Freitag, 20. Oktober 2017

Beyza Bilgin: Der dialogische Weg einer mutigen türkischen Religionspädagogin

Die türkische Religionspädagogin
Beyza Bilgin (geb. 1935 in Izmir) gehört unbestritten zu den Vorreiterinnen des interreligiösen Lernens im Kontext des Islam. Von 1988 bis 2002 hatte sie den Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Universität Ankara inne. Sie hat dort und bei zahlreichen Vorträgen und Seminaren in Europa, besonders in Deutschland, bemerkenswerte Initiativen entwickelt. 

Der Theologe und Pädagoge Johannes Lähnemann (Universität Erlangen-Nürnberg) hat diese Impulse konsequent aufgenommen. Im Jahre 2007 veröffentlichte er die Vorträge, die Beyza Bilgin auf Deutsch während mehrerer Konferenzen, besonders im Rahmen der Nürnberger Foren zur Kulturbegegung, gehalten hat.

Beyza Bilgin (Hg. Johannes Lähnemann): 
Islam und islamische Religionspädagogik in einer modernen Gesellschaft, 

Berlin LIT Verlag 2007, 208 S.



                        INHALTSVERZEICHNIS


           I.  Grundfragen des Islam zu Beginn
       des 3. Jahrtausends

            1.1          Was will der Islam?

            1.2           Fragen an den Islam

1.3           Der Koran als Kriterium religiöser Praxis
                1.4            Die Stellung der Frau im Islam

1.5          Die Hinwendung zum Nächsten im Islam

            1.6           Islam und Toleranz
1.7           Religion und Laizismus in der Türkei

II.  Islamische Erziehung
              im Kontext der Türkei und Europas

2.1           Europa eine Seele geben

          2.2          Das Verständnis der Erziehung in einem
            laizistischen Land am Beispiel der Türkei

2.3         Erziehung und Bildung in der Türkei und in Deutschland

          2.4          Korankurse, ihre grundlegenden Ziele
            und ihre Unterrichtsinhalte

2.5         Lehrerinnen mit Kopftuch




           III.  Fragestellungen einer zeitgemäßen
               islamischen Religionspädagogik


             3.1             Ist in einer modernen Gesellschaft 
                       Religionsunterricht notwendig?

               3.2           Ansätze interreligiösen Lernens
                           in der islamischen Religionspädagogik

               3.3               Islamische und christliche Religionspädagogik
                                                  – was können sie voneinander lernen? 

 3.4     Das Prinzip der Liebe
                                 in der islamischen Religionspädagogik
                                    und in den Unterrichtswerken der Türkei
3.5.       Religiöse Erzählungen als Grundlage
                       der Bildung ethischer Werte

           3.6           Prophetengeschichten als Inspiration
             für ethische Bewusstseinsbildung 



Eine komprimierte Fassung des religionspädagogischen Ansatzes bietet:
Beyza Bilgin: Ansätze interreligiösen Lernens in der islamischen Religionspädagogik
In: Andreas Renz / Stephan Leimgruber (Hg.):
Lernprozess Christen Muslime. Gesellschaftliche Kontexte - Theologische Grundlagen. Forum Religionspädagogik interkulturell, Bd. 3.
Münster u.a.: LIT 2002, S. 300-310
Leseprobe: hier


Johannes Lähnemann zeichnet in seiner Einführung zu den gesammelten Aufsätzen von Beyza Bilgin das Porträt einer engagierten Religionspädagogin, deren Impulse den christlich-islamischen Dialog gerade im Blick auf die Schule vertieft haben.

Vorträge einer mutigen Pädagogin
Eine Einführung

„Das Prinzip der Liebe als Grundlage der Erziehung im Islam“: Dieser Titel der Dissertation von Beyza Bilgin aus dem Jahr 1971 ist Programm. 
Beyza Bilgin ist der Überzeugung, dass die Liebe notwendig zum Glauben gehört, und dass, wer von der Liebe Gottes weiß, darum auch die anderen Menschen lieben wird. Das betrifft zentral den Umgang mit Kindern: Ihnen zugewandt sein, Ihnen Erfahrungen des Angenommenseins vermitteln, ihre Fragen ernst nehmen und mit ihnen Lernende zu sein, das ist für sie nicht nur die Leitidee der Religionspädagogik, sondern geübte Praxis.
Wer Beyza Bilgin begegnet, trifft auf eine die Herzen öffnende, eine mutige Frau. Freundlichkeit, Bescheidenheit, Güte – auf der Basis einer tiefen Religiosität, gepaart mit lebendiger und kluger Argumentation; es sind die Dinge, die man sich von einer Erzieherin, zumal einer religiösen Erzieherin wünscht.
Auf ihrem pädagogischen und akademischen Weg hat Beyza Bilgin immer weitere Kreise erreicht: 1935 in Izmir geboren, erwarb sie 1960 ihren B.A. in Theologie an der Universität Ankara. Von 1960-1965 war sie Gymnasiallehrerin an Imam Hatip-Schulen (religiös ausgerichteten Gymnasien in der Türkei). Sie war die erste Freitagspredigerin in der Türkei und ist bekannt durch ihre Rundfunksendungen als Erzählerin zu religiösen Themen, aber auch im Fernsehen. Gestützt wird Beyza Bilgin in ihrem Engagement von ihrer Familie, ihrem Mann (von Beruf Architekt) und ihren beiden Töchtern, Elif und Pinar.
Der Frage der religiösen Erziehung in der Türkei und besonders an den Gymnasien hat sich Beyza Bilgin in der Arbeit gewidmet, auf Grund derer sie 1979 Assistenzprofessorin an der Theologischen Fakultät der Universität Ankara wurde.
Die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts waren dann von einer doppelten Entwicklung geprägt:
1) der Einführung von Religionskultur und Ethik als obligatorischem Unterrichtsfach an türkischen Schulen,
2) dem beginnenden internationalen Austausch in der Religionspädagogik, besonders mit Deutschland.[1]
Das Jahr 1982 stellt insofern einen Einschnitt dar, als in diesem Jahr Religionskultur und Ethik (vom 4. Schuljahr an) obligatorisches Fach in allen Schulen der Türkei geworden ist. Nachdem im Rahmen der Atatürkschen Reformen zunächst Religion aus dem Bildungswesen der Türkei ausgeschlossen worden war, hatte es nach 1945 in mehreren Stufen die Wiedereinführung islamischer Religionserziehung gegeben – beginnend 1949 mit der Gründung der Islamisch-Theo­logischen Fakultät an der Universität Ankara. Damit versuchte man, an das rei­che religiös-kulturelle Erbe Kleinasiens und des osmanischen Reiches anzuknüpfen und gleichzeitig ein Gegengewicht gegenüber einer Volksfrömmigkeit zu bilden, in der sich viele abergläubische  Elemente verbreitet hatten.
Beyza Bilgin wurde dabei zur Protagonistin, die bewusst den Anschluss an die Moderne suchte – theologisch wie pädagogisch. Sie führte bereits eine Form von Problemorientierung in die islamische Religionspädagogik ein, indem sie bewusst dafür eintrat, die religiösen Fragen und Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler als didaktischen Ansatzpunkt für die pädagogischen Bemühungen in islamischer Erziehung ernst zu nehmen.[2]
Und bereits 1984 wurden Kerim Yavuz (ebenfalls türkischer Professor, promoviert in Deutschland) und Beyza Bilgin gebeten, die Richtlinienarbeit „Religiöse Unterweisung für Schüler islamischen Glaubens“ in Nordrhein-Westfalen im Landesinstitut für Schule und Weiterbildung Soest zu beraten. Der theologisch-pädagogische Ansatz dieses ersten ausgearbeiteten Curriculums – nämlich durchgängig Grundlagen des Islam und den Alltag der Kinder in Deutschland zu verschränken und die drei Bereiche „Erlebte und erfahrene Umwelt“, „Pflichten, Kult und Brauchtum“ sowie „Religiöses Wissen“ konsequent aufeinander zu beziehen, wurde von ihnen mit inspiriert und mit getragen.[3]
Im Jahr 1988 übernahm Beyza Bilgin den Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät der Universität Ankara, den sie bis 2002 innehatte.
In diesen Jahren ist Beyza Bilgin oft zu Vorträgen und Kongressen in Deutschland gewesen, und der religionspädagogische Austausch erreichte eine inhaltliche Qualität und Differenzierung, die auf der offiziell politischen Ebene – und angesichts bleibender Probleme hinsichtlich der Minderheitensituationen in der Türkei – noch nicht eingeholt sind.
Es ist ein Anliegen dieses Bandes, die Vorreiterrolle der Religionspädagogik bei Begegnung, Verständigung und Kooperation zwischen der Türkei und Deutschland wie zwischen Islam und Christentum sichtbar zu machen und damit sowohl die Diskurse über das Verhältnis der Türkei zu Europa als auch die Integrationsdebatte in Deutschland zu inspirieren.
Besondere Kontinuität erreichte die Mitarbeit von Beyza Bilgin in Deutschland durch die regelmäßige Teilnahme an den in dreijährigem Abstand veranstalteten Nürnberger Foren einer Erziehung zu Religions- und Kulturbegegnung: Vom 3. Nürnberger Forum 1988 bis zum 9. Forum 2006 war sie insgesamt sieben Mal an den Kongressen in Nürnberg beteiligt und hat die zunehmende regionale und interreligiöse Entgrenzung wie auch Spezifizierung und Konkretisierung des internationalen Austausches erfahren und mit getragen. Die Titel ihrer Beiträge, die bis auf die beiden letzten von 2003 und 2006 in diesem Buch abgedruckt werden, machen diesen Weg deutlich:
Ihr Grundthema, das ihr seit ihrer Dissertation am Herzen liegt,  korrespondierte in besonderem Maße dem Anliegen des 3. Nürnberger Forums 1988 – „Weltreligionen und Friedenserziehung“: „Das Prinzip der Liebe in der islamischen Erziehung und in den Unterrichtswerken der Türkei“ (Beitrag 3.3 in diesem Band).[4]
Die Ausführungen über „Das Verständnis religiöser Erziehung in einem laizistischen Land am Beispiel der Türkei“ (Beitrag 2.2 in diesem Band) beim Forum 1991 wurden hinein gezeichnet in die Gesamtthematik „Das Wiedererwachen der Religionen als pädagogische Herausforderung“ – angesichts der Tatsache, dass sich die Faktoren „Nation“ und „Religion“ auch nach der Überwindung der radikalen Konfrontation zwischen dem „Westen“ und dem Ostbock als unerledigt erwiesen haben.[5]
Das 5. Nürnberger Forum 1994 zum „Projekt Weltethos in der Erziehung“ nahm in gewisser Weise die Globalisierungsdebatte vorweg und inspirierte in Zusammenarbeit mit Hans Küng Wege, um den globalen Entwurf  eines Weltethos im interreligiösen Dialog und in der Pädagogik zur Geltung zu bringen. Indem Beyza Bilgin dabei über „Religiöse Erzählungen als Grundlage ethischer Bildung in der Schule“ (Beitrag 3.5 in diesem Band) referierte, wertete sie ein Potential aus, das aus den Religionen heraus genuine Bilder, Visionen und Perspektiven in den Globalisierungsprozess einbringen kann. Dass das Projekt Weltethos ein Referenzpunkt sein kann für kooperative interreligiöse religionspädagogische Bemühungen, hat sie des weiteren dadurch gezeigt, dass sie mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Weltethos-Erklärung ins Türkische übersetzte und sie damit dem dortigen theologischen, ethischen und religionspädagogischen Diskurs zugänglich machte.
Das Jahr 1997 war wieder von einem doppelten Austausch geprägt:
der deutschen Beteiligung 
an dem Symposium zur Religionserziehung in Ankara[6] und dem Beitrag von Beyza Bilgin zum 6. Nürnberger Forum, bei dem sie über “Islamische und christliche Religionspädagogik – Was können wir voneinander lernen?” (Beitrag 3.3 in diesem Band) referierte und die Bilanz unserer bisherigen Zusammenarbeit im Blick auf den bevorstehenden Milleniums-Übergang in die Gesamtthematik „Interreligiöse Erziehung 2000. Die Zukunft der Religions- und Kulturbegegnung“ einbrachte.[7]
Eine neue Qualität und Konkretion erreichte die Zusammenarbeit im Übergang des 20. zum 21. Jahrhundert: durch das Forschungsprojekt „Die Darstellung des Christentums in Schulbüchern islamisch geprägter Länder“, geleitet von Professor Klaus Hock/Rostock und mir und gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, bei dem die türkischen Schulbücher pilotmäßig untersucht wurden, durch die internationale Beteiligung am neuen Unterrichtsprogramm für das Fach Religionskultur und Ethik in der Türkei und durch den Aufbau der Ausbildung islamischer Religionslehrerinnen und –lehrer an der Universität Erlangen-Nürnberg unter Mitwirkung von Kolleginnen und Kollegen aus der Türkei, besonders wiederum der Theologischen Fakultät der Universität Ankara.
Eine Schlüsselfunktion hatte dabei der internationale Kongress im April 2001 in Istanbul, bei dem das neue Unterrichtsprogramm für das Schulfach Religionskultur und Ethik in der Türkei vorgestellt und mit Kolleginnen und Kollegen aus Europa und dem Mittelmeerraum erörtert wurde.[8] In diesem Programm wird darauf Wert gelegt, dass man sich bei der Darstellung der verschiedenen Religionen um Objektivität bemühen solle und dass die Erziehung zur Toleranz ein notwendiges Leitziel des gesamten Unterrichts sein müsse. 
In den Arbeiten der türkischen Kolleginnen und Kollegen drückt sich das zunehmend in dem Anliegen aus, die Selbstsicht der anderen Religionen ernst zu nehmen. Führend sind dabei neben Beyza Bilgin auch ihre Schülerinnen und Schüler, voran Prof. Dr. Mualla Selcuk, die derzeitige Dekanin der Theologischen Fakultät Ankara, und Prof. Dr. Cemal Tosun, Lehrstuhlinhaber für Religionspädagogik an dieser Fakultät. Die internationalen Referentinnen und Referenten bei dem Kongress in Istanbul rekrutierten sich weitgehend aus Kolleginnen und Kollegen, die beim 7. Nürnberger Forum im Jahr 2000 zum Thema „Spiritualität und Ethik - Erbe und Herausforderung der Religionen“ mitgewirkt hatten. Bei ihm hatte Beyza Bilgin über „Prophetengeschichten als Inspiration für ethische Bewusstseinsbildung“ (Beitrag 3.6 in diesem Band) gesprochen, ein Thema also, das auch religionsübergreifend pädagogisch relevant ist.[9] Sie exemplifiziert es an einem der theologisch schwierigsten Themen, nämlich der Theodizeefrage. Die Frage des ungerechtfertigten Leidens stand für sie nach dem schrecklichen Erdbeben in der Türkei vom 17. August 1999 aktuell im Raum, und sie hat sich in ihren theologischen Überlegungen sehr bewusst auf das Buch Hiob im Alten Testament bezogen.
Insgesamt werden in diesem Band 18 Vorträge wiedergegeben, die Beyza Bilgin in Deutschland gehalten hat. Es gab zu ihnen – neben den Nürnberger Foren - verschiedene Anlässe und Einladungen: u. a. bei Moscheevereinen, in Universitäten, bei kirchlichen Akademieveranstaltungen, in der Erwachsenenbildung. Sie sollten einem breiten Publikum zugänglich sein, sind grundsätzlich allgemein verständlich und deshalb zumeist nicht streng akademisch ausgearbeitet. Sie erheben keinen Absolutheitsanspruch, sondern laden vor allem zum Nachdenken und zum Dialog ein.
Obwohl sich die Beiträge einer starren Systematisierung widersetzen, werden sie hier unter drei übergreifenden Gesichtspunkten wiedergegeben:

  • Grundlagen des Islams zu Beginn des 3. Jahrtausends
  • Islamische Erziehung im Kontext der Türkei und Europas
  • Fragestellungen einer zeitgemäßen islamischen Religionspädagogik
In ihnen spiegeln sich die zentralen Anliegen von Beyza Bilgin: 
  • einen Islam zu entfalten, der toleranz- und pluralismusfähig ist und damit den Herausforderungen einer modernen, von religiöser Vielfalt und verbreiteter Säkularität geprägten Gesellschaft entspricht, wobei immer wieder der Koran selbst als Grundlage eines dynamischen Religionsverständnisses heran gezogen wird,
  • die aktuellen Fragen aufzugreifen, die sich für eine islamische Erziehung vor dem Hintergrund der Entwicklungen in der Türkei im Blick auf die Gesamtentwicklung in Europa und den internationalen Austausch ergeben,
  • die Konturen einer islamischen Religionspädagogik zu entwerfen, die Offenheit und Vielfalt nicht scheut und dialogisch sowohl im Blick auf die Lernenden, Schüler/Schülerinnen, Lehrer/Lehrerinnen, Studenten/Studentinnen, Dozenten/Dozentinnen und Menschen in allen Altersstufen und Lebenskonstellationen angelegt ist.

Als Religionspädagogin ist ihr darüber hinaus die Stärkung und Ermutigung der Frauen ein besonderes Anliegen. Sie arbeitet konsequent die fortschrittlichen Impulse heraus, die der Koran in der arabischen Gesellschaft des 7. Jahrhunderts gesetzt hat: Eigenständigkeit, Selbstverantwortung, Recht auf Bildung sind für sie Elemente, die der Koran inspiriert hat. In der heiklen Frage des Kopftuchtragens plädiert sie – unter der Prämisse, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse zur Zeit der koranischen Offenbarung keinen kanonischen Rang haben  – begründet gegen ein Gebot in dieser Frage, durchaus im Bewusstsein, dass sie sich damit gegen die Mehrheit traditionsbezogener Islamgelehrter stellt. Aber Denkverbote gibt es für sie nicht.
Es ist nicht zufällig, dass Beyza Bilgin nicht nur mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde – für ihre Arbeit des Brückenbaus zwischen den Ländern und Religionen –, sondern dass ihr im Jahr 2006 vom Kulturinstitut der Universität Istanbul auch den Preis für die „Frau des Jahres mit dem mutigen Herzen“ verliehen wurde ...

So ist hier ein Werk im Dialog und für den Dialog entstanden, das Christen und Muslimen wie auch im weiteren Sinne der interessierten Öffentlichkeit in der Türkei und besonders in den deutschsprachigen Ländern, vor allem für die Kinder und Jugendlichen in unseren Gesellschaften mit ihren Familien, ihren Lehrerinnen und Lehrern als Grundlage und Ermutigung zu wachsendem gemeinsamen Lernen dienen kann.

Nürnberg, im August 2007

                                              Anmerkungen
[1] Vgl. zum folgenden J. Lähnemann: Religionspädagogische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts am Beispiel der Universitäten Erlangen-Nürnberg und Ankara. In: J. Lähnemann (Hg.): Visionen wahr machen. Interreligiöse Bildung auf dem Prüfstand. 
Hamburg 2007. = Pädagogische Beiträge zur Kulturbegegnung 26, S. 346-353.
[2] S. hierzu R. Wielandt: „Zeitgenössische islamische Religionspädagogik in der Türkei“. 
In: J. Lähnemann (Hg.): Erziehung zur Kulturbegegnung. Hamburg 1986.=
Pädagogische Beiträge zur Kulturbegegnung Bd. 3, 293-303.
[3] Religiöse Unterweisung für Schüler islamischen Glaubens. 24 Unterrichtseinheiten für die Grundschule. Soest (Landesinstitut für Schule und Weiterbildung) 1986, bes. 30.
[4] B. Bilgin: Das Prinzip der Liebe in der islamischen Erziehung und in den Unterrichtswerken der Türkei.
 In: J. Lähnemann (Hg.): Weltreligionen und Friedenserziehung. Wege zur Toleranz. Schwerpunkt: Christentum – Islam. Hamburg 1989. = Päd. Beiträge zur Kulturbegegnung Bd. 7, 36-43.
[5] B. Bilgin: „Das Verständnis religiöser Erziehung in einem laizistischen Land am Beispiel der Türkei“.
In: J. Lähnemann (Hg.): Das Wiedererwachen der Religionen als pädagogische Herausforderung. Interreligiöse Erziehung im Spannungsfeld von Fundamentalismus und Säkularismus. Hamburg 1992.  = Pädagogische Beiträge zur Kulturbegegnung Bd. 10, 190-200.
[6] Uluslarasi Din Egitimi Sempozyumu 20-21 Kasim 1997.
Ankara Üniversitesi Ilahiyat Fakültesi ve TÖMER Dil Ögretim Merkezi.
[7] B. Bilgin: Islamische und christliche Religionspädagogik – Was können wir voneinander lernen.
 In: J. Lähnemann (Hg.): Interreligiöse Erziehung 2000. Die Zukunft der Religions- und Kulturbegegnung. Referate und Ergebnisse des Nürnberger Forums 1997. Hamburg 1998.
= Pädagogische Beiträge zur Kulturbegegnung Bd. 16, 250-258.
[8] Der gesamte Kongress ist – z.T. dreisprachig – dokumentiert in T.C. Milli Egitim Bakanligi.
Din Ögretimi Genel Müdürlügü: Din Ögretiminde Yeni Yöntem Aralaslari
(New Methodological Appoaches in Religious Education). Ankara 2003.
[9] B. Bilgin: Prophetengeschichten als Inspiration für ethische Bewusstseinsbildung.
In: J. Lähenmann (Hg.): Spiritualität und ethische Erziehung. Erbe und Herausforderung der Religionen. Hamburg 2001. = Päd. Beiträge zur Kulturbegegnung Bd. 20, 388-395.


Sonntag, 15. Oktober 2017

Frankfurter Buchmesse 2017: Von Aristoteles bis Diderot und Goethe - Geistesbrücke Frankreich


Bei der Frankfurter Buchmesse 2017 trat der Ehrengast Frankreich nicht als Grande Nation in Erscheinung, sondern mit der Kraft seiner Sprache auf allen Gebieten - von der schönen Literatur bis hin zu philosophischen Berühmtheiten. Aber mehr noch: Frankreich (Gallien) - geprägt von Transfer und Innovation - ist seit der Antike eine wichtige Sprachbrücke.


Hier ein paar Blicke in den Pavillon des Gastlandes
Zu weiteren Infos auf die Bildunterschriften klicken!
Die Bilder zum Vergrößern ggf. auch anklicken.
Aristoteles:
"Alle Menschen wünschen ganz selbstverständlich zu wissen."




Der Dialog (Goethe-Diderot) ist eine Bombe,
die im Milieu der französischen Literatur explodiert.

Der Maler Joseph Karl Stieler
über Goethe (1828)
Goethe über die Bedeutung der Weltliteratur
- Goethezeit-Portal: hier
Cover der Montaigne-Biografie
(Gallimard 2017) - 
Mehr zum Buch: hier

Wege der Übersetzung  von Aristoteles über Luther
bis zu Tintin (Comic-Serien "Tim und Struppi")

Straßen der Übersetzung
Kultur und Literatur entdecken

Spaß am Lesen


Die Notwendigkeit der Auseinandersetzung:Diskussion mit dem Übersetzer des Buches "Empört Euch" bei "arte" am 12. Oktober 2017


Mehr zu den Aufrufen von Stéphane Hessel:
Empört Euch ! Engagiert Euch !
Mit dem Dalai Lama:" Wir erklären den Frieden
."





CC


Freitag, 6. Oktober 2017

Islamische Theologie an der Universität Münster

Nach vielen Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen (auch mit den großen Islamverbänden) hat sich der (Religionslehrer/innen-)Ausbildungsgang "Islamische Theologie" am Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) der Westfälischen Wihelms-Universität Münster fest etabliert.


Schloss Münster, Hauptgebäude der Universität

Das ZIT beschreibt die Intentionen
im Sinne einer erhöhten Kompetenz- und Diskussionsfähigkeit u.a. so:
Der M.A.-Studiengang „Islamische Theologie“ vermittelt vertiefte Kenntnisse der islamischen Religion, der nach dem Christentum sowohl weltweit als auch in Deutschland zahlenmäßig zweitwichtigsten Religion. Die Studierenden verstehen Geschichte und Phänomenologie der islamischen Theologie, des islamischen Rechts, islamischer Mystik und Philosophie sowie der traditionellen islamischen Wissenschaftsdisziplinen (z.B. Koranexegese) und können dieses Wissen anwenden, um innerislamische Diskussionen einer breiteren Öffentlichkeit verständlich zu machen (und evtl. sie fortzuführen), in Konflikten mit der islamischen Welt zu moderieren und zu einem gegenseitigen Verständnis beizutragen, etwa in Form des christlich-islamischen Dialogs bzw. des Dialogs zwischen den Kulturen. Die dynamische, in ihrer Richtung heute keineswegs vorhersehbare Entwicklung des Islam in Europa, speziell in Deutschland, schafft den Bedarf nach kompetenten – sowohl muslimischen als auch nichtmuslimischen – Kommunikatoren. Bei einer hohen Anzahl der Mitbürger/-innen aus der Türkei sind die Türkischkenntnisse wie auch die Kenntnisse der sozialen-, politischen- und der Kulturgeschichte arabischer Länder in unserer Gesellschaft von beruflichem Vorteil. Dieser Studiengang gibt außerdem den muslimischen Studierenden die Möglichkeit zur Selbstreflexion und zur besseren Standortbestimmung ihrer eigenen Glaubensüberzeugungen in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft.
 Mouhanad Khorchide (Leiter des ZIT Münster)
  Ahmad Milad Karimi (stellvertretender Leiter des ZIT)
Schwierigkeiten beim Aufbau und Konsolidierung des ZIT Münster 

Ergänzende (ältere)  Berichte und Materialien

 CC

Dienstag, 3. Oktober 2017

Shintoismus und japanische Religiosität mit Buddhismus, Konfuzianismus und Christentum (aktualisiert)


Torii am Itsukushima-Schrein, im Hintergrund
 die Insel Miyajima (Wikipedia)

Durch Naturkatastrophen wie Erdbeben und Tsunamis sowie durch Atomkraftwerksunfälle rückt Japan  immer wieder stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Das lässt auch nach den religiösen Mentalitäten dieses Landes im “Fernen Osten” fragen, die teilweise in ungewohntem Licht erscheinen. Zum besseren Verstehen ist es darum nötig, mehr über die Religiosität der Japaner zu erfahren. Für Einführung und Vertiefung in den Shintoismus eignen sich  die folgenden (englischsprachigen) Titel: 

  • Brian Bocking: A Popular Dictionary of Shinto.
    Richmond, Surrey (UK) 1995, 251 pp., index
  • Aidan Rankin: Shinto. A Celebration of Life. Winchester (UK) / Washington (USA): O-Books 2011
    --- Ausführliche Rezension hier 
  • Helen Hardacre: Shinto. A History. Oxford University Press (USA) 2016, 720 pp., illustr.
Die Vielfalt der Religionen Japans müsste im Zusammenhang mit dem Shintoismus, der Volksfrömmigkeit (z.B. Jizo Bosatsuund dem Buddhismus im deutschsprachigen Raum noch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.
Auch der Konfuzianismus und der Neo-Konfuzianismus spielen in Japan
eine erhebliche Rolle:

Vgl.: Kiri Paramore: Japanese Confucianism.
A Cultural History.New Approaches to Asian History.
Cambridge, MA (USA): Cambridge University Press   2016, 249 pp.


Matsuo Basho: Haibun (2015) --- Cover: München: Piper 2013 --- Kakuzo Okakuro (Insel 2015) 


1. Besondere japanische Feste und Rituale


Erinnerung an Fukushima 2011
Japanischer Garten Berlin-Marzahn



2. Literatur-Empfehlungen:
  • Einführungen: Lotos-Sutra, Nichiren-Buddhismus, Soka Gakkai 
  • Lydi Brüll: Die japanische Philosophie. Eine Einführung.
    Darmstadt: WBG 1989, 214 S., Glossar, Personenregister
  • Ulrich Dehn: Religionen in Ostasien und christliche Begegnungen.
    Frankfurt/M.: Lembeck 2006
  • Karl Florenz: Die historischen Quellen der Shinto-Religion.
    Aus dem Altjapanischen und Chinesischen übersetzt.
    Göttingen: V & R / Leipzig: Hinrich'sche Buchhandlung
    1919, 470 S., Register
  • Bruno Lewin (Hg.): Kleines Wörterbuch der Japanologie.
    Wiesbaden: Harrassowitz 1981, 2. Aufl.
  • Michiko Yusa: Japanische Religionen. 
  • Spannung zwischen Tradition und Moderne.
    Herder spektrum 5865. Freiburg u.a.: Herder 2007
    Ausführliche Rezension in EMBJAPAN 2009
 
 
Japanische Pagode (Buddhismus)
Leicht zu lesende englische Literatur:

  • Journal of Religion in Japan ----- (3 Ausgaben jährlich, Brill)
  • C. Scott Littleton: Understanding Shinto.
    London: Duncan Baird 2002
  • Ian Reader: Religion in Contemporary Japan.
    London: Macmillan 1991
 
Heiwa = japanisch: Frieden



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