Freitag, 10. November 2017

Musikalische Welt-Spiegelungen in der Musik eines großen Europäers: Georg Friedrich Händel (aktualisiert)

Großfoto im Händelhaus
Die Komponisten und Musiker des Barock waren erstaunlich weit gereiste  Persönlichkeiten - trotz der damals recht schwierigen Bedingungen. Besonders viele Welt-Erfahrungen sammelte jedoch Georg Friedrich Händel (1685-1759): Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in der angesehenen Stadt Halle an der Saale.

Reisen führten ihn dann an den Brandenburgischen Hof nach Berlin und in die Kulturmetropole Hamburg, wo das erste bürgerliche Opernhaus  zum großen Erfolg wurde.1705 gab es dort die Uraufführung der ersten Oper Händels "Almira".

Seine Studienreise nach Italien dauerte vier Jahre von 1707 - 1710 mit Stationen in Florenz, Rom, Neapel und Venedig. Er traf dort u.a.: Arcangelo Corelli, Antonio Lotti, Alessandro und Domenico Scarlatti.

Dann lebte er zeitweise in London seit 1710 und dort endgültig ab 1712 bis zu seinem Lebensende. Allerdings arbeitete er zwischendurch immer wieder längere Zeit am Kurfürstenhof in Hannover. Der hochgeehrte Komponist starb am 14. April 1759 und wurde am 20. April d.J. in der Westminster Abbey begraben. 



Händel-Gedächtnisfeier
in der Westminster Abbey, 1784
(Wikipedia)
Wie wenig die (religiöse) Konfession für Händel eine Rolle spielte, zeigen seine Kompositionen für Protestanten, Katholiken und Anglikaner. Dieselbe Offenheit zeigten aber auch seine Auftraggeber:
"Denn obschon er [Händel] Zeit seines Lebens in seinen Werken Choralmelodien von Martin Luther zitierte, wirkte er durchaus im Dienste unterschiedlicher Kirchen und Konfessionen: Er spielte Orgel bei den Calvinisten, komponierte Kirchenmusik für lutherische Gottesdienste in Halle, für die Römisch-Katholische Kirche in Italien und die Anglikanische Kirche in England und vertonte sogar Texte des Gründers der Methodistischen Kirche Charles Wesley. Kaum ein Komponist des 18. Jahrhunderts wirkte ökumenischer als Händel."
Erik Dremel: Reformation und Musik.
Kirchentag auf dem Weg. 
In: Magazin
der Händelfestspiele
Halle, 26.05.-11.06.2017, S. 36

Nicht nur war Händel sehr bald zum berühmten und gefeierten Weltstar geworden, sondern seine Kompositionen spielen auch beeindruckend die Welt in ihrer Vielfalt wieder. Das gilt gerade für seine Opern und Oratorien - eine interkulturelle und interreligiöse Weltgeschichte der besonderen Art.

Hier eine Auswahl
mit religiösen und interkulturellen Themen


Aus der Bibel (Oratorien) 
(nach der zeitgeschichtlichen Linie der Bibel)
  • Joseph and his Brethren (1744): Joseph und seine Brüder (1. Mose)
  • Israel in Egypt (1739): Israel in Ägypten
    (vielleicht 12. Jh. v. Chr. - Exodus, 2. Mose 5-14)
    --- Israel in Ägypten interreligiös
  • Joshua (1748): Aus dem Buch Josua (9./10. Jh. v. Chr.)
  • Deborah (1733): Die Richterin Debora
    (Richterbuch, Kap.  4-5) - (9./10. Jh. v. Chr.)
  • Jephta (1752): Richter 10-12 (9./10. Jh. v. Chr.)
  • Saul (1739):  Der erste König Israels
    1. Samuel 18 bis 2. Samuel 1 (um 1000 v. Chr.)
  • Solomon (1749): König Salomo (um 1000 v. Chr.),
    1. Könige 1-11 und 2. Chronik 1-9
  • Samson (1743) = Simson (Richter 13-16 ) - (um 1000 v. Chr.)
  • Belshazzar (1745) = Belsazar: Kronprinz und Reichsverwalter
    im neubabylonischen Reich, 6. Jh. v. Chr. (Daniel 5 u.a.)
  • Susanna (1749): Aus dem Danielbuch (Kap. 13):
    Israel im babylonischen Exil (legendarisch 6. Jh. v. Chr.)
  • Esther / Haman and Mordecai (1720): Königin Esther (Buch Ester), legendarischer Kontext: Der persische König Ahasveros als  Xerxes I. (5. Jh. v. Chr.)
  • Judas Maccabäus (1747): Jüdischer Freiheitskämpfer, gest. 160 v. Chr.
    (Quelle: die beiden Makkabäerbücher)
  • The Messiah (1742): Der Messias (Neues Testament, Evangelien)

Aus der Antike und Mittelalter:
Ägypten, Mittlerer Osten, Römisches Reich (Mittelmeerraum)

(zeitlich nach der Erstaufführung geordnet)
  • Almira, Königin von Kastilien (HWV 1, Hamburg 1705)
    Historischer Hintergrund: Almira bezieht sich vielleicht auf Elvira Alfónsez (1100 - 1135), die Tochter von Alfons VI. von León-Kastilien (1040 - 1109). Sie hieß nach ihrer Konversion zum Christentum Isabel ( = Elisabeth)
    Film des Regisseurs Gérard Corbiau: Farinelli (1994):
    https://www.youtube.com/watch?v=kOMx1p7pMf4
  • Nero (Hamburg 1705): Der römische Kaiser Nero (37-68 n. Chr.).
  • Agrippina (Venedig 1709): Römisches Reich -
    Mutter von Nero (1. Jh. n. Chr.)
  • Rinaldo (London 1711):
    Befreiung Jerusalems

    durch die Kreuzzugsritter (1. Kreuzzug: 1096-1099)--- Inhalt: 3 Akte (Opera Guide)
    --- Zusammenfassung und Hintergründe: hier (Eroica-Klassikforum)
    --- Im Grunde eine Oper gegen den Krieg und die
    Gewalt während der Kreuzzüge:

    Kommentar im Deutschlandfunk, 14.03.2003: hier
    --- Rinaldo = Reinoldus: Stadtpatron von Dortmund (WAZ 05.02.14)
  • Rinaldo (Auszüge) mit dem Collegium 1704:
     ----
     https://www.youtube.com/watch?v=dOeCWR_S0TE&list=PL938202B692197683
    Arie: 
    Lascia ch'io pianga (mit Cecilia Bartoli, 2009):
     
    https://www.youtube.com/watch?v=vhpD5JbChPQ
    Lass mich mein grausames Schicksal beweinen
    und seufzen um meine Freiheit (2x)
    und seufzen
    und seufzen um meine Freiheit.
    Lass mich mein grausames Schicksal beweinen
    und seufzen um meine Freiheit
    Möge die Trauer die Ketten zerbrechen von meinem Leiden
    Ich bete um Gnade.
    Ich bete um Gnade.
    Lass mich mein grausames Schicksal beweinen
    und seufzen für meine verlorenen Freiheit
  • Amadigi di Gaula (London 1715): Amadis von Gallien,
    mittelalterlicher Ritter und Held im Horizont der  Artussagen
  • Ottone, Re di Germania (London 1723): Kaiser Otto II. und die byzantinische Prinzessin Theophanu (10. Jh.) als historischer Hintergrund.
  • Giulio Cesare in Egitto (London 1724):
    Julius Cäsar in Ägypten  (48/46 v. Chr.)
  • Tamerlano (London 1724): Schlacht des Osmanensultans Bayezid I. gegen den Mongolenführer Timur Lenk (Tamerlan) und seine Gefangenschaft und
    Selbstmord im Jahre 1402
    --- Vollständige Aufführung (YouTube, etwas über 3 Stunden)
  • Berenice, regina di Egitto (London 1737): Die Ptolomäer-Pharaonin Kleopatra Berenike III. in Auseinandersetzung mit römischen Machtansprüchen (1. Jh. v. Chr.)
  •  Rodelinda, regina de Langobardi (London 1725): Die Königin der Lombardei (= der Langobarden), 7. Jh. --- Vollständige Aufführung (YouTube, etwas über 3 Stunden)
  • Publio Cornelio Scipione (London 1726): Römisches Reich Publius Cornelius Scipio Africanus Major  während des Zweiten Punischen Krieges 218–204 v. Chr.:  Eroberung von Carthago Nova ( = Cartagena) 
  • Alessandro (London 1726):
    Der Indienzug Alexanders d. Gr.: 334 - 326 v. Chr.
  • Siroe, re di Persia (London 1728): Der persische Sassanidenkönig Chosrau II. (6./7. Jh.) 
  • Ezio (London 1731): = König Attila (Etzel)
     - Sieg der Römer und Germanen gegen die Hunnen
    auf den Katalaunischen Feldern (451 n. Chr.)
  • Tolomeo, re di Egitto (London 1728): Die ägyptischen Pharaonen Ptolemäus IX. und Soter II.  2./1. Jh.  v. Chr.
    als  historischer Hintergrund der Oper.
  • Poro, re dell' Indie (London 1731): Zu Alexanders Indienzug , 4. Jh. (vgl. Alesandro)
  • Sosarme, re di Media (London 1732): Sosarme
    =  König der Meder (6. Jh. v. Chr.)
  • Arminio (London 1737): Arminius / "Hermann der Cherusker"
    und die Varusschlacht  9. n.Chr. am Teutoburger Wald.
  •  Serse (deutsch: Xerxes, London 1738):
    Der Perserkönig Ahasverus Xerxes I (ca 519-465) I.
    --- Arie:  
     Ombra mai fu aus "Serse" (Xerxes, HWV 40):
    Nie war der Schatten einer Pflanze, lieblich und angenehm, süßer ...
  • Theodora (London 1750): Christliche Märtyrergeschichte
    im Römischen Reich.

Symbolisch-psychologische Präsentationen

HÄNDEL in HALLE

Händels Geburtsthaus


Erinnerung an G.F. Händel
Taufstein der Marktkirche
Hier wurde Händel getauft.



An dieser Orgel der Marktkirche spielte Händel.

Geniale "Anschläge"

Händeldenkmal am Markt
mit Handschrift des "Messias"
Händels Blick auf Kirche und Stadt

Jedes Jahr: Händel-Festspiele

CC



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