Samstag, 1. September 2018

Martin Luther, die Reformation und ihre Folgen (aktualisiert)

Luther vor dem Papst-Legaten Cajetan in Augsburg 1518
Kolorierter Holzschnitt,1557 (Wikipedia)
Die Veröffentlichungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und vieler kirchlicher Einrichtungen zum Lutherjahr 2017 schwankten zwischen Jubiläumsbegeisterung und vorsichtig kritischem Bedenken. 

Im Horizont von Martin Luther wird dort zwar Wichtiges  "entdeckt", 
aber doch zu sehr "gestaunt"
und gejubelt". 

Vgl. dazu die Einangsgseite
 zum Lutherjahr: hier 

Immerhin ist die dazu gehörende Reformationsseite um eine gewisse Sachlichkeit bemüht, auch wenn wichtige andere Reformatoren neben Luther und Melanchthon nicht angesprochen werden - wie Martin Bucer in Straßburg,  Andreas Bodenstein, der Doktorvater Martin Luthers aus Karlstadt am Main, und Thomas Müntzer im Zusammenhang der Bauernkriege - ganz zu schweigen vom  "linken Flügel der Reformation" ( = die von Luther beschimpften "Schwärmer und Täufer").
Der einführende Gesamttext: hierDort heißt es darum auch etwas distanziert:

Mit „Reformation“ (lat.: Erneuerung, Wiederherstellung) wird heute eine Erneuerungsbewegung im frühen 16. Jahrhundert bezeichnet, die in Deutschland überwiegend von Martin Luther, in der Schweiz von Johannes Calvin und Huldrych Zwingli, angestoßen wurde. Der Beginn der Reformation wird allgemein auf den 31. Oktober 1517 datiert, dem Tag, an dem der Mönch Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses an die Kirchentür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen haben soll. Ihre Ursachen und Vorläufer reichen aber wesentlich weiter zurück. Die zunehmende Verweltlichung und der oft wenig vorbildhafte Lebenswandel hoher und niedriger Geistlicher sowie die Käuflichkeit kirchlicher Ämter verschärften den Unmut in der Bevölkerung. Der Ablasshandel, mit dessen Einnahmen der Petersdom in Rom erneuert werden sollte, gab schließlich den Anstoß zur Reformation ...Die Reformation, ursprünglich von Luther als innere Veränderung der Kirche gedacht, um zahlreiche Missstände abzubauen, führte letztendlich zu einer von Luther nicht beabsichtigten Spaltung der Kirche, aber auch einer Spaltung der deutschen Gebiete in katholische und protestantische. Die Reformation revolutionierte nicht nur Kirche und Theologie, sie setzte auch eine umfangreiche gesellschaftspolitische Entwicklung in Gang: Musik und Kunst, Wirtschaft und Soziales, Sprache sowie Recht und Politik – kaum ein Lebensbereich blieb von der Reformation unberührt. 

Lutherrose im Pflaster
 der Stadt Eisleben
Wenn man die ungeheuren Folgewirkungen bedenkt, lässt sich ohne Übertreibung sagen: Die von einer abgelegenen Universitätsstadt ausgehende Bewegung hat weltweite Folgen, und sie verändert in großer Geschwindigkeit die europäischen Gesellschaften:

Die Reformation
- eine europäische Bewegung: hier mehr 


Jubiläumskritik 
Die durch die EKD und die die meisten deutschen Landeskirchen zum Ausdruck kommende Jubiläumsmentalität hat trotz  der kirchlichen Kritik an Luthers Judenfeindschaft  und Türkenphobie  Gegentendenzen  auf den Plan gebracht.
Ein besonders herausragendes künstlerisches Beispiel war das bei den Bad Hersfelder Festspielen 2017 uraufgeführte Stück des Regisseurs  Dieter Wedel:
Buchcover: Kreuz-Verlag 2017
Zu Christoph Markschies: hier




 Was bleibt
 nach
 dem
 Reformationsjubiläum?













Kommentierte Literatur- und Medienhinweise
  • Luthers sprachgewaltige
    Bibelübersetzung:
    Neues Testament deutsch 1521
    auf der Wartburg,
    erste Gesamtausgabe
    AT und NT 1534 -

    Jubiläumsausgabe 2017
    ----- München: C.H. Beck 2016, 508 S. Abb. 
    - mit weiteren Literaturhinweisen und Besprechungen

    auch zur Reformationsgeschichte in Westfalen
  • Reformation und Freiheit.
    500 Jahre Reformation 2017.
    Ein Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche
    in Deutschland (EKD).
    Gütersloher Verlagshaus
    [2014], 2015, 4. Aufl. , 124 S.
  • Martin Luther 
    in Halle heute begegnen
  • Eine digitale Zeitreise: 
    Martin Luther und
    die frühe Reformation in Bayern
  • Martin Luther und Worms
  • (WDR 3, 22.01.2016)
  • (spanisch-deutsch) --- RIG 7/2002, S. 273-284 ---
  • WOLLGAST, Siegfried (Einl, Anmerkungen, Hg.): Zur Friedensidee in der Reformationszeit. Texte von Erasmus, Paracelsus, Frank.Berlin (DDR): Akademie-Verlag 1968
  • Martin Luther und das Judentum
    --- Martin Luther und die Juden (Wikipedia)
    Der Antisemitismus des Reformators

  • Der Antisemitismus des Reformators
    und seine Wirkung (Hagalil.com, 28.03.2017) 
  •  
     
     
     
    Frankfurt am Main: Peter Lang
    2017, 570 S.
    geb. ISBN 978-3-631-73362-2
    CHF 75 • € 60.70 • £ 50 • $ 73.95
     
     
     
    Andreas Pangritz:
     
    Theologie und Antisemitismus
    Das Beispiel Martin Luthers
    Martin Luthers Judenfeindschaft ist berüchtigt. Ihr Zusammenhang mit zentralen Themen seiner Theologie ist jedoch umstritten. Die Antisemitismusforschung wiederum hat sich bisher nur wenig für theologische Wurzeln der Judenfeindschaft interessiert. Die Untersuchung führt beide Perspektiven zusammen: Luthers Schrift «Von den Juden und ihren Lügen» (1543) wird nicht nur im Blick auf die darin zum Ausdruck kommende Judenfeindschaft analysiert, sondern auch auf ihren theologischen Gehalt hin befragt. Dadurch verschärft sich das Problem: Der Antisemitismus ist im Zentrum der Theologie des Reformators verankert, in der Christologie und in der Rechtfertigungslehre. Diese Erkenntnis führt zu einer Sicht auf Luthers Theologie, in der diese selbst zum Problem wird. Andreas Pangritz ist Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Theologie des 20. Jahrhunderts (Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer, Helmut Gollwitzer und Friedrich-Wilhelm Marquardt), Theologie des christlich-jüdischen Verhältnisses. 500 Jahre Reformationsjubiläum Zum 31. Oktober 2017 stellt der Peter- Lang- Verlag eine Auswahl von aktuellen Buchtiteln zum Leben und Werk von Martin Luther vor.

    • Konferenz für Islamfragen der EKD: --- Reformation und Islam. Ein Impulspapier (Mai 2016, 40 S.)
    • Markus Hirte (Hg.): "Mit Schwert und festem Glauben. 
      Martin Luther und die Hexen. 
      Darmstadt: Theiss-WBG 2016, 160 S., Abb. 

Zwischen Reformation und Pietismus 

Cover der Luther-Biografie
von Andreas Venske
"Altgläubige" und die gesamte reformatorische Bewegung - mit einem  linken und einem rechten Flügel - geraten gleichermaßen sehr schnell in eine Konfliktsituation, die zu militärischen Bündnissen und gewaltsamer Auseinandersetzung führen (Bauernkrieg, Schmalkaldischer Bund). 

Es entstehen lutherische und reformierte Kirchen in einzelnen Territorien Mitteleuropas, 
die sich bald ebenfalls befehden. 

Daneben spielen die Täuferbewegung und andere "Schwärmer" eine wichtige Rolle.

Im britischen Königreich trennen sich die Anglikaner von der katholischen Kirche. 
Die aus den großen Konfessionsgruppen ausgestoßenen Sondergemeinschaften werden entweder verfolgt oder wandern aus, besonders nach Amerika. 
Vgl.: Die Quäker - eine christliche Friedensalternative
Für die weitere Geschichte 
bleiben scharfe Auseinandersetzungen der unterschiedlich konfessionell geprägten Fürstentümer und Städte vorherrschend, was schließlich zum Dreißigjährigen Krieg  (1618-1648) führt.





Reformationserinnerung der Bäckerei Schreiber, Iserlohn



CC

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