Donnerstag, 3. August 2017

AISA SaarLorLux: Entwurf einer Charta zum interreligiösen Dialog

Signet von AISA SaarLorLux

Die im Länderdreieck Saarland, Lothringen, Luxemburg beheimatete Regionalgruppe des Alawiyya-Sufi-Ordens: Association internationale Soufie Alawiyya SaarLorLux bemüht sich seit langem, den interreligiösen Dialog zu fördern und die Versöhnung zwischen den Religionen voranzutreiben. 
Jetzt hat sie einen Entwurf zu einer Charta des interreligiösen Dialogs vorgelegt. Nicht nur Muslime, sondern auch Vertreter/innen anderer Religionen sind eingeladen, sich mit weiteren Vorschlägen in dieses Gespräch einzubringen, ehe die endgültige Fassung der Charta verabschiedet wird. Die Entwicklung einer solchen Erklärung kann zu einem Vorbild gegenseitigen Verständnisses werden und zugleich deutlich machen, dass es zum Dialog keine Alternative gibt.



Charta der Interreligiösen Gruppe im Saarland

1.  Jeder Muslim/jede Muslima sollte darauf achten, seine / ihre religiöse Kultur bei denjenigen Quellen und Predigern zu suchen, die als beste Wissenschaftler der Gemeinde anerkannt sind. Dabei soll er / sie nicht selbstgefällig die Anderen über gute und schlechte Muslime belehren, sondern dialogoffen sein.

2.  Jeder Muslim/jede Muslima muss sich davor hüten, unüberlegt und fanatisch Regeln ohne spirituellen Zweck zu befolgen. Er/sie sollte oberflächliche Ablenkungen vermeiden und sich auf die Beachtung der spirituellen Prinzipien seines/ihres Glaubens konzentrieren.

3.  Jeder Muslim/jede Muslima ist dazu verpflichtet, die Ethik der gegenseitigen Verantwortlichkeit zu beachten: Man sollte den Nächsten in jeder Hinsicht so behandeln, wie man selber behandelt werden will. Die Tradition des Propheten Muhammad (Friede sei auf ihm) besagt: „Ihr werdet erst Muslime, wenn ihr für die Anderen das wollt, was ihr für euch selbst wollt.“

4.  Jeder Muslim/jede Muslima hat die Verpflichtung, seine/ihre Kenntnisse über Wissenschaften und Technik zu pflegen und zu erweitern. Daraus ergibt sich, dass die Ablehnung von Wissenschaft und technischem Fortschritt falsche Interpretationen des Islam sind.

5.  Gott (= arabisch: Allah) hat das Universum mit all dem, was es enthält, erschaffen. Die gegenwärtigen hochentwickelten wissenschaftlichen Theorien lassen die Frage nach der Ursache der Entstehung des Universums offen. Der Islam steht diesen Theorien offen gegenüber.

6.  Gott hat die Menschheit erschaffen und wollte sie geschwisterlich. Jeder Muslim/jede Muslima sollte sich also in jeder Lage für den Frieden und gegen den Krieg einsetzen, für die Geschwisterlichkeit und gegen den Rassismus, für die Einigkeit und gegen Hass.

7.  Wenn ein Muslim/eine Muslima Lügen und Vorurteile über den Islam und die Muslime hört, dann ist seine/ihre beste Antwort, dem mit guten Taten zu begegnen.

8.  Die Tradition des Propheten erinnert uns daran, dass die Religionsausübung in keiner Weise Unordnung und Störungen hervorbringen darf.

9.  Deutschland ist kein islamisches Land; es ist ein Land, in dem mehrere Religionen, darunter der Islam koexistieren und in dem auch Atheisten und Agnostiker leben. In diesem Kontext müssen selbstverständlich die Werte und Gesetze der Bundesrepublik Deutschland beachtet und eingehalten werden. Da z.B. Gotteslästerung und religiöse Karikaturen durch die deutschen Gesetze erlaubt sind, kann man verletzt oder beleidigt sein, aber man darf weder ihr Verbot verlangen, noch mit Gewalt reagieren. Mit anderen Worten: Kein Muslim/keine Muslima hat das Recht zu verlangen, dass Deutschland seine Werte und Gesetze ändert, damit diese zur eigenen Glaubensvorstellung passen. Ebenso haben auch die Vertreter/innen anderer Religionen ebenso wie Atheisten/Atheistinnen und Agnostiker/innen kein solches Recht.

10.  Die islamische Religionsausübung muss notwendigerweise im heutigen Kontext betrachtet werden.  Körperliche Züchtigungen und Polygamie (Männer dürfen mehrere Ehefrauen haben) haben keine Berechtigung mehr und müssen abgeschafft werden. In diesem Sinne ist die Gleichstellung zwischen Mann und Frau unbedingt notwendig.

11. Jeder Muslim/jede Muslima muss in seinen/ihren, familiären und sozialen Beziehungen ein verantwortungsbewusstes und respektvolles Verhalten gegenüber Andersdenkenden und Andersglaubenden zeigen.

12.  Im Alltag gilt es, Maß zu halten und faire Kompromisse zu finden.

13.  Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) hatte selber in der Verfassung von Medina verkündet, dass diejenigen, die an den Monotheismus / die Einheit Gottes glauben, seien sie Juden, Christen, Muslime oder Andersgläubige, zur  selben Gemeinschaft des Buches gehörten. Daraus folgt, dass jede Form des Antisemitismus der Lehre des Propheten Muhammad (Friede und Segen auf ihm) direkt widerspricht. Allgemein lässt sich darum sagen: Wenn man dem Beispiel des Propheten folgt, entfaltet der Islam seine Grundwerte von Toleranz und Wohlwollen, denn nur Gott kann richten.

14.  Es ist jedem Muslim/jeder Muslima verboten, einen Krieg, d.h. einen gewaltsamen „Dschihad“  zu erklären: Wie das arabische Wort schon sagt, ist der große, der edelste Dschihad die Anstrengung zur Selbstbeherrschung und Selbstüberwindung, um die islamischen Werte auf überzeugende Weise zu verwirklichen.

CC



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