gehen.
Denn der Mensch hört oft nicht
den Flügelschlag der himmlischen Boten.
Darum gilt es, das Lauschen erneut zu lernen.
Und der still Horchende
erfährt heilenden Klang.
Denn die Engel singen noch immer 
die Geschichte von der Menschlichkeit Gottes,
die in der Tiefe der Niedrigkeit
das göttliche Licht entfachte,
das niemals verlöscht.
Hildegard von Bingen: "Chöre der Engel",
aus "Scivias" - Wisse die Wege (Tafel 9)
Darum gehören das
 
„Ehre sei Gott in der Höhe“ und
das 
„Frieden auf Erden“ zusammen.

Selbst in finsterster Nacht
und im hoffnungslosen Allein
hat schon mancher gespürt,
wie der himmlische Flügelhauch
sein Gesicht berührte.
Und der Dank ging nach DORT.
Die Sterne wissen davon.
Und wenn die Engel dieses
Universale Gloria singen
bekommt ihr Lächeln
ein besonderes Funkeln.
Du kannst es sehen,
in jeder Heiligen Nacht.




CC 

Dienstag, 18. Dezember 2018

Lotos-Sutra - Nichiren-Buddhismus - Soka Gakkai (aktualisiert)

Im 6. Jahrhundert kamen buddhistische (Mahayana-)Traditionen aus China nach Japan. Sie sind ab 552 sicher datiert. Als bedeutende Folgewirkungen traten u.a. der Shin-Buddhismus (als Amitabha- bzw. Amida-Buddhismus), der Zen und der Nichiren-Buddhismus besonders hervor.
Das aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. stammende Lotos-Sutra (Lotus-Sutra) wurde für diese buddhistischen Richtungen auf Grund seiner Anschaulichkeit mit Erzähl-Szenen und leicht zugänglichen Weisheitslehren zu einer der wichtigsten Schriften des Mahayana-Buddhismus - gewissermaßen die Bibel Ostasiens. 

    Lotos-Sutra (Sanskrit) - National-Archiv Indien










Nichiren-Buddhismus

Das Lotos-Sutra spielt auch in einer Reformbewegung des 13. Jahrhunderts eine Schlüsselrolle. Sie ist vom Leben und Wirken des Nichiren Daishonin (1222 - 1282) geprägt und damit der Anfang des Nichiren-Buddhismus: 
Pagode des Kuonji-Tempels,
Haupttempel der Nichiren-Richtung
(Wikipedia)

  • Leben und Wirken von Nichiren
  • Ausgewählte Schriften. Die Gosho Nichiren Daishonins. Hg. SGI-Deutschland 2008
  • Die Schriften Nichiren Daishonins .
    Freiburg/Br.: Herder 2014 
    (Verlagsinformation)
  • The Writings of Nichiren (Nichiren Library)
  • Philip B. Yampolsky (ed.) / Burton Watson and others (translation):
    Letters of Nichiren. New York: Columbia Univ. Press 1996, 584 pp., indices
  • Philip B. Yampolsky (ed.) / Burton Watson and others (translation):
    Selected Writings of Nichiren. 
    New York: Columbia Univ. Press 1990, 508 pp., indices
  • Richard Causton: Der Buddha des Alltags. Einführung in den Buddhismus Nichiren Daishonins. Aus dem Englischen von Susanne Ochs. Mörfelden: SGI-Deutschland 1998, 296 S., Index
  • Yukio Matsudo: Nichiren,
    der Ausübende des Lotos-Sutra. Norderstedt:
    Books on Demand 2004, 591 S., Register
Soka Gakkai

Auf diesen mittelalterlichen Reformator beruft sich neben der stark ethisch ausgerichteten Rissho Koseikai auch die Laienbewegung  Soka Gakkai (deutsch: Wertschaffende Gesellschaft), die - von Japan ausgehend - heute etwa 15 Millionen Anhänger zählt.
Sie entstand 1930 innerhalb der  
Laienbewegung Nichiren-Shōshū ( = die Wahre Nichiren-Schule"). Als ihr Gründer gelten der Pädagoge Tsunesaburō Makiguchi und sein Nachfolger Josei Toda: Sie standen in Opposition zur shintoistisch-imperialistischen Kriegsverherrlichung und wurden deshalb ins Gefängnis gebracht. Makiguchi starb dort. Unter Josei Toda lebte die Bewegung nach dem 2. Weltkrieg wieder auf. Die Aberkennung der Soka Gakai als Laienbewegung führten schließlich zur endgültigen Trennung von Nichiren-Shoshu. Ihr ehemaliger Präsident Daisaku Ikeda (geb. 1928) ist seit 1991 nun Präsident von Soka Gakkai International (SGI). Engagement für den Frieden und interreligiöser Dialog gehören zu den wichtigsten Zielen der Organisation.


In der "liturgischen Mitte" von SGI steht die regelmäßige Rezitation, das Chanten des Mantras: „Nam Myoho Renge Kyo“ (Daimoku). Es hilft zur Annäherung an die Buddhanatur im Menschen.

 CC




Donnerstag, 13. Dezember 2018

Open Educational Resources - Internet-Recherche - Openreli-Netzwerk

Open Educational Resources (MOOCs weltweit)

Internet-Recherchen:

Openreli-Netzwerk und Kurse

   Einschreibung zum openreli-Netzwerk                                        


Openreli-Online-Kurs 2018

10.04. - 02.05.2018: EigenArtig







Mittwoch, 12. Dezember 2018

Leonardo Boff - auf der Seite Jesu - Vision neuer Menschlichkeit und Hoffnung für die Erde

Neue deutsche Ausgabe
Gütersloh 2011, 302 S.
Erstausgabe deutsch - München: Piper
SP 1078, 1990, 285 S.
Leonardo Boff  (geb. 14.12.1938) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der lateinamerikanischen Theologie der Befreiung. Seine offene Religiosität und sein ethisch konsequentes Denken haben zwar zu Lehrverboten durch den Vatikan geführt, seine Breitenwirkung aber über Lateinamerika hinaus eher noch verstärkt. 1992 trat er aus dem Franziskanderorden aus und ließ sich in den Laienstand versetzen. 


Anlässlich seines 80. Geburtstags am 14. Dezember hat der spanische (Befreiungs-)Theologe und Religionswissenschaftler Juan José Tamayo von der Universität Carlos III in Madrid  eine kleine Hommage auf dem Lateinamerika-Portal Amerindia verfasst. 

Der originale spanische Beitrag: hier

Liberación, opción-tierra y virtudes para otro mundo posible
Befreiung, Option Erde und Tugenden für eine andere mögliche Welt

Ausführliche deutsche Zusammenfassung:
In dieser kleinen Hommage drückt Tamayo nicht nur seine Solidarität mit Leonardo Boff aus, sondern hebt auch hervor, wie das Leben des Geehrten eine vielfache Ausfächerung erfuhr. Das gilt für die religiöse Erfahrung, die Ökologie, die Politik, die wissenschaftliche Arbeit und die Weltforen zur Theologie der Befreiung. Boff: ein intensiver, kritischer, aber eben auch heterodoxer Denker: "Für den Gehenden gibt es keinen Weg, man muss den Weg zum Gehen bereiten", wie der Lyriker Antonio Machado (1875 - 1939) sagte. Boff tat und tut dies mit der Erfahrung der Zartheit des Herzens, aus der Liebe an Pacha Mama (Mutter Erde / Mutter Kosmos) und in der Nachfolge Jesu, dem Befreier Christus.
"Das Beste in der Religion ist - so schrieb Ernst Bloch in Atheismus im Christentum - dass sie heterodox Glaubende erschafft." Boff ist für diesen Aphorismus ein ausgezeichnetes Beispiel, denn er durchbrach orthodoxe Schemata, wo es scheinbar keine Veränderungen mehr gab. Seine Ethik konzentriert sich auf die "Tugenden für eine andere mögliche Welt", mit einer brüderlich/schwesterlich-ökologischen Konstruktion und einer Theologie in der Spannung von Gefangenschaft und Befreiung.

Fünf Jahrzehnte seiner theologischen Arbeit bestanden darin, durch methodische Rigorisität und prophetischen Aufruf auf andere Weise Theologie zu betreiben und  die politische Verpflichtung für die Armen der Erde und die unterdrückte Schöpfung offen zu legen. Die methodische Konsequenz besteht in einer doppelten Vermittlung der Theologie der Befreiung: sozial-analytisch und hermeneutisch.

Die Humanwissenschaften und die Sozialwissenschaften leisten dafür ein besseres Verständnis der Realität, was ihre Mechanismen der Unterdrückung betrifft. Diese richten sich ja gegen das Leben der Armen und die Natur. Die Theologie der Befreiung rückte darum deutlich von einem neutralen, indifferenten Standpunkt ab, der die Politik und die Ethik betraf.

Der Bezug zur Hermeneutik ermöglichte die Basistexte des Christentums so auszulegen, dass sie nicht fundamentalistisch abglitten. Denn der sich absolut gebärdende Fundamentalismus gehört zu den perversesten Manifestationen der Religionen. So stellte die hermeneutischen Analyse die biblischen Texte in kontextuellen und sozialgeschichtlichen Zusammenhängen dar und macht so den ursprünglichen Sinn deutlich. Damit stellen sich Fragen im Licht der neuen Herausforderungen und weitere Fragen, die zu unserer Realität gehören.
Leonardo Boff ist einer der wesentlichen "Kultivierer" der Theologie der Befreiung, die er praktisch in den Favelas von Petropolis mit seiner intensiven sozial-pastoralen Arbeit umsetzte, um glaubwürdige Antworten zu geben. Sie begann in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts und verband sich mit einer Gruppe von Priestern, die sich der indigenen Welt des Amazonas-Regenwaldes verpflichtet sahen. Sie dauert nun schon 50 Jahre an. Diese Fragen aber sind entscheidend:
  • Wie kann man Tod und Auferstehung Jesu der indigenen Bevölkerung verkünden, die durch die Krankheiten der Weißen vernichtet werden und sterben?
  • Wie kann man die frohe Botschaft des Heils
    den ausgebeuteten Bevölkerungsschichten verkünden?
  • Wie kann man von Gott verständlich reden und nicht auf zynische Weise zu den indigenen Menschen sprechen, die die Erfahrung des Heiligen im Kontakt mit der Natur leben?
Aus den Lebenserfahrungen in der Welt extremer Armut und kultureller Ausgrenzung erwächst die Notwendigkeit auf die von daher kommenden Fragen zu antworten. Die neue Methodologie der Befreiung zeichnet sich darin in besonderer Weise aus,
dass sie als Fundament des Denkens
und zugleich für das Handeln dient.
Düsseldorf 1999, 226 S.
Rezensionsnotiz: hier

Die Theologie hat bisher auch kaum Interesse für die Ökologie gezeigt. Hier setzt die theologische Reflexion von Leonardo Boff im Sinne einer emanzipatorischen Kraft des wissenschaftlich-technischen Paradigmas des Moderne.
Es konzentriert sich nämlich auf das menschliche Sein, das nur als menschliches universal und integrierend sein kann!  Das bedeutet auch eine Verbindung des Menschlichen mit der Natur, im Sinne eines Dialogs und kosmischer Solidarität. Dazu gehört auch eine Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit ohne Grenzen von Seilschaften und  Tribalismus.
Es ist die "Option Erde" .
"Der Verstand kann nicht ohne Hoffnung blühen. Die Hoffnung kann nicht ohne den Verstand reden", so schrieb der Philosoph der Hoffnung (in: "Prinzip Hoffnung"). Verstand und Hoffnung, oder besser ein kämpferischer Optimismus, docta spes, die gelehrte Hoffnung, prägt das Werk von Leonardo Boff. Manchmal ist er deshalb beschuldigt worden, ins Utopische abzugleiten, aber so utopisch zu denken, ist im Grunde ein Lob. Im Gedicht von Eduardo Galeano (1940-2015) heißt es, dass die Utopie dazu dient, den Weg zu gehen, selbst mit gebrochenen Beinen. Das ermöglicht das Wunder der Utopie.
In diesem Sinne wünscht Juan José Tamayo für Leonardo Boff, dass das Wunder der Hoffnung und der Utopie weiterwirken möge.

CC



Montag, 3. Dezember 2018

Reinhard Kirste: Publikationen - Print, Online, Blogs, RIG und ICT (Downloads-Auswahl)

QR-Code: Dialog der Religionen
1. Publikationen Print und Online
2. Publikationen nur online
3. Religionen im Gespräch (RIG)
    - eigene Beiträge

4. Iserlohner Con-Texte (ICT)
    - eigene Beiträge


1. PUBLIKATIONEN
    PRINT und ONLINE
:



Zur allgemeinen Übersichtsseite: Dialog der Religionen


2.  Themenzusammenstellungen und Blogs



3. RELIGIONEN IM GESPRÄCH
(RIG 1/1990 - RIG 9/2006) ---  nur teilweiser Download


--- Gemeinsam vor Gott. Religionen im Gespräch (JIB 1/RIG 1, 1990)
--- Engel - Elemente - Energien (RIG 2, 1992)
  • Auf dem Weg zum interreligiösen Verstehen.
    Das Jahr 1993 und der Weltkongress of Faiths (WCF) --- (S. 469-478)
  • Die Interreligiöse Arbeitsstelle (INTR°A) in Nachrodt (S. 502-508)
  • Theologische Ansätze des religiösen Pluralismus II:
    Hasan Askari und David J. Krieger (S. 526-538)
  • Udo Tworuschka (Mitarbeit R. Kirste): Theologische Ansätze des religiösen Pluralismus III:
    W.G. Oxtoby, H. Jungheinrich, P.F. Knitter, R. Bernhardt, G. Rosenstein
    (S. 539-548)
  • Reinhard Kirste / Hartmut Schröter / Udo Tworuschka:
    Theologische Ansätze des religiösen Pluralismus IV:
    Raimon Panikkar und die Versöhnung der Religionen (S. 549-564)
  • Hartmut Schröter / Wolfram Eichler (Mitabeit R. Kirste):
    Theologische Ansätze des religiösen Pluralismus V:
    Die Zeitschriften "Dialog der Religionen" und
    "Studies in Interreligious Dialogue" (S. 565-590)
--- Interreligiöser Dialog zwischen Tradition und Moderne (RIG 3, 1994)
--- Wertewandel und religiöse Umbrüche (RIG 4, 1996)
  • Kulturprägungen des Christentums (S. 41-65)
--- Die dialogische Kraft des Mystischen (RIG 5, 1998)
  • Die Interreligiöse Arbeitsstelle INTR°A).
    Interreligiöse Begegnungen und das Experiment des „West-östlichen Diwans“.
    Zwischenbilanz 1995-1998 (S. 543-548)
--- Hoffnungszeichen globaler Gemeinschaft (RIG 6, 2000)
--- Neue Herausforderungen für den interreligiösen Dialog (RIG 7, 2002)
--- Wegmarken zur Transzendenz (RIG 8, 2004)
--- Europa im Orient - der Orient in Europa (RIG 9, 2006)

4. ISERLOHNER CON-TEXTE (ICT) - Neubearbeitungen

  • CC