Montag, 26. Februar 2018

Pater Dall'Oglio: Mar Moussa - ein Kloster des christlich-islamischen Dialogs in der syrischen Einöde (aktualisiert)

Byzantinische Kapelle (Wikipedia)
Ein verfallenes Kloster, ein Jesuitenpater und die Bergwüste:
Damit beginnt die dramatische Geschichte des italienischen Priesters 
Paolo Dall'Oglio (geb. 1954 in Rom) in Syrien. Er entdeckte 1982 das verfallene Kloster, das den Namen Dair Mār Moūssā al-Habaschi trägt. Der Name bezieht sich auf einen äthiopischen Fürsten, Moses von Abessinien, der hier vor 1500 Jahren in der Einsamkeit mit einigen Gefährten die Nähe zu Gott suchte.

Seit 1984 baute Pater Paolo
Kloster Mar Moussa (Wikimedia)
mit Freiwilligen die Klosterruine nach und nach wieder auf und machte sie zu einer Begegnungsstätte von Christen und Muslimen in der Region und darüber hinaus. In der klösterlichen Abgeschiedenheit leben Mönche und Nonnen (eine Besonderheit in der katholischen Kirche!). Menschen aus aller Welt, die bisher kamen, wurden gastfreundlich
umsonst aufgenommen
und halfen dann als Dank im Kloster mit.
Pater Paolo, unerschrockener Kämpfer für Gerechtigkeit und Frieden, hat seit den revolutionären Aufbrüchen in Syrien immer wieder zwischen den Fronten  vermittelt. Er suchte während des brutaler gewordenen Bürgerkriegs die verfeindeten Gruppen auf und riskierte dabei sein Leben.
Seit dem Spätsommer 2013 ist der Pater jedoch verschwunden - ein beunruhigendes Zeichen! Das hat hauptsächlich den im französischsprachigen Raum tätigen Freundeskreis von Pater Paolo (Les amis de Mar Moussa) bewogen, zu Gedenkveranstaltungen und für die Freilassung des Paters sowie aller syrischen Gefangenen die Stimme zu erheben.




  • Der politisch engagierte Schriftsteller Navid Kermani
    beendete seine Rede zur Verleihung des
    Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2015
    in Frankfurt/M. am Schluss mit folgenden Worten:
    "Beten Sie für Jacques Mourad [ein entführter Priester und Schüler von Pater Paolo], beten Sie für Paolo Dall'Oglio, beten Sie für die Christen von Qaryatein, beten Sie oder wünschen Sie sich die Befreiung aller Geiseln und die Freiheit Syriens und des Irak. Gern können Sie sich dafür auch erheben, damit wir den Snuffvideos der Terroristen ein Bild unserer Brüderlichkeit entgegenhalten." 

    --- 
    Hier der Text der gesamten Friedenspreisrede 

Im Sommer 2013 erschien das Buch von
Paolo Dall'Oglio: La rage et la lumière. Un prêtre dans la révolution syrienne 
( = Die Wut und das Licht. Ein Priester in der syrischen Revolution)

Hintergrundbericht im Portal "Le Chiffon Rouge" vom 30.08.2013 

Die Motivation für das dialogische Handeln
von Pater Paolo Dall'Oglio SJ. 

Erklärung nach seiner Ordination 1983 
(La Croix, 01.09.2014)


Weitere Informationen zu Syrien: hier



Mittwoch, 21. Februar 2018

Taizé - Wegstation der Versöhnung

Die romanische (katholische) Dorfkirche in Taizé  -
bis zum Bau der einfachen Versöhnungskirche (1962)
Ort der Tagzeiten-Gebete
Der aus Genf stammende reformierte Pfarrer Roger Schutz (12.05.1915 bis 16.08.2005) hatte schon in der Schweiz begonnen, mit einigen anderen ein kommunitäres Leben zu führen. Auf Grund seiner Verwandtschaftsbeziehungen kam er in der Zeit des 2. Weltkrieges in das kleine burgundische Dorf Taizé. Es lag an der Demarkationslinie zwischen dem von Nazi-Deutschland besetzten Teil Frankreichs und dem noch nicht besetzten sog. Vichy-Frankreich. Dort kaufte er ein Haus, wo er Kriegsflüchtlinge und Juden aufnahm, bis die Wehrmacht auch den sog. freien Teil Frankreich okkupierte. Zu dieser Zeit befand er sich gerade in der Schweiz. Im Spätherbst 1944 - nach der Befreiung Frankreichs - kehrte er mit einigen Brüdern nach Taizé zurück.  Diese evangelischen Christen begannen 1949 ein konsequentes klösterliches Leben. 

Nachdem schon die ersten katholischen Brüder in der Gemeinschaft mitgelebt hatten, legte Ostern 1969 ein junger belgischer Arzt als erster Katholik sein Gelübde ab. François Kardinal Marty, der damalige Erzbischof von Paris, gab dazu sein Einverständnis. Damit wurde die Communauté de Taizé „die erste ökumenische Brüdergemeinschaft der Kirchengeschichte“. 2017 zählten etwa 100 Brüder zur Communauté. Die Brüder sind Katholiken oder Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen. Sie stammen aus über fünfundzwanzig Ländern. Durch ihr Dasein selbst ist die Communauté ein konkretes Zeichen der Versöhnung unter gespaltenen Christen und getrennten Völkern." (Wikipedia)

Besonders bekannt wurde Taizé durch die immer größer werdenden Jugendbegegnungen, besonders an Ostern und schließlich durch die von Frére Roger ins Leben gerufenen jährlichen Europäischen Jugendtreffen jeweils in einer anderen Stadt Europas. 



Frère Roger 


Glockenturm

Anbau der Versöhnungskirche


Altarraum mit den Ikonen


Die Stille hören ...

Altarraum der Krypta

Jugendtreffen

Gäste-Vorbereitungen

CC



Institut du Monde Arabe - Brücke zwischen Orient und Okzident

Arabische Kalligrafie:
Das Wissen verleiht ewige Kraft
Das Institut du Monde Arabe (IMA), Paris gehört zu den bedeutendsten Kultureinrichtungen Frankreichs, die die Verbindung mit der arabischen Welt intensiv pflegen. Mit zahlreichen Ausstellungen, Konzerten, Film- und Theater- aufführungen sowie Diskussionen zu aktuellen Themen aus der Geschichte und der Gegenwart soll ein differenziertes Bild des Orients vermittelt werden.
Oft betrifft dies auch den Zusammenhang zwischen Christentum und Islam.
Eine große Bibliothek und Mediathek sowie eine Spezialbuchhandlung ermöglichen weitergehende Recherchen.

Einige Veranstaltungen auf YouTube zum Nachhören und Nachschauen, besoders die Donnerstage - Jeudis de l'IMA


Hier eine Auswahl älterer Veranstaltungen 

10. November 2014:  Caricaturistes - Fantassins de la démocratie

20. Oktober 2014:     Les Vies de Mohamed Arkoun

19. Juni 2014:           Islam, Islamisme(s) et Ocident

27. März 2014:          Écrire, créer - dans les camps palestinienens

9. Januar 2014:         L'islamophobie en question

22. November 2013:   Une oeuvre, un destin - André Miquel

24. Oktober 2013:      Histoire des relations entre Juifs et Musulmans

Weitere (inter-)religiöse und (inter-)kulturelle Lernorte: hier

Dienstag, 20. Februar 2018

Hasan Askari (1932 - 2008) - (Islamischer) Mystiker jenseits traditioneller Religionen (aktualisiert)

Syed Hasan Askari (geb. 1932 in Hyderabad, gest. 2008 in England) gehört zu den bedeutenden interreligiösen Brückenbauern. Indo-pakistanischer Herkunft und in Großbritannien beheimatet, beeindruckte seine Grenzen überschreitende Spiritualität. Als Professor für Religionswissenschaft lehrte er an verschiedenen Universitäten Europas, Asiens und in den USA: Aligarh (Indien), Beirut (Libanon), Amsterdam (Niederlande), Denver (USA) sowie am Centre for Christian Muslim Relations in Selly Oak, Birmingham (jetzt Centre for Islamic and Middle Eastern Studies der Universität Birmingham). Dort arbeitete er auch mit John Hick zusammen.
Sein "spiritual quest" und seine Erfahrungen religiöser Vielfalt sind von einem spirituellen Humanismus geprägt.
Von seinen vielen Veröffentlichungen sind nur einige noch im Buchhandel oder antiquarisch erhältlich. Auch im Internet sind nur wenigeTexte verfügbar:

Aufsätze in Deutsch


Interviews und Kommentare

Bücher und Texte

  • Inter-Religion - 1976
  • Society and State in Islam - 1977
  • Reflections of the Awakend - 1983
  • (Coedited with John Hick):
    The Experience of Religious Diversity - 1985
  • Spiritual Quest: An Inter-Religious Dimension.
    Pudsey, West Yorkshire )UK): Seven Mirrors 1991, 139 pp.
    Rezension: hier
  • (with David Bowen): Seers and Sages.
    Pudsey, West Yorkshire (UK): Seven Mirrors 1991, 292 pp.
  • Alone to Alone. From Awareness to Vision. Pudsey, West Yorkshire (UK): Seven Mirrors 1991, 292 pp.
    Dedicated to the Guiding Spirit of Plotinus
    Rezension: hier
  • Contemplation of Essence - 1994
  • The Charter of Spiritual Humanism - 1995
    Rede von Hasan Askari: Spiritual Humanism"
    in Hyderabad 1995
  • The Tree of Gnosis. 1996
  • Soul Beings. 1996
  • Masks of Divinity. 1996
  • Guidelines to the Study
    of the Soul - 1996
  • The Quranic Doctrine
    of the Soul - 1996
  • Solomon's Ring.
    The Life and teachings
    of a Sufi Master
    by Gul Hasan.
    Translated from Urdu
    by Hasan Askari.

    Walnut Creek, London, Delhi: Altamira Publ. 1998, 218 pp.
  • The Spiritual Response
    to Terrorism.

    Manuskript 2003, 142 pp.
  • From Interreligious Dialogue to Spiritual Humanism.
    Interreligious Insight 2004


Als langjähriger Partner in Dialog-Sitzungen, die vom Ökumenischen Rat der Kirchen und anderen Organisationen organisiert und unterstützt wurden, drängte Askari darauf, das interreligiöse Gespräch in die Lebenswirklichkeit des jeweils einzelnen zu transformieren.  
Der anglikanische Bischof
Kenneth Cragg (1913-2012), bedeutender christlicher Interpret islamischer Positionen, betrachtete ihn als einen der acht prominentesten muslimischen Denker des 20. Jahrhunderts.
Hasan Askari war zugleich Philosoph, Mystiker, Historiker und Sozialwissenschaftler. Seine religionswissenschaftliche Kompetenz wie seine mystische Erfahrungen führten ihn dazu, immer wieder einzelne Menschen und Einrichtungen der verschiedenen religiösen Traditionen aufzufordern, ihre selbst auferlegten Grenzen zu überwinden und auf neuen Ebenen des Verstehens miteinander zu kommunizieren.
Hasan Askari ist leider nicht sehr vielen Menschen als Brückenbauer bekannt geworden. Es ist darum eine wichtiger weiterführender Beitrag, dass Verwandte und Freunde von Hasan Askari den Spiritual Human Blog eingerichtet haben, in dem sie die Arbeit und Vision dieser Persönlichkeit beschreiben und weiter bekannt machen wollen.
Hasan Askari war übrigens auch Mitglied der
Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A).












Freitag, 16. Februar 2018

Von Isis und Ischtar bis Maria: Himmelsköniginnen (aktualisiert)

Die Heilige Familie: Horus, Osiris, Isis
Louvre, Paris (Wikipedia)
Isis mit Horus,
Louvre, Paris
(Wikipedia.en)

Der Mittelmeerraum sowie der gesamte Mittlere Osten war bis zum Aufkommen der monothe-istischen
Religionen religiös durch Göttinnen und Götter geprägt.
Diese traten oft als Paar auf.

In Ägypten entwickelte sich sogar eine "Heilige Familie" mit                                                    Isis, Osiris und Horus

Das religiöse Grundmuster ist fast durchgängig die Mondgöttin in Verbindung mit dem Sonnengott. Besonders im Zweistromland und im Mittelmeerraum dominierten die Göttinnen mit ihrer unmittelbaren kosmischen Verbindung zu Mond und Sternen.
Luna mit der Mondsichel -
 Kapitolinische Museen, Rom
(Wikipedia.en)



Babylonisches Ischtar-Tor,
Pergamon-Museum Berlin (Wikipedia)

Die Situation änderte sich langsam um 1000 v. Chr., als durch die eingewanderten [israelitischen] Wüstenstämme sich eine henotheistische/monotheistische Religion neben den anderen Kulten etablierte. Hier entwickelte sich gegen die vorherrschenden kanaänischen Religionen Tendenzen eine von Männerbildern geprägte Religion, die schließlich zu einer scharfen Abgrenzung des Einen-einzigen Gottes gegenüber den anderen Glaubenstraditionen führte. 

Davon berichtet die Bibel z.B. beim Kampf des Propheten Elia gegen die Baals-Religion (1. Könige 18-19). Hinter Baaldem [untergeordneten] Sonnen- und Regengott, stand jedoch die in vielen Variationen auftretende mächtige Himmelskönigin Astarte/Aschera/Ischtar. Sie beherrschte den gesamten mittelöstlichen Raum. Ihr Symbol war der Mond, zugleich ihre Waffe. Mit dem (Mond-)Bogen ging sie zwischen Himmel und Erde auf die Jagd. Darum wird die griechische Artemis bzw. die römische Diana auch als Jagdgöttin dargestellt. 
Auch im vorislamischen Arabien spielten diese Welten- und Himmelsgöttinnen eine große Rolle: Die Göttinnen in Mekka vor Mohammed


Astarte, 6. Jh. v. Chr. (Wikipedia)
Diese scheinbar verschiedenen Göttinnen sind seit der Steinzeit (ab ca. 35.000 v.Chr.) letztlich Varianten des Kultes der Großen Mutter (Magna Mater), der Urmutter und Weltgebärerin. Griechische Religionen und römische Adaptionen nahmen sie in ihr Pantheon unter verschiedenen Namen auf. Auch der Apostel Paulus machte mit ihr als Artemis unangenehme Bekanntschaft durch den Aufstand der Silberschmiede, die für die vielen Pilger Devotionalen der Muttergöttin herstellten und durch Paulus ihre Existenz in Frage gestellt sahen (Apg. 19). 

Artemis-Kybele,
Museum Selcuk-Ephesus (Wikipedia)
Kybele, römische Kopie
Kapitolinische Museen
(Wikipedia)
Das Christentum - aus dem Judentum hervorgegangen - hatte nämlich den starken Mutterkulten kaum etwas entgegenzusetzen. Die geringe Repräsentanz des göttlich Weiblichen nötigte die Christen in der Auseinandersetzung mit den "heidnischen" Kulten zur verstärkten Betonung der Jungfrau Maria. Sie hatte schließlich einen Gottessohn geboren, der nun zugleich mit dem "Vater" angebetet und verehrt werden sollte. Eine gewisse weibliche "Verstärkung" kam in den östlichen Regionen des Christentums dadurch hinzu, dass der Heilige Geist als dritte "Person" der entstehenden Trinitätslehre z.T. weiblich, nämlich als Sophia, als Weisheit Gottes verstanden wurde.
Maria als Gegenpol zu den weiblichen Gottheiten nahm traditionsgeschichtlich ihren Weg von Bethlehem und Nazareth nach Ephesus. Im Zusammenhang mit der Tradition des Johannes-Evangeliums könnte sie eine "Etappe" in Damaskus gehabt haben. Dies signalisiert u.a. die dortige Marienkirche (Mariamitische Kathedrale). Bei Ephesus, dem Zentrum des Kybelekultus, stirbt Maria der Legende nach. Dort wird bis heute das Haus der Maria als Heilige Stätte verehrt.

Haus der Mutter Maria bei Ephesus (Wikipedia)
Literatur: Theodora Jenny-Kappers:
Muttergöttin und Gottesmutter in Ephesos.
Von Artemis zu Maria.
Zürich: Daimon 1986, 199 S., Abb., Register

Inhaltsverzeichnis: hier
Die liberale römische Religionspolitik tat übrigens das ihre dazu, dass die Mutterkulte schon längst in andere Teile des Imperium Romanum gekommen waren.
Es entstand sogar ein kleines Heiligtum der Kybele im wichtigen römischen Legionslager Castrum Novaesium (= Neuss). Der sog. Blutgraben,"Fossa Sanguinis," könnte mit den Opferungen für die Göttin zu tun gehabt haben. 
Bei der kirchlichen Verehrung Mariens als Gottesgebärerin, Gottesmutter und Himmelskönigin wurden ihr zwar Altäre gewidmet, jedoch blieb sie immer der Trinität von Gottvater, Sohn und Heiligen Geist untergeordnet. Allerdings flossen und fließen in den Marienkult weltweit Traditionen der Vorgängerreligionen ein. Dies zeigt sich in der Gegenwart besonders in der Marienverehrung Lateinamerikas.

Vgl. Virgil Elizondo: Unsere Liebe Frau von Guadelupe. Evangelium für eine neue Welt.
Aus dem Englischen von Karl Pichler. Luzern: Ed. Exodus 1999, 158 S.



Marienleuchter im Dom von Wetzlar (R.K.)



Kloster Eberbach: Maria in der Mondsichel



















Seminarmaterial:


Kleine Literaturauswahl:
  • Ilhan AKSIT: The Aegean Mythology. The Story of the Two Sides
    Handbook Series 13. Ankara: Ministry of Culture and Tourism Publications 2010, 177 pp., illustr.
  • Helgard BALZ-COCHOIS: Inanna. Wesensbild einer unmütterlichen Göttin.
    Studien zum Verstehen fremder Religionen, Bd. 4.
    Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1992, 240 S., Register
  • Franz BAUMER: Der Kult der Großen Mutter.
    Schauplätze einer mythischen Welt. 
    München: Langen Müller 1993, 352 S., Abb., Register
    Jacques Bonvin: Vierges Noires. La réponse vient de la Terre. Paris: Dervy 1988, 304 pp.
  • Jean Bottéro: La plus vieille religion en Mésopotamie.
    folio histoire 82. Paris: Gallimard 1998, 443 pp., index
  • Jonathan Cott: Isis and Osiris. Exploring the Goddess Myth.
    New York: Doubleday 1994, 209 pp., illustr., index
    --- Kurzkommentar: hier
  • Andreas Feldtkeller: Im Reich der syrischen Göttin.
    Eine religiös plurale Kultur als Umwelt des
    frühen Christentums.
    Studien zum Verstehen fremder Religionen, Bd. 8
    Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1992, 240 S., 333 S.
  • Brigitte Gronenberg: Die Götter des Zweistromlandes.
    Düsseldorf/Zürich: Patmos 2004, 290 S., Abb., Index
  • Jean Hani: La Vierge Noire et le Mystère Marial.
     Paris: Guy Trédaniel 1995, 177 pp., illustr.
  • Josef Imbach: Marienverehrung zwischen Glaube und Aberglaube. Düsseldorf: Patmos 2008, 252 S., Abb.
  • Sharukh Husain: The Goddess.
    An Illustrated Guide to the Divine Feminine.
    One Spirit Living Wisdom Library.
    London: Duncain Baird 1997, 184 pp., index
    2. Aufl. 2003
    --- Deutsch: Die Göttin. Das Matriarchat,
        Mythen und Archetypen,
        Schöpfung, Fruchtbarkeit und Überfluss.
        Köln 2001, 184 S., Abb., Register
    --- Ergänzende Informationen: hier
  • Isis-Kult: Seine religionspolitische Bedeutung im Mittelmeerraum
    (Buchrezension)
  • Christa Mulack: Die geheime Göttin im Christentum. 
  • Reihe Symbole. Stuttgart: Kreuz 1985, 246 S.
  • Karen L. King (ed.): Women and Goddess Traditions in Antiquity and Today.
    Minneapolis, MN (USA): Augsburg Fortress 1997, 450 pp., index
  • Caitlin Matthews: Sophia - Göttin der Weisheit. Aus dem Englischen von Clemens Wilhelm
    Solothurn / Düsseldorf: Walter 1993, 424 S., Index
  • Giovanni Miegge: Die Jungfrau Maria. Studie zur Geschichte der Marienlehre.
    Kirche und Konfession, Bd. 2. Göttingen: V & R 1962, 218 S., Register
  • Elisabeth Moltmann-Wendel / Hans Küng / Jürgen Moltmann (Hg.):
    Was geht uns Maria an?
    GTB 493. Gütersloher Verlagshaus 1988, 208 S. 
  • Florence Quentin: Isis l'Éternelle. Biographie d'un mythe féminin.
    Paris: A. Michel 2012, 260 pp.
  • George H. Tavard: The Thousand Faces of the Virgin Mary.
    Collegeville, MN (USA): Liturgical Press 1996, VIII, 275 pp., index
  • Marina Warner: Maria: Geburt, Triumph, Niedergang, Rückkehr eines Mythos?
    München: Trikont 1982, 483 S., Abb., Register
Reinhard Kirste

März 2017



Montag, 12. Februar 2018

Die Göttinnen von Mekka in vorislamischer Zeit

Mekka im Jahr 1718 (Wikipedia.en)
Bevor der Islam die wichtigste Religion der arabischen Halbinsel wurde, gab es dort eine große Göttervielfalt. In der Stadt Mekka, einer Wüstenoase, zugleich Handelszentrum und bedeutender Pilgerort, wurden viele Götter verehrt, besonders drei Göttinnen
Im Hof des Heiligtums standen wahrscheinlich 360 Götterbilder für jeden Tag des Jahres ein Gott bzw. eine Göttin. Im Zentrum befand sich die Kaaba mit dem Bild des Gottes Hubal  und auch der heilige schwarze Stein (ca 25 cm Durchmesser, in drei Stücke zerbrochen und von einer Silbereinfassung gehalten).
Das Lexikon zu den Religions-Sendungen des österreichischen Fernsehens (ORF) beschreibt die damalige Situation sehr schön:
Die Göttin Al-Lat
auf einem Kamel

Relief aus Ta'if in Saudi-Arabien,
um 100 n. Chr.
(Wikipedia)
"Es gilt als gesichert, dass dort dem Gott Hubal und den altarabischen Göttinnen Al-Lat, Manat und Uzzat
 
[= Al-Uzza] gehuldigt wurde. Sie waren Tochtergottheiten von „Al-Lah“ ( = der Gott), der im damaligen Pantheon jedoch nur ein Gott einer unter mehreren war. Diese Zeit des Polytheismus wird im Arabischen als „Dschahilija“ (Zeit der Unwissenheit) bezeichnet.
Auch durch die regelmäßigen Pilgerströme entwickelte sich Mekka, das in einem unfruchtbaren Tal zwischen zwei Bergketten liegt, zu einem Zentrum des Handels. Davon profitierten vor allem einige Clans des Stammes der
Quraisch, der damals Mekka beherrschte. Auch der islamische Prophet Mohammed gehörte den Quraisch an, allerdings aus einem verarmten Zweig. Jene Familien, die vom den Pilgeraktivitäten am meisten profitierten, standen dem Islam zunächst feindlich gegenüber. Daher setzte sich Mohammeds neue Glaubenslehre in seiner Geburtsstadt erst durch, nachdem er sie im Jahr 630 erobert hatte."

Der heilige Stein an der Kaaba - Hintergründe
"Die Araber besaßen keine Götterbilder, sondern verehrten heilige Steine (Baityl), die meist unbearbeitet blieben. Diese wurden berührt, geküsst und umkreist: nach Ibn al-Kalbi nannte man den Umlauf tawaf طواف / ṭawāf – wie im Islam – oder, vor allem in der vor- und frühislamischen Poesie, dawar. دوار / dawār.
Solche Steine nannte man al-ansab الأنصاب / al-anṣāb; Ibn al-Kalbi schreibt: „Die Araber besaßen staubfarbige Steine, die sie aufgestellt hatten. Sie umkreisten sie und opferten bei ihnen. Sie nannten sie al-anṣāb“. Bei den Kultsteinen wurden Tiere geopfert und jene mit dem Blut besprengt oder bestrichen. Solche Steine werden schon von Herodot beschrieben.
Die Kaaba (الكعبة) in Mekka – nach islamischem Glauben von Ibrahim errichtet und angeblich himmlischen Ursprungs – war bereits in vorislamischer Zeit ein bedeutendes Heiligtum. Muhammad ibn Saʿd berichtet, dass der Stein ursprünglich auf dem Berg Abu Qubais bei Mekka verehrt wurde; erst vier Jahre vor Mohammeds ersten Offenbarungen stellten die Quraisch den schwarz gewordenen Stein in der Stadt auf. Der Koranexeget Mudschāhid ibn Dschabr erklärt die Farbe des Steines mit der Sitte der Polytheisten, die den Stein mit Blut zu beschmieren pflegten. Somit erfüllte dieser Stein die Funktion anderer ansab. Innerhalb des heiligen Bezirkes befand sich nicht nur der berühmte schwarze Stein, sondern auch die Figur des Hubal aus rotem Karneol und der heilige Brunnen Zamzam. Die „ansab“ waren unbehauene Steine, die man in Privathäusern/Zelten aufstellte; nach und nach sind sie durch Idole (ṣanam/aṣnām) als geformte Statuen ersetzt worden. Nach Auskunft von al-Azraqi gab es in Mekka am Vorabend des Islams kein Haus ohne Idol"
(aus Wikipedia: Altarabische Gottheiten).
Die Geschichte der Kaaba von Adam bis Mohammed
(Focus online-Lexikon)

In den Museen des Louvre in Paris finden sich beeindruckende Zeugnisse aus der vorislamischen Zeit.


Totenbankett des Maliku, Palmyra, 2. Jh. n. Chr. (Detail)
Buchcover: Aux sources du monde arabe. Paris 1990
CC