Montag, 12. Februar 2018

Die Göttinnen von Mekka in vorislamischer Zeit

Mekka im Jahr 1718 (Wikipedia.en)
Bevor der Islam die wichtigste Religion der arabischen Halbinsel wurde, gab es dort eine große Göttervielfalt. In der Stadt Mekka, einer Wüstenoase, zugleich Handelszentrum und bedeutender Pilgerort, wurden viele Götter verehrt, besonders drei Göttinnen
Im Hof des Heiligtums standen wahrscheinlich 360 Götterbilder für jeden Tag des Jahres ein Gott bzw. eine Göttin. Im Zentrum befand sich die Kaaba mit dem Bild des Gottes Hubal  und auch der heilige schwarze Stein (ca 25 cm Durchmesser, in drei Stücke zerbrochen und von einer Silbereinfassung gehalten).
Das Lexikon zu den Religions-Sendungen des österreichischen Fernsehens (ORF) beschreibt die damalige Situation sehr schön:
Die Göttin Al-Lat
auf einem Kamel

Relief aus Ta'if in Saudi-Arabien,
um 100 n. Chr.
(Wikipedia)
"Es gilt als gesichert, dass dort dem Gott Hubal und den altarabischen Göttinnen Al-Lat, Manat und Uzzat
 
[= Al-Uzza] gehuldigt wurde. Sie waren Tochtergottheiten von „Al-Lah“ ( = der Gott), der im damaligen Pantheon jedoch nur ein Gott einer unter mehreren war. Diese Zeit des Polytheismus wird im Arabischen als „Dschahilija“ (Zeit der Unwissenheit) bezeichnet.
Auch durch die regelmäßigen Pilgerströme entwickelte sich Mekka, das in einem unfruchtbaren Tal zwischen zwei Bergketten liegt, zu einem Zentrum des Handels. Davon profitierten vor allem einige Clans des Stammes der
Quraisch, der damals Mekka beherrschte. Auch der islamische Prophet Mohammed gehörte den Quraisch an, allerdings aus einem verarmten Zweig. Jene Familien, die vom den Pilgeraktivitäten am meisten profitierten, standen dem Islam zunächst feindlich gegenüber. Daher setzte sich Mohammeds neue Glaubenslehre in seiner Geburtsstadt erst durch, nachdem er sie im Jahr 630 erobert hatte."

Der heilige Stein an der Kaaba - Hintergründe
"Die Araber besaßen keine Götterbilder, sondern verehrten heilige Steine (Baityl), die meist unbearbeitet blieben. Diese wurden berührt, geküsst und umkreist: nach Ibn al-Kalbi nannte man den Umlauf tawaf طواف / ṭawāf – wie im Islam – oder, vor allem in der vor- und frühislamischen Poesie, dawar. دوار / dawār.
Solche Steine nannte man al-ansab الأنصاب / al-anṣāb; Ibn al-Kalbi schreibt: „Die Araber besaßen staubfarbige Steine, die sie aufgestellt hatten. Sie umkreisten sie und opferten bei ihnen. Sie nannten sie al-anṣāb“. Bei den Kultsteinen wurden Tiere geopfert und jene mit dem Blut besprengt oder bestrichen. Solche Steine werden schon von Herodot beschrieben.
Die Kaaba (الكعبة) in Mekka – nach islamischem Glauben von Ibrahim errichtet und angeblich himmlischen Ursprungs – war bereits in vorislamischer Zeit ein bedeutendes Heiligtum. Muhammad ibn Saʿd berichtet, dass der Stein ursprünglich auf dem Berg Abu Qubais bei Mekka verehrt wurde; erst vier Jahre vor Mohammeds ersten Offenbarungen stellten die Quraisch den schwarz gewordenen Stein in der Stadt auf. Der Koranexeget Mudschāhid ibn Dschabr erklärt die Farbe des Steines mit der Sitte der Polytheisten, die den Stein mit Blut zu beschmieren pflegten. Somit erfüllte dieser Stein die Funktion anderer ansab. Innerhalb des heiligen Bezirkes befand sich nicht nur der berühmte schwarze Stein, sondern auch die Figur des Hubal aus rotem Karneol und der heilige Brunnen Zamzam. Die „ansab“ waren unbehauene Steine, die man in Privathäusern/Zelten aufstellte; nach und nach sind sie durch Idole (ṣanam/aṣnām) als geformte Statuen ersetzt worden. Nach Auskunft von al-Azraqi gab es in Mekka am Vorabend des Islams kein Haus ohne Idol"
(aus Wikipedia: Altarabische Gottheiten).
Die Geschichte der Kaaba von Adam bis Mohammed
(Focus online-Lexikon)

In den Museen des Louvre in Paris finden sich beeindruckende Zeugnisse aus der vorislamischen Zeit.


Totenbankett des Maliku, Palmyra, 2. Jh. n. Chr. (Detail)
Buchcover: Aux sources du monde arabe. Paris 1990
CC


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