Mittwoch, 21. Februar 2018

Institut du Monde Arabe - Brücke zwischen Orient und Okzident

Arabische Kalligrafie:
Das Wissen verleiht ewige Kraft
Das Institut du Monde Arabe (IMA), Paris gehört zu den bedeutendsten Kultureinrichtungen Frankreichs, die die Verbindung mit der arabischen Welt intensiv pflegen. Mit zahlreichen Ausstellungen, Konzerten, Film- und Theater- aufführungen sowie Diskussionen zu aktuellen Themen aus der Geschichte und der Gegenwart soll ein differenziertes Bild des Orients vermittelt werden.
Oft betrifft dies auch den Zusammenhang zwischen Christentum und Islam.
Eine große Bibliothek und Mediathek sowie eine Spezialbuchhandlung ermöglichen weitergehende Recherchen.

Einige Veranstaltungen auf YouTube zum Nachhören und Nachschauen, besoders die Donnerstage - Jeudis de l'IMA


Hier eine Auswahl älterer Veranstaltungen 

10. November 2014:  Caricaturistes - Fantassins de la démocratie

20. Oktober 2014:     Les Vies de Mohamed Arkoun

19. Juni 2014:           Islam, Islamisme(s) et Ocident

27. März 2014:          Écrire, créer - dans les camps palestinienens

9. Januar 2014:         L'islamophobie en question

22. November 2013:   Une oeuvre, un destin - André Miquel

24. Oktober 2013:      Histoire des relations entre Juifs et Musulmans

Weitere (inter-)religiöse und (inter-)kulturelle Lernorte: hier

Dienstag, 20. Februar 2018

Hasan Askari (1932 - 2008) - (Islamischer) Mystiker jenseits traditioneller Religionen (aktualisiert)

Syed Hasan Askari (geb. 1932 in Hyderabad, gest. 2008 in England) gehört zu den bedeutenden interreligiösen Brückenbauern. Indo-pakistanischer Herkunft und in Großbritannien beheimatet, beeindruckte seine Grenzen überschreitende Spiritualität. Als Professor für Religionswissenschaft lehrte er an verschiedenen Universitäten Europas, Asiens und in den USA: Aligarh (Indien), Beirut (Libanon), Amsterdam (Niederlande), Denver (USA) sowie am Centre for Christian Muslim Relations in Selly Oak, Birmingham (jetzt Centre for Islamic and Middle Eastern Studies der Universität Birmingham). Dort arbeitete er auch mit John Hick zusammen.
Sein "spiritual quest" und seine Erfahrungen religiöser Vielfalt sind von einem spirituellen Humanismus geprägt.
Von seinen vielen Veröffentlichungen sind nur einige noch im Buchhandel oder antiquarisch erhältlich. Auch im Internet sind nur wenigeTexte verfügbar:

Aufsätze in Deutsch


Interviews und Kommentare

Bücher und Texte

  • Inter-Religion - 1976
  • Society and State in Islam - 1977
  • Reflections of the Awakend - 1983
  • (Coedited with John Hick):
    The Experience of Religious Diversity - 1985
  • Spiritual Quest: An Inter-Religious Dimension.
    Pudsey, West Yorkshire )UK): Seven Mirrors 1991, 139 pp.
    Rezension: hier
  • (with David Bowen): Seers and Sages.
    Pudsey, West Yorkshire (UK): Seven Mirrors 1991, 292 pp.
  • Alone to Alone. From Awareness to Vision. Pudsey, West Yorkshire (UK): Seven Mirrors 1991, 292 pp.
    Dedicated to the Guiding Spirit of Plotinus
    Rezension: hier
  • Contemplation of Essence - 1994
  • The Charter of Spiritual Humanism - 1995
    Rede von Hasan Askari: Spiritual Humanism"
    in Hyderabad 1995
  • The Tree of Gnosis. 1996
  • Soul Beings. 1996
  • Masks of Divinity. 1996
  • Guidelines to the Study
    of the Soul - 1996
  • The Quranic Doctrine
    of the Soul - 1996
  • Solomon's Ring.
    The Life and teachings
    of a Sufi Master
    by Gul Hasan.
    Translated from Urdu
    by Hasan Askari.

    Walnut Creek, London, Delhi: Altamira Publ. 1998, 218 pp.
  • The Spiritual Response
    to Terrorism.

    Manuskript 2003, 142 pp.
  • From Interreligious Dialogue to Spiritual Humanism.
    Interreligious Insight 2004


Als langjähriger Partner in Dialog-Sitzungen, die vom Ökumenischen Rat der Kirchen und anderen Organisationen organisiert und unterstützt wurden, drängte Askari darauf, das interreligiöse Gespräch in die Lebenswirklichkeit des jeweils einzelnen zu transformieren.  
Der anglikanische Bischof
Kenneth Cragg (1913-2012), bedeutender christlicher Interpret islamischer Positionen, betrachtete ihn als einen der acht prominentesten muslimischen Denker des 20. Jahrhunderts.
Hasan Askari war zugleich Philosoph, Mystiker, Historiker und Sozialwissenschaftler. Seine religionswissenschaftliche Kompetenz wie seine mystische Erfahrungen führten ihn dazu, immer wieder einzelne Menschen und Einrichtungen der verschiedenen religiösen Traditionen aufzufordern, ihre selbst auferlegten Grenzen zu überwinden und auf neuen Ebenen des Verstehens miteinander zu kommunizieren.
Hasan Askari ist leider nicht sehr vielen Menschen als Brückenbauer bekannt geworden. Es ist darum eine wichtiger weiterführender Beitrag, dass Verwandte und Freunde von Hasan Askari den Spiritual Human Blog eingerichtet haben, in dem sie die Arbeit und Vision dieser Persönlichkeit beschreiben und weiter bekannt machen wollen.
Hasan Askari war übrigens auch Mitglied der
Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A).












Montag, 12. Februar 2018

Die Göttinnen von Mekka in vorislamischer Zeit

Mekka im Jahr 1718 (Wikipedia.en)
Bevor der Islam die wichtigste Religion der arabischen Halbinsel wurde, gab es dort eine große Göttervielfalt. In der Stadt Mekka, einer Wüstenoase, zugleich Handelszentrum und bedeutender Pilgerort, wurden viele Götter verehrt, besonders drei Göttinnen
Im Hof des Heiligtums standen wahrscheinlich 360 Götterbilder für jeden Tag des Jahres ein Gott bzw. eine Göttin. Im Zentrum befand sich die Kaaba mit dem Bild des Gottes Hubal  und auch der heilige schwarze Stein (ca 25 cm Durchmesser, in drei Stücke zerbrochen und von einer Silbereinfassung gehalten).
Das Lexikon zu den Religions-Sendungen des österreichischen Fernsehens (ORF) beschreibt die damalige Situation sehr schön:
Die Göttin Al-Lat
auf einem Kamel

Relief aus Ta'if in Saudi-Arabien,
um 100 n. Chr.
(Wikipedia)
"Es gilt als gesichert, dass dort dem Gott Hubal und den altarabischen Göttinnen Al-Lat, Manat und Uzzat
 
[= Al-Uzza] gehuldigt wurde. Sie waren Tochtergottheiten von „Al-Lah“ ( = der Gott), der im damaligen Pantheon jedoch nur ein Gott einer unter mehreren war. Diese Zeit des Polytheismus wird im Arabischen als „Dschahilija“ (Zeit der Unwissenheit) bezeichnet.
Auch durch die regelmäßigen Pilgerströme entwickelte sich Mekka, das in einem unfruchtbaren Tal zwischen zwei Bergketten liegt, zu einem Zentrum des Handels. Davon profitierten vor allem einige Clans des Stammes der
Quraisch, der damals Mekka beherrschte. Auch der islamische Prophet Mohammed gehörte den Quraisch an, allerdings aus einem verarmten Zweig. Jene Familien, die vom den Pilgeraktivitäten am meisten profitierten, standen dem Islam zunächst feindlich gegenüber. Daher setzte sich Mohammeds neue Glaubenslehre in seiner Geburtsstadt erst durch, nachdem er sie im Jahr 630 erobert hatte."

Der heilige Stein an der Kaaba - Hintergründe
"Die Araber besaßen keine Götterbilder, sondern verehrten heilige Steine (Baityl), die meist unbearbeitet blieben. Diese wurden berührt, geküsst und umkreist: nach Ibn al-Kalbi nannte man den Umlauf tawaf طواف / ṭawāf – wie im Islam – oder, vor allem in der vor- und frühislamischen Poesie, dawar. دوار / dawār.
Solche Steine nannte man al-ansab الأنصاب / al-anṣāb; Ibn al-Kalbi schreibt: „Die Araber besaßen staubfarbige Steine, die sie aufgestellt hatten. Sie umkreisten sie und opferten bei ihnen. Sie nannten sie al-anṣāb“. Bei den Kultsteinen wurden Tiere geopfert und jene mit dem Blut besprengt oder bestrichen. Solche Steine werden schon von Herodot beschrieben.
Die Kaaba (الكعبة) in Mekka – nach islamischem Glauben von Ibrahim errichtet und angeblich himmlischen Ursprungs – war bereits in vorislamischer Zeit ein bedeutendes Heiligtum. Muhammad ibn Saʿd berichtet, dass der Stein ursprünglich auf dem Berg Abu Qubais bei Mekka verehrt wurde; erst vier Jahre vor Mohammeds ersten Offenbarungen stellten die Quraisch den schwarz gewordenen Stein in der Stadt auf. Der Koranexeget Mudschāhid ibn Dschabr erklärt die Farbe des Steines mit der Sitte der Polytheisten, die den Stein mit Blut zu beschmieren pflegten. Somit erfüllte dieser Stein die Funktion anderer ansab. Innerhalb des heiligen Bezirkes befand sich nicht nur der berühmte schwarze Stein, sondern auch die Figur des Hubal aus rotem Karneol und der heilige Brunnen Zamzam. Die „ansab“ waren unbehauene Steine, die man in Privathäusern/Zelten aufstellte; nach und nach sind sie durch Idole (ṣanam/aṣnām) als geformte Statuen ersetzt worden. Nach Auskunft von al-Azraqi gab es in Mekka am Vorabend des Islams kein Haus ohne Idol"
(aus Wikipedia: Altarabische Gottheiten).
Die Geschichte der Kaaba von Adam bis Mohammed
(Focus online-Lexikon)

In den Museen des Louvre in Paris finden sich beeindruckende Zeugnisse aus der vorislamischen Zeit.


Totenbankett des Maliku, Palmyra, 2. Jh. n. Chr. (Detail)
Buchcover: Aux sources du monde arabe. Paris 1990
CC


Mittwoch, 7. Februar 2018

Philosophische Orient-Okzident-Begegnungen - Mohamed Turki (aktualisiert)

Mohamed Turki am 26.01. 2018
an der Universität zu Köln
Mohamed Turki (geb. 1945 in Gabès) hat neben wissenschaftlichen Arbeiten in seinem Heimatland Tunesien seine interkulturellen Interessen durch das Studium der Philosophie, Romanistik und Soziologie an der Universität Münster vertieft. Das führte dazu, dass er eingeladen wurde, an den deutschen Universitäten Bremen, Gießen und Kassel, aber auch an den tunesischen Universitäten Sfax und Tunis zu lehren.  
Aufgrund seiner Verbindungen zur französischen Philosophie und Literatur beschäftigte er sich ausführlich mit Jean-Paul Sartres Existenzphilosophie, im Blick auf Deutschland mit Ernst Blochs utopischem Konzept "Prinzip Hoffnung" und mit der arabisch-islamischen Philosophie im Kontext philosophischer Strömungen in Europa und Amerika. Durch die Eröffnung bisher wenig bedachter interkultureller und  interreligiöser Perspektiven wurde er mit seiner interkulturellen Philosophie zu einem Brückenbauer zwischen arabischen und westlichen Philosophien und ein Vermittler der Kulturen.
Bei einem Vortrag im Rahmen der Gedenkveranstaltung für die 2017 verstorbene Philosophin Claudia Bickmann  zum Thema "Dimensionen der Freiheit" in Köln betonte er besonders die verschiedenen Freiheitskonzepte in der islamischen Philosophie und Theologie. Angesichts der Eroberung Ägyptens durch Napoleon im Jahre 1798 und den kolonialistischen Folgen war ein korrelativer Diskurs westlicher und östlicher Freiheitskonzepte faktisch unmöglich geworden.
Außerdem nahmen eurozentristische Vorurteile 
gegenüber dem Orient bedenklich zu, ja man konstruierte sich ein eigenes Orientbild (z.B. auch G.F. Hegel). Dieses beinhaltete zugleich einen Universalanspruch der europäischen Philosophie. Dadurch kamen wichtige Denkkonzepte der islamischen Vergangenheit nicht mehr zur Sprache. 
Dies ist bedauerlich, besonders im Blick  auf eine vernunftbasierte Willensfreiheit im Mu'tazilismus und der Geschichtsvergessenheit angesichts von Averroes / Ibn Rushd (1126-1198) und seinen Aristoteles-Kommentaren. Dieser großartige Denker wurde selbst in der christlichen Philosophie des Mittelalters nur noch der "Kommentator" (des Aristoteles) genannt. 
Er wehrte sich mit seinem Konzept der Willensfreiheit gegen die Ansichten des ebenfalls sehr einflussreichen Philosophen, Theologen, Juristen und Mystikers Muhammad al-Ghazali (1056-1111). 
Der "Kommentator" verwarf al-Ghazalis Verständnis von Gott als der einzigen Ursache. Denn al-Ghazali hatte dadurch faktisch die Willensfreiheit zugunsten der göttlichen Prädestination des Menschen eingeschränkt.

Die averroistischen Theorien des unendlichen Willens und der unbegrenzten Wirksamkeit Gottes lassen sich in vielfältige individuelle und anthropologische Zusammenhänge umsetzen. Dies geschieht unter Aufnahme averroistischer und mu'tazilitischer  Grundmuster in der Gegenwart verstärkt bei  islamischen Philosophen wie z.B. Mohamed Talbi (1921-2017), Mohamed Arkoun (1928-2010), Mohamed Abed Al-Jabri (1935-2010), Mohamed Aziz Lahbabi (1923-1993) und Malek Chebel (1953-2016). Es sind Weiterführungen im Sinne eines freiheitlich-humanistischen Menschenbildes .


CC













  • Montag, 5. Februar 2018

    Die Reformation - eine europäische Bewegung (aktualisiert)

    St. Thomaskirche Straßburg, seit 1524 lutherisch
    Mehr bei Wikipedia: hier
    Was in Wittenberg im
    16. Jahrhundert durch Martin Luther schließlich zu einem Umbruch des gesamten mittelalterlichen Europas führte, hat viele Entwicklungen bestärkt, die sich seit über 100 Jahren zuvor ankündigten: teilweise extreme politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen. In besonderer Weise ermöglichte auch der Buchdruck eine äußerst schnelle Verbreitung der reformatorischen Schriften. 
    So sei hier der Blick nicht nur auf Martin Luthers Reformation und Mitteldeutschland gelegt, sondern auch auf eine Reihe anderer europäischer Regionen:

    Fenster: Kirche St. Sauveur, Straßburg

    Weiteres:
    • Dokumentarfilm: Reformation in Europa
    • Nur Vorläufer?
      Die böhmische Reformation (Deutschlandfunk, 04.11.2016)
    • Krisen und Reformen im Zeitalter der Konfessionalisierung
      (1500-1618)  --- Universität Zürlich: Legal History Onlinline
    • Geoffrey R. Elton: Europa im Zeitalter der Reformation 1517-1559. 
      München: C.H. Beck 1982, 2. überarb. Aufl. 326 S., Personenregister
    • Scott H. Henrix: Recultivating the Vineyard.
      The Reformation Agendas of Christianization
      Louisville (USA) / London (UK): Westminster John Knox 2004, 254 pp., index
    • Bernard McGinn: Mysticism in the Reformation, 1500-1650, Part 1
      New York City: Crossroads 2017, 350 pp.
      Oskar Thulin (Hg.): Reformation in Europa.
      Berlin: EVA 1967, 352 S., Abb., Zeittafel, Personenregister



    Tim Dowley: Der Atlas zur Reformation in Europa
    Neukirchener Verlag 2016, 160 S.
    (mit zahlreichen Karten, Grafiken und umfangreicher Zeitleiste)
    Leseprobe mit Libreka  --- Coverdownload
    Weiterführend:



    Sonntag, 4. Februar 2018

    Die Bibel Ludwigs des Heiligen

    Miniatur Ludwigs des Heiligen
    aus dem Ms M.240 
    Ludwig IX.- König von Frankreich -
    (1226-1270) galt wegen seiner intensiven Frömmigkeit als der Heilige. Nach innen war er von tiefer Spiritualität erfüllt, nach außen stellte er sich als heftiger Verfechter des christlichen Glaubens und begeisterter Promotor der Kreuzzüge dar. Das ihm gewidmete prachtvolle Exemplar gotischer Buchmalerei ist eine "Bible moralisée", also eine  Auswahl-Bibel, eine Variante der Biblia Pauperum (Bibel für die Armen im Geiste = die Unwissenden) bekannt. Hier werden  Alt- und neutestamentliche Episoden paarig nebeneinander gestellt. Die Illustrationen sind "moralisierende" Interpretationen nach einem typologischen Muster (z.B. Adam - Christus = neuer Adam). Die extrem künstlerisch aufwändige Bibel (biblia rica) des Königs gelangte zu seinen Lebzeiten nach Toledo. Dort trennte man seltsamerweise die letzten acht  Folioseiten heraus und versah sie mit einem Ledereinband. Es sind 56 Illustrationen, die mit einem Begleittext versehen sind. Sie stellen Szenen aus der Apokalypse des Johannes dar. Dieses Fragment befindet sich in der Pierpont Morgan Library, New York (Ms M. 240).
    Entstehungszeit: um 1235.


    Mehr zur Bibel Ludwigs des Heiligen: hier

    Die hier folgenden Beispielseiten stammen aus der Faksimile-Ausgabe des ADEVA-Verlags Graz 1995.
    Dort erschien auch der Kommentarband von Hans-Walter Stork 1995, 100 S., sw-Abb.


    Zum Vergrößern auf die Bilder klicken !


      Die 7 Wehen der Apokalypse                     Königsdarstellung und Schreiber


    Ankündigungs-Engel und siebenköpfiges Tier




















    Himmlisches Jerusalem und Weltgericht



















    Jesus als Weltenrichter im Jüngsten Gericht















    CC