Samstag, 5. Januar 2019

Gudrun Löwner - Begegnungen mit der vielfältigen Kunst Indiens - interkulturelle und interreligiöse Bereicherungen

Gudrun Löwner (geb. 1958 in Bochum) wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach dem Studium der Ev. Theologie und der vergleichenden Religionswissenschaft in Bochum, Wuppertal, Genf und Heidelberg promovierte sie 1997 zum Dr. phil. (durch Prof. Dr. Theo Sundermeier). Ihr interkulturelles und interreligiöses Engagement begann bereits durch die Mitarbeit im "Dritte-Welt-Zentrum" Herne und setzte sich durch Reisen nach Sri Lanka und Indien systematisch fort. Von 1998 bis 2007 arbeitete sie als Auslandspfarrerin der EKD für die deutschsprachigen Gemeinden in Nordindien. Nach kurzer Dozenten-Tätigkeit an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal kehrte sie nach Indien zurück und wurde Pfarrerin der deutschsprachigen Gemeinden in Bangalore und Chennei (Madras) und lehrt zugleich am United Theological College (UTC) in Bangalore.
Für ihr interkulturelles Engagement erhielt sie übrigens 2008 das Bundesverdienstkreuz.

Sehr bald legte sich der Schwerpunkt ihres interreligiösen Interesses auf die kulturelle und spirituelle Brückenfunktion der Kunst im Horizont von Islam, Hinduismus und Christentum mit Ausblicken auch auf die buddhistische Kunst.
Immer wieder zieht die Autorin für Ihre Veröffentlichungen erfahrene Menschen vor Ort und kompetente indische Fachleute heran. Sie versucht, sich der Vielfalt Indiens in Kunst  Alltag und Fest zu nähern. Ihre z.T. opulent sich ausweitenden Bücher kreisen darum konsequent um diese Themen von Kultur, Religion und Kunst:




Christliche Themen in der indischen Kunst. Von der Mogulzeit bis heute.
Christliche Kunst weltweit 3. Frankfurt/M.: Lembeck 2009, 217 S., Abb.
(übernommen von der Evangelischen Verlagsanstalt [EVA] Leipzig).

Dieser Band widmet sich dem Verhältnis Christentum und Islam im Horizont der Kunst Indiens. Im Jahrtausende umfassenden kulturellen Kontext des Subkontinents wird die Bedeutung der Mogulherrscher herausgestellt, aber auch die damals lebendig christliche Kunst, die sich im Gefolge des Kolonialismus und der christlichen Mission etablierte. Im Blick auf die Gegenwart kommen die Kunstbewegungen in Bengalen ("bengalische Renaissance", nichtchristliche und schließlich eine ganze Reihe christlicher Künstler zu Worte (verdeutlicht an einigen Bildbeispielen). Die meisten von ihnen dürften in Deutschland nur kleineren Kreisen bekannt sein. Die Autorin vergisst dabei nicht, an die sog. breitgefächerte Volkskunst zu erinnern.


Schatztruhe Indien.
zusammen mit Petra Knaupp
(Hg.: Deutschsprachige Gemeinde Nordindien)
Neu-Delhi 2005, 340 S., Abb., Glossar 

Die indische Schatztruhe hat nicht als primäre Intention, in die vielfältige Kunst einzuführen, sondern Indien ein Stück weit im Lesen und Schauen des Buches (nach)zu erleben. Es ist eine Reise der besondern Art. Es beginnt damit, wie man sich in Indien zwischen Sänfte, Auto, Bahn und Metro teilweise aufregend fortbewegt. Die umfassende Kultur wird an berühmten Städten zwischen Agra und Madurai vorgestellt. Schließlich gibt es auch einen Einblick in die Vielfalt der Religionen Indiens, die mit den üblichen Bezeichnungen von "Weltreligionen" nur unzureichend erfasst werden können. Die Feste des Lebens und Pilgerfahrten sowie die großen Feiern um Holi und Divali gehören auch für Europäer zu den faszinierenden Hoch-Zeiten des indischen Lebens. Dies alles verbindet sich mit der Bedeutung und der Darstellung der Farben, der Kunst im Alltag im Horizont von Tanz, Skulptur, Malerei und Schmuck. Aber auch die indischen Landschaften erstaunen in ihrer Einmaligkeit: Höchste Berge und  scheinbar endlose Ebenen, riesige Flüsse, Wüsten und Wälder eine oft üppige Flora und Fauna.


Christian Themes in Indian Art. From the Mogul Ties till TodayZusammen mit Anand Amaladass SJ. New Delhi: Manohar 2012, 423 pp., illustr., index

In diesem schwergewichtigen Band konzentrieren sich die beiden Autoren auf christliche Themen in der indischen Kunst. Sie tun dies so, dass sie im Horizont christlich-islamischer-hinduistischer Begegnungen verschiedene Kunststile analysieren und beispielhaft präsentieren. Besonderes Augenmerk wird wiederum auf die bengalischen Künstler gelegt. Immer wieder treten bei allen dargestellten Künstlern erstaunliche Verbindungslinien in andere Kunststile auf. Sie machen zugleich einen Dialog zwischen Südasien und Europa deutlich, davon abgesehen, dass einige der Künstler sich auch intensiv mit europäischer Bildkunst befasst haben. In der Bildbetrachtung zeigt sich auch, wie stark die christlichen Maler in interkulturelle Prozesse eingebunden sind, so dass aus biblischen und christlichen Themen europäischer Dominanz eigenständig christlich-indische Werke entstehen.
Ausführliche Rezension: hier


Leonardo Fernando, SJ with the assistance of John David
on the Occasion of her 60th Birthday

Intercultural Dialogue in Art and Religion.
Essays: Gudrun Löwner
New Delhi: Manohar 2018, 282 pp., illustr.
Auswahlliste der eigenen Publikationen 1985-2018 


Dieser Band ist mehr als eine Zusammenstellung von Aufsätzen, die die Autorin seit 1989 in verschiedenen Zeitschriften im Zusammenhang mit Indien und Sri Lanka veröffentlicht hat.  Es geht nämlich um die Grenzen überschreitende Kraft der Kunst in Vergangenheit und Gegenwart.  So gibt es hier auch Ausblicke nach Südafrika und Bali. Im Schlussabschnitt bezieht die Autorin ihre eigene dialogische Lebensgeschichte und ihre große Liebe zu Indien ein. Dass dabei die christliche Kunst Indiens und Südostasiens nicht unterschätzt werden sollte, macht dieses Buch ebenfalls deutlich. Der Band zeigt verstärkt durch Bilder aus der Kunst und Fotografien wichtiger Promotoren, wie vielfältig sich die interreligiösen Begegnungen auswirken:
Dialog in der Kunst, in der Religion und im Zusammenhang des eigenen Lebens zwischen Deutschland und Indien. So erleben die Lesenden eine Reise durch verschiedene Kunstregionen Indiens, erstaunliche Reminiszenzen an biblische Geschichten - auch im Blick auf die Stellung der Frau in religiös-Männer dominanten Gesellschaftsstrukturen.  Sikhismus, Buddhismus und Islam und ein glücklicherweise noch immer nicht überall nationalistisch zugespitzter Hinduismus bleiben eine ständige Herausforderung. Auch die Schatten der Kolonialgeschichte zeigen nicht nur Negatives, sondern auch positive Lichtmarkierungen deutscher Missionare  - die Fußspuren von der Freiheit eines Christenmenschen im Gefolge der Reformation. 
CC

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