Sonntag, 27. März 2022

Martin Luther, die Reformation und ihre globalen Folgen (aktualisiert)

Am 27. Januar 1521 begann der Reichstag zu Worms:

Luther auf dem Reichstag zu Worms (kolorierter Holzschnitt, 1556) - wikipedia
                                                                                 

1521 - 2021: 500 Jahre Reichstag zu Worms

Unbestritten istZu den globalen Schlüsselereignissen der reformatorischen Bewegung gehört auch der Reichstag zu Worms 1521.
Christian Berndt kommentiert diese Versammlung als welthistorisches Medienereignis (Deutschlandfunk, 27.01.2021) 

GEWISSEN BEFREIEN. HALTUNG ZEIGEN. GOTT VERTRAUEN. 
LUTHER VOR DEM WORMSER REICHSTAG

Luther auf dem Wormser Reichstag - Was der Reformator 1521 von den Juden dachte 
(Karsten Krampitz, Deutschlandfunk, 14.04.2021)



Anmerkungen zum Reformationsjubiläum 2017

Luther vor dem Papst-Legaten Cajetan in Augsburg 1518
Kolorierter Holzschnitt,1557 (Wikipedia) 

Die Veröffentlichungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und vieler kirchlicher Einrichtungen zum Lutherjahr 2017 schwankten zwischen Jubiläumsbegeisterung und vorsichtig kritischem Bedenken. 

Im Horizont von Martin Luther wurde
dort zwar Wichtiges  "entdeckt", 
aber doch zu sehr "gestaunt"
und gejubelt". 


Nachwirkungen der Reformation
Inzwischen stehen wieder andere Themen im Vordergrund, aber die Reformation - nicht nur im Blick auf  Luther und Melanchthon - sondern auch auf  weitere bedeutende Reformationspersönlichkeiten wie Martin Bucer in Straßburg,  Andreas Bodenstein, der Doktorvater Martin Luthers aus Karlstadt am Main, und Thomas Müntzer zeigen weiterhin wirkungsgeschichtliche Bedeutsamkeit der Reformation. Letzterer  spielt gerade im Zusammenhang der Bauernkriege eine Schlüsselrolle.
Erinnert sei auch an den  
"linken Flügel der Reformation" ( = die von Luther beschimpften "Schwärmer und Täufer").

"Mit >Reformation< (lat.: Erneuerung, Wiederherstellung) wird heute eine Erneuerungsbewegung im frühen 16. Jahrhundert bezeichnet, die in Deutschland überwiegend von Martin Luther,
in der Schweiz von Johannes Calvin und Huldrych Zwingli, angestoßen wurde.
Der Beginn der Reformation wird allgemein auf den 31. Oktober 1517 datiert, dem Tag, an dem der Mönch Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasses an die Kirchentür der
 
Schlosskirche in Wittenberg geschlagen haben soll. Ihre Ursachen und Vorläufer reichen aber wesentlich weiter zurück. Die zunehmende Verweltlichung und der oft wenig vorbildhafte Lebenswandel hoher und niedriger Geistlicher sowie die Käuflichkeit kirchlicher Ämter verschärften den Unmut in der Bevölkerung. Der Ablasshandel, mit dessen Einnahmen der Petersdom in Rom erneuert werden sollte, gab schließlich den Anstoß zur Reformation ...Die Reformation, ursprünglich von Luther als innere Veränderung der Kirche gedacht, um zahlreiche Missstände abzubauen, führte letztendlich zu einer von Luther nicht beabsichtigten Spaltung der Kirche, aber auch einer Spaltung der deutschen Gebiete in katholische und protestantische. Die Reformation revolutionierte nicht nur Kirche und Theologie, sie setzte auch eine umfangreiche gesellschaftspolitische Entwicklung in Gang: Musik und Kunst, Wirtschaft und Soziales, Sprache sowie Recht und Politik – kaum ein Lebensbereich blieb von der Reformation unberührt.
"


Lutherrose im Pflaster  der Stadt Eisleben


Wenn man die ungeheuren Folgewirkungen bedenkt, lässt sich ohne Übertreibung sagen: Die von einer abgelegenen Universitätsstadt ausgehende Bewegung hat weltweite Folgen, und sie veränderte in großer Geschwindigkeit die europäischen Gesellschaften:





"Reformationsjubiläum" 1517 - 2017: Rückblicke 
Die durch die EKD und die die meisten deutschen Landeskirchen zum Ausdruck kommende Jubiläumsmentalität brachte trotz kirchlicher Kritik an Luthers Judenfeindschaft  und Türkenphobie auch Gegentendenzen auf den Plan. Ein besonders herausragendes künstlerisches Beispiel war das bei den Bad Hersfelder Festspielen 2017 uraufgeführte Stück des Regisseurs  Dieter Wedel:
Buchcover




Der evangelische Theologe
Christoph Markschies
fragte schon sehr bald: 
Was bleibt
nach  dem  Reformationsjubiläum?

"Aufbruch oder Katerstimmung.
Freiburg: Kreuz [Herder] 2017, 160 S.







Kommentierte Literatur- und Medienhinweise
zur Wirkungsgeschichte der Reformation

  • Reformation und Freiheit.
    500 Jahre Reformation 2017.
    Ein Grundlagentext des Rates der Evangelischen Kirche
    in Deutschland (EKD).
    Gütersloher Verlagshaus
    [2014], 2015, 4. Aufl. , 124 S.
  • Der Einfluss von Bernhard von Clairvaux auf Martin Luther
    Mirko Breitenstein: The influence of Bernard of Clairvaux on the Subject of Conscience
     in Martin Luther
     (über academia.edu), veröffentlicht  in: 

    Rom 2017, S. 91-114

  • Der Antisemitismus des Reformators
    und seine Wirkung (Hagalil.com, 28.03.2017) 
  • Martin Luther und das Judentum
    --- Martin Luther und die Juden (Wikipedia)
    Der Antisemitismus des Reformators
  •  
     
     
     
    Frankfurt am Main: Peter Lang
    2017, 570 S.
    geb. ISBN 978-3-631-73362-2
    CHF 75 • € 60.70 • £ 50 • $ 73.95
     
     
     
    Andreas  Pangitz: Theologie und Antisemitismus.
    Das Beispiel Martin Luthers
    Martin Luthers Judenfeindschaft ist berüchtigt. Ihr Zusammenhang mit zentralen Themen seiner Theologie ist jedoch umstritten.
    Die Antisemitismusforschung wiederum hat sich bisher nur wenig für theologische Wurzeln der Judenfeindschaft interessiert.
    Die Untersuchung führt beide Perspektiven
    zusammen:
    Luthers Schrift «Von den Juden und ihren Lügen» (1543) wird nicht nur im Blick auf
    die darin zum Ausdruck kommende
    Judenfeindschaft analysiert, sondern auch
    auf ihren theologischen Gehalt hin befragt.
    Dadurch verschärft sich das Problem:
    Der Antisemitismus ist im Zentrum
    der Theologie des Reformators verankert,
    in der Christologie und in der
    Rechtfertigungslehre.
    Diese Erkenntnis führt zu einer Sicht
    auf Luthers Theologie, in der diese selbst
    zum Problem wird.
    Der Autor Andreas Pangritz
    ist Professor für Systematische Theologie
    an der Evangelisch-Theologischen Fakultät
    der Universität Bonn.
    Seine Arbeitsschwerpunkte sind:
    Theologie des 20. Jahrhunderts
    (Karl Barth, Dietrich Bonhoeffer, Helmut Gollwitzer
    und Friedrich-Wilhelm Marquardt),
    Theologie des christlich-jüdischen Verhältnisses.
    500 Jahre Reformationsjubiläum.
    Zum 31. Oktober 2017 stellte der
    Peter- Lang- Verlag eine Auswahl
    von aktuellen Buchtiteln zum Leben und Werk
    von Martin Luther vor.


    • Konferenz für Islamfragen der EKD: 
      Reformation und Islam. Ein Impulspapier
      (Mai 2016, 40 S.)
    • Jacob Langeloh: Der Islam auf dem Konzil von Basel 
      (1431–1449)
      Eine Studie mit Editionen und Übersetzungen unter besonderer Berücksichtigung des Johannes von Ragusa. 
      Corpus Islamo-Christianum. Series Latina 10. 
      Wiesbaden: Harrassowitz 
      2019. XVI, 566 Seiten, 9 Abb. 
    • Werner Höbsch / André Ritter (Hg.):
      Reformation und Islam. Ein Diskurs

      Leipzig: EVA 2019, 355 S.
      Rezension >>>
    • Martin Luther und der Hexenwahn
      vom Mittelalter bis zur Schwelle der Neuzeit 
      (Rezension Markus Hirte [Hg.]: Mit Schwert oder festem Glauben (2017)
      -- mit thematischen Ergänzungen

Zwischen Reformation und Pietismus 

Cover der Luther-Biografie
von Andreas Venske
"Altgläubige" und die gesamte reformatorische Bewegung - mit einem  linken und einem rechten Flügel - geraten gleichermaßen sehr schnell in eine Konfliktsituation, die zu militärischen Bündnissen und gewaltsamer Auseinandersetzung führen (Bauernkrieg, Schmalkaldischer Bund). 

Es entstehen lutherische und reformierte Kirchen in einzelnen Territorien Mitteleuropas, 
die sich bald ebenfalls befehden. 

Daneben spielen die Täuferbewegung und andere "Schwärmer" eine wichtige Rolle.
Die theologische Lebendigkeit der Reformation
führt auch langsam zu einer dogmatischen Verfestigung hin zur sog. lutherischen und reformierten Orthodoxie.

Im britischen Königreich trennen sich die Anglikaner von der katholischen Kirche. 
Die aus den großen Konfessionsgruppen ausgestoßenen Sondergemeinschaften werden entweder verfolgt oder wandern aus, besonders nach Amerika. 
Vgl.: Die Quäker - eine christliche Friedensalternative
Für die weitere Geschichte 
bleiben scharfe Auseinandersetzungen der unterschiedlich konfessionell geprägten Fürstentümer und Städte vorherrschend, was schließlich zum 
Dreißigjährigen Krieg  (1618-1648) führt.


Reformationserinnerung der Bäckerei Schreiber, Iserlohn



CC

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