Montag, 27. August 2018

Khalil Gibran - Poet zwischen Orient und Okzident (aktualisiert)

  

Selbstporträt 1911
(wikipedia.en)
Der aus dem Libanon stammende
Khalil Gibran (1883-1931) gehört zu
den großen Persönlichkeiten, die Goethes
Ausspruch im West-östlichen Divan 
(Nachtrag 1825/26) bewusst gelebt haben:

                Wer sich selbst
                und andre kennt, 
                wird auch hier erkennen,
                Orient und Occident
                sind nicht mehr zu trennen.
                Sinnig zwischen beiden Welten 
                sich zu wiegen, lass ich gelten;  
                also zwischen Ost und Westen
                sich bewegen sei's zum Besten.


Den meisten fällt beim Namen Gibran sein berühmtes Werk "Der Prophet" ein, das 1923 in New York zum ersten Mal erschien und schnell zu einem weltweiten Kultbuch wurde. Die Auflagen in vielen Sprachen zeigen an, ,wie umfangreich und existentiel intensiv das Werk dieses Dichters ist.
Auch als Maler hinterließ er bleibende Eindrücke.  Durch sein Leben zwischen der Levante, Europa und Amerika, durch seine Poesie, seine vielen Aphorismen und unnachahmlichen Erzählungen ist er ein wichtiger Brückenbauer auch zwischen den Religionen geworden. 
Man denke hier nur an sein Jesus-Buch:


  • Jesus Menschensohn. Seine Worte und Taten,
    berichtet von Menschen, die Ihn kannten.

    Olten (CH): Walter 1988, 2. Aufl. ,170 S. u.ö.
    -- Drei Beispiele: hier
  • Vgl. Jean-Pierre Dahdah: Khalil Gibran. La vie inspirée de l'auteur du "Prophète" [1994]. Espaces libres. Paris: Albin Michel  2004
    Deutsch: Khalil Gibran. Eine Biographie
    .
    Düsseldorf: Patmos 1997



Weitere Informationen


  • „Worauf wartest du hier am Tor?", 
    fragte der Prophet den Wachposten.
    „Auf den Feind!", entgegnete dieser. „Man muss jede Stunde auf ihn gefasst sein. Vielleicht sammelt er gerade seine Mannschaften, irgendwo hinter den Bergen. Vielleicht denkt er sich in diesem Augenblick eine Kriegslist aus, um uns zu überfallen, wenn wir nicht wachsam sind, sei es am Feiertag oder in der Nacht. Wenn ich die Schilde des Feindes blinken sehe in der Ferne oder das Lärmen der Waffen höre von den Bergen her, dann muss ich schreien, bis die ganze Stadt gerüstet ist den Feind zu empfangen."
    Der Prophet schwieg und schaute lange vor sich hin. Dann sagte er:
    „Die Stadt ist gerüstet, den Feind zu empfangen. mag sein. Aber ist sie auch gerüstet einen Freund zu empfangen? Einen Retter und Helfer, der nicht gegen die Mauern anrennen will, um die Stadt zu stürmen; und der uns nicht Krieg bringt sondern Frieden?
    Ist diese Stadt auch gerüstet für einen Freund?"
    Aus: Männerarbeit der Ev. Kirche von Westfalen (Hg.): Ein Weggeleit. Schwerte-Villigst 2004, S. 42 

Freitag, 24. August 2018

AISA SaarLorLux: Entwurf einer Charta zum interreligiösen Dialog (aktualisiert)

Signet von AISA SaarLorLux

Die im Länderdreieck Saarland, Lothringen, Luxemburg beheimatete Regionalgruppe des Alawiyya-Sufi-Ordens: Association internationale Soufie Alawiyya SaarLorLux bemüht sich seit langem, den interreligiösen Dialog zu fördern und die Versöhnung zwischen den Religionen voranzutreiben. 
Jetzt hat sie einen Entwurf zu einer Charta des interreligiösen Dialogs vorgelegt. Nicht nur Muslime, sondern auch Vertreter/innen anderer Religionen sind eingeladen, sich mit weiteren Vorschlägen in dieses Gespräch einzubringen, ehe die endgültige Fassung der Charta verabschiedet wird. Die Entwicklung einer solchen Erklärung kann zu einem Vorbild gegenseitigen Verständnisses werden und zugleich deutlich machen, dass es zum Dialog keine Alternative gibt.



Charta der Interreligiösen Gruppe im Saarland

1.  Jeder Muslim/jede Muslima sollte darauf achten, seine / ihre religiöse Kultur bei denjenigen Quellen und Predigern zu suchen, die als beste Wissenschaftler der Gemeinde anerkannt sind. Dabei soll er / sie nicht selbstgefällig die Anderen über gute und schlechte Muslime belehren, sondern dialogoffen sein.

2.  Jeder Muslim/jede Muslima muss sich davor hüten, unüberlegt und fanatisch Regeln ohne spirituellen Zweck zu befolgen. Er/sie sollte oberflächliche Ablenkungen vermeiden und sich auf die Beachtung der spirituellen Prinzipien seines/ihres Glaubens konzentrieren.

3.  Jeder Muslim/jede Muslima ist dazu verpflichtet, die Ethik der gegenseitigen Verantwortlichkeit zu beachten: Man sollte den Nächsten in jeder Hinsicht so behandeln, wie man selber behandelt werden will. Die Tradition des Propheten Muhammad (Friede sei auf ihm) besagt: „Ihr werdet erst Muslime, wenn ihr für die Anderen das wollt, was ihr für euch selbst wollt.“

4.  Jeder Muslim/jede Muslima hat die Verpflichtung, seine/ihre Kenntnisse über Wissenschaften und Technik zu pflegen und zu erweitern. Daraus ergibt sich, dass die Ablehnung von Wissenschaft und technischem Fortschritt falsche Interpretationen des Islam sind.

5.  Gott (= arabisch: Allah) hat das Universum mit all dem, was es enthält, erschaffen. Die gegenwärtigen hochentwickelten wissenschaftlichen Theorien lassen die Frage nach der Ursache der Entstehung des Universums offen. Der Islam steht diesen Theorien offen gegenüber.

6.  Gott hat die Menschheit erschaffen und wollte sie geschwisterlich. Jeder Muslim/jede Muslima sollte sich also in jeder Lage für den Frieden und gegen den Krieg einsetzen, für die Geschwisterlichkeit und gegen den Rassismus, für die Einigkeit und gegen Hass.

7.  Wenn ein Muslim/eine Muslima Lügen und Vorurteile über den Islam und die Muslime hört, dann ist seine/ihre beste Antwort, dem mit guten Taten zu begegnen.

8.  Die Tradition des Propheten erinnert uns daran, dass die Religionsausübung in keiner Weise Unordnung und Störungen hervorbringen darf.

9.  Deutschland ist kein islamisches Land; es ist ein Land, in dem mehrere Religionen, darunter der Islam koexistieren und in dem auch Atheisten und Agnostiker leben. In diesem Kontext müssen selbstverständlich die Werte und Gesetze der Bundesrepublik Deutschland beachtet und eingehalten werden. Da z.B. Gotteslästerung und religiöse Karikaturen durch die deutschen Gesetze erlaubt sind, kann man verletzt oder beleidigt sein, aber man darf weder ihr Verbot verlangen, noch mit Gewalt reagieren. Mit anderen Worten: Kein Muslim/keine Muslima hat das Recht zu verlangen, dass Deutschland seine Werte und Gesetze ändert, damit diese zur eigenen Glaubensvorstellung passen. Ebenso haben auch die Vertreter/innen anderer Religionen ebenso wie Atheisten/Atheistinnen und Agnostiker/innen kein solches Recht.

10.  Die islamische Religionsausübung muss notwendigerweise im heutigen Kontext betrachtet werden.  Körperliche Züchtigungen und Polygamie (Männer dürfen mehrere Ehefrauen haben) haben keine Berechtigung mehr und müssen abgeschafft werden. In diesem Sinne ist die Gleichstellung zwischen Mann und Frau unbedingt notwendig.

11. Jeder Muslim/jede Muslima muss in seinen/ihren, familiären und sozialen Beziehungen ein verantwortungsbewusstes und respektvolles Verhalten gegenüber Andersdenkenden und Andersglaubenden zeigen.

12.  Im Alltag gilt es, Maß zu halten und faire Kompromisse zu finden.

13.  Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) hatte selber in der Verfassung von Medina verkündet, dass diejenigen, die an den Monotheismus / die Einheit Gottes glauben, seien sie Juden, Christen, Muslime oder Andersgläubige, zur  selben Gemeinschaft des Buches gehörten. Daraus folgt, dass jede Form des Antisemitismus der Lehre des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) direkt widerspricht. Allgemein lässt sich darum sagen: Wenn man dem Beispiel des Propheten folgt, entfaltet der Islam seine Grundwerte von Toleranz und Wohlwollen, denn nur Gott kann richten.

14.  Es ist jedem Muslim/jeder Muslima verboten, einen Krieg, d.h. einen gewaltsamen „Dschihad“  zu erklären: Wie das arabische Wort schon sagt, ist der große, der edelste Dschihad die Anstrengung zur Selbstbeherrschung und Selbstüberwindung, um die islamischen Werte auf überzeugende Weise zu verwirklichen.

CC



Donnerstag, 23. August 2018

Die Erfindung des Buchdrucks - Gutenberg als Weltveränderer - eine Ausstellung auf Burg Eltville

Vor 550 Jahren revolutionierte Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg (um 1400 - 26.02.1468) die Kommunikationsstrukturen der damaligen Welt. Durch die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern und der Druckpresse entstand eine völlig neue Medienlandschaft, die erst mit dem Internet am Ende des 20. Jahrhunderts eine weitere globale Steigerung erfuhr.
Mehrere (temporäre) Ausstellungen im Gutenbergjahr erinnern daran, besonders natürlich an seinem Geburts- und Sterbeort Mainz.
Der Beitrag des Gutenberg-Museums steht unter dem Titel:
Ohne Zweifel Gutenburg? (ab 19.09.2018)

Man darf übrigens davon ausgehen, dass Johannes Gensfleisch mehrer Jahre seiner Kindheit im Hause seiner Verwandten in Eltville verbrachte, das in unmittelbarer Nähe der kurfürstlichen Burg liegt, die die Mainzer kurfürstlichen Erzbischöfe  als Sommerresidenz nutzten.
Die Stadt Eltville hat sich nun eine besondere Ehrung für den rheinischen Medienmogul ausgedacht: Der international renommierte Ottmar Hörl, bekannt durch seine seriellen Installationennimmt den 550. Todestag zum Anlass, die Bedeutung der schwarzen Druckermagie in einer temporären Ausstellung im Gelände der Burg Eltville umzusetzen. Der Künstler hat durch über 150 Gutenberg-Figuren (Größe ca. 100 x 36 x 36 cm) im Gelände der Burg nachdenklich heiter eine "Aufstellung" gemacht. Sie zeigt faszinierend, wie der Buchdruck globale Brückenfunktionen eröffnete: Black Magic - so auch der Titel der Ausstellung !
Damit die Besucher wenigstens eine Ahnung von dieser medientechnischen Umwälzung "begreifen" können, darf man die Figuren auch wortwörtlich begreifen und fassen !
Mehr Informationen im Ausstellungsprospekt: hier



Kurfürstliche Burg Eltville am Rhein

Zugänge und Diskussionen


Im unteren Burggarten wandeln


Neue Aufstellungen im oberen Burggarten

















Der Medienmogul Gutenberg

Zukunftsorientierungen ...



CC