Freitag, 23. August 2019

Shintoismus und japanische Religiosität --- mit Buddhismus, Konfuzianismus und Christentum (aktualisiert)


Torii am Itsukushima-Schrein, im Hintergrund
 die Insel Miyajima (Wikipedia)

Durch Naturkatastrophen wie Erdbeben und Tsunamis sowie durch die Unfälle in den Atomkraftwerken rückt Japan  immer wieder stark in den Fokus der Öffentlichkeit. Das lässt auch nach den religiösen Mentalitäten dieses Landes im “Fernen Osten” fragen, die teilweise in ungewohntem Licht erscheinen. Zum besseren Verstehen ist es darum nötig, mehr über die Religiosität der Japaner zu erfahren. Für Einführung und Vertiefung in den Shintoismus eignen sich  die folgenden (englischsprachigen) Titel: 
  • Brian Bocking: A Popular Dictionary of Shinto.
    Richmond, Surrey (UK) 1995, 251 pp., index
  • Aidan Rankin: Shinto. A Celebration of Life. 
    Winchester (UK) / Washington (USA): O-Books 2011

    --- Ausführliche Rezension hier 
  • Helen Hardacre: Shinto. A History.
    Oxford University Press (USA) 2016, 720 pp., illustr.

Die Vielfalt der Religionen Japans müsste im Zusammenhang mit dem Shintoismus, der Volksfrömmigkeit (z.B. Jizo Bosatsuund dem Buddhismus im deutschsprachigen Raum noch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Auch der Konfuzianismus und der Neo-Konfuzianismus spielen in Japan
eine erhebliche Rolle:


Matsuo Basho: Haibun (2015) --- Cover: München: Piper 2013 --- Kakuzo Okakuro (Insel 2015) 


1. Besondere japanische Feste und Rituale


Erinnerung an Fukushima 2011 Japanischer Garten Berlin-Marzahn


2. Literatur-Empfehlungen:
  • Einführungen:
    Lotos-Sutra, Nichiren-Buddhismus, Soka Gakkai 
  • HORIN. Vergleichende Studien
    zur japanischen Kultur.
     
    Horin = Dharma Chakra
    = Rad des Gesetzes

    Hg.: EKO-Haus Düsseldorf
    (München: Judicium 1994-2018), 173 S.
  • Lydi Brüll: Die japanische Philosophie. Eine Einführung.
    Darmstadt: WBG 1989, 214 S., Glossar, Personenregister
  • Ulrich Dehn: Religionen in Ostasien
    und christliche Begegnungen.

    Frankfurt/M.: Lembeck 2006
  • Karl Florenz:
    Die historischen Quellen der Shinto-Religion.
    Aus dem Altjapanischen und Chinesischen übersetzt.
    Göttingen: V & R / Leipzig: Hinrich'sche Buchhandlung
    1919, 470 S., Register
  • Bruno Lewin (Hg.): Kleines Wörterbuch der Japanologie.
    Wiesbaden: Harrassowitz 1981, 2. Aufl.
  • Michiko Yusa: Japanische Religionen. 
  • Spannung zwischen Tradition und Moderne.
    Herder spektrum 5865. Freiburg u.a.: Herder 2007
    Ausführliche Rezension in EMBJAPAN 2009
 
 
Japanische Pagode (Buddhismus)
Leicht zu lesende englische Literatur:

  • Journal of Religion in Japan --------------------- (3 Ausgaben jährlich, Brill)
  • C. Scott Littleton: Understanding Shinto.
    London: Duncan Baird 2002
  • Ian Reader: Religion in Contemporary Japan.
    London: Macmillan 1991
 
Heiwa = japanisch: Frieden



Lizenz: Creative Commons





Sonntag, 18. August 2019

Friedenskräfte, die aus der Musik der religiösen Traditionen erwachsen

Cover des Begleitheftes (Motiv: Thomas di Paolo)

Ist meine Seele auf Gott gestimmt, 
wird mein Tun, 
mein ganzes Tun, wird mein Tun zu Musik.



Hazrat Inayat Khan (1882-1927)

In allen religiösen Traditionen spielt die Musik eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das hat in den letzten Jahren verstärkt dazu geführt, dass Künstler/innen sich verstärkt zusammen getan haben, um aus der Kraft der Musik heraus für den Frieden zu komponieren, zu singen und zu spielen.
Beeindruckende Beispiele solcher über die Grenzen der Religionen hinaus gehenden Engagements von einzelnen Künstlern und Ensembles sind:


  • Festival religiöser Musik in der Medina von Fes 
    Fès, festival des musiques sacrés ... 
    entre rhythmes soufis et jazz tribal est une invitation
    au dialogue interreligieux. Jusqu'à la transe.
    (L'Express, 29.06.2018)







Engagierte Komponisten und Musiker 
Weltmusik und ihre Promotoren




Multireligiosität und Weltmusik
Renaissance - Barock - Aufklärung


Europa und Die Neue Welt
Inkulturation gegenseitig --- Vorstellung mehrerer Ensembles


Interreligiös orientierte Ensembles 
CC

Freitag, 16. August 2019

Die Drüggelter Kapelle - Geheimnisse um das Heilige Grab und seine Nachbildungen (aktualisiert)

Drüggelter Kapelle - Südseite
Ehe man von Soest kommend, zum Möhnestausee hinabfährt, liegen auf der linken Seite die Drüggelter Höfe mit einer Kapelle in der Form eines Zwölfecks mit zwei Vorbauten, die Drüggelter Kapelle
Heilig Kreuz !

Das 1227 erstmals urkundlich erwähnte, aber wahrscheinlich ältere Gebäude lässt eine direkte Verbindung zu Ereignissen der  Kreuzfahrerzeit vermuten, weil die Arnsberger Grafen zu jener Zeit in überregionale Ereignisse direkt eingebunden waren. Sie trugen den Ehrentitel:
Vorfechter zwischen
Rhein und Weser
für das Heilige Römische Reich.

Mehr im Bericht von Achim Gieseke (Westfalenpost, 29.09.2017)


Ehem. Klosterkirche Wedinghausen
in Arnsberg
Um endlich an einem Kreuzzug teilzunehmen, musste Graf Gottfried II. von Arnsberg (1157-1237) aus Finanzierungsgründen im Jahre 1217 Besitzungen an das Kloster Wedinghausen in Arnsberg verkaufen, was er im Kloster feierlich beschwor. 
In diesem Zusammenhang wurden auch die Drüggelter Höfe veräußert. In der Drüggelter Kapelle wiederholte der Graf 1217 noch einmal seinen Schwur vor versammelten Rittern und Adligen, ehe er mit ihnen zum Kreuzzug nach Damiette aufbrach. Er kehrte allerdings vorzeitig 1221 zurück.
Vgl. Helmut Lahrkamp: Mittelalterliche Jerusalemfahrten und Orientreisen westfälischer Pilger und Kreuzritter.
Westfälische Zeitschrift 106, 1956 ,
S. 269-346

Kapelle Drüggelte: Innerer und äußerer Säulenkranz

Der kleine Zentralbau der Drüggelter Kapelle ist eine architektonische Besonderheit:
Im Innern sieht man zwei ungleiche konzentrische Säulenringe aus 4 bzw. 12 Säulen und ringförmiger Tonnenwölbung. In diese schneiden die Stichkappen des Kreuzgewölbes ein. Die Säulen (aus dem grünen "Soester" Kalkstein ) tragen schön verzierte Kapitelle.



Das innere Zentrum des Zentralbaus
- wie eine Hl. Grab-Kapelle
Äußerer Säulenkranz


Sorgsam ausgearbeitete Kapitelle

Eine originale Truhe aus dem 13. Jahrhundert lässt Gedankenspiele darüber frei, was wohl die Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land mitgebracht haben könnten ...
Die Spekulationen um geistige und spirituelle Zusammenhänge gehen sogar soweit, ob hier nicht sogar eine Nähe zu den Katharern abzunehmen ist. Allerdings leuchten eher mögliche Kontakte von Gottfried II. von Arnsberg zu den Templern ein.



Eicherne Baumladetruhe aus der Erbauungszeit (13. Jh.)

Der berühmte preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel schreibt auf Grund seines Besuches in Drüggelte 1833 in seinen Reisenotizen fasziniert, dass er die Kapelle für „das älteste Bauwerk des Landes in Baptisterienform“ sowie „eines der merkwürdigsten Werke aus der Urzeit deutscher Kulturanfänge“ halte.
Aber Drüggelte war kaum eine Baptisterium, auch wenn die Taufkapelle in der Kirche Maria zur Höhe in Soest in manchem an Drüggelte erinnert; aber es gibt keinen Hinweis auf einen Taufstein. Wir stehen sicherlich auch nicht vor einem heidnischen Bauwerk. 

Taufkapelle in der Kirche Maria zur Höhe, Soest
So behält dieser Ort der Meditation und des Gebets
seine Geheimnisse weiter für sich ...

Aber die Besucher sind angesichts der beeindruckenden Akustik eingeladen, hier intensiv besinnend und vielleicht auch singend zu verweilen.

Da die Drüggelter Kapelle vermutlich im 12. Jahrhundert erbaut wurde, kann man nun darüber spekulieren, ob sie in gewisser Weise das Heilige Grab,der Grabeskirche in Jerusalem nachbildet. Immerhin ist sie nach dem "Heiligen Kreuz" benannt. 
Wie dem auch sei: Die vielen Heiligen Grab-Nachbildungen zeigen, dass sich hier die Frömmigkeit bildlich dem Geheimnis des Todes Christi anzunähern versucht.
Insofern darf man dann gern in diesem kleinen Zentralbau an das Heilige Grab denken ...



Berühmte Nachbildungen des Heiligen Grabes in Deutschland


Kirche St. Michael in Fulda
eine der ältesten Nachbildungen des Hl. Grabes (Wikipedia)

Heilig-Grab-Kapelle (um 1250)
Im Innern: Christus und Ecclesia
(die Kirche als Braut Christi
oder  Kaiser Otto I. (912-973)
und Ehefrau Edgitha - Dom zu Magdeburg >>>

Heiliges Grab (um 1260) in der
Mauritiusrotunde des Münsters zu Konstanz

Heiliges Grab
in der ehem. Kapuzinerkirche Eichstätt
(wikipedia)

Literatur zur Drüggelter Kapelle
Literatur zum Heiligen Grab





Donnerstag, 8. August 2019

Johann Amos Comenius (1592-1670) - Vorreiter einer Pädagogik der Herzensbildung (aktualisiert)

(aus: Wikipedia)
Der Theologe und Pädagoge
Jan Amos Komenský,
latinisiert Johann Amos Comenius
(28.03.1592 bis 15.11.1670), gehört zu den bedeutendsten Schulreformern Europas. Er war als Erzieher zugleich Politiker, Prediger und auch Bischof der "Böhmischen Brüdergemeine", der Brüderunität, einer verfolgten Exilkirche. Sein Leben war privat, gesellschaftlich und politisch weitgehend durch die brutalen Auseinandersetzungen und Seuchen des Dreißigjährigen Krieges und folgender militärischer Konflikte geprägt. Dennoch entwickelte er angesichts des Chaos der Welt die Vision, durch menschenfreundliche Erziehung und Bildung ein "Paradies des Herzens" zu ermöglichen, aus dem Frieden fördernde Kräfte erwachsen.
So beschreibt er seine Intentionen in dem allegorischen Roman: Labyrinth der Welt und Paradies des Herzens (zuerst 1631 auf tschechisch erschienen). 


English summary at the end of the article


Kurzer biografischer Überblick
Er wurde 1592 in Nivicne (Mähren) geboren, studierte auch in Deutschland, und zwar an zwei bedeutenden Bildungseinrichtungen der damaligen Zeit, der calvinistischen  Hohen Schule in Herborn von 1611-1613 und von 1613-1614 an der Universität Heidelberg. 


Vgl. Fletcher DuBois / Hans Peter Gerstner (Hg., Mitarbeit: Kirsten-Heike Pistel): Comenius in Heidelberg. Student in Heidelberg - Lehrer der Menschheit
Heidelberg: Springer 2014, 180 S.

Für eine Promotion hatte er allerdings kein Geld und kehrte nach Mähren zurück.


Erinnerungstafel an der ehem. Hohen Schule Herborn.
Hier studierte Comenius von 1611-1613.



Das Katheder in der  ehem. Aula der Hohen Schule Herborn

Mit dem Jahr 1620 (Schlacht am Weißen Berge bei Prag) setzte verstärkt die militärisch organisierte Gegenreformation auch in Mähren ein. Tragische Familienereignisse - seine Frau und sein Sohn starben an der Pest - und die Kriegszerstörungen nötigten Comenius zuerst, an der mährischen Grenze unterzutauchen. Dort heiratete er zum zweiten Mal.
Rathaus von Leszno (Lissa) - wikipdia.en
Doch schließlich musste er auch von dort fliehen - über Görlitz und Berlin - in die reformierten Niederlande. 1628 fand er schließlich mit anderen Glaubensflüchtlingen im polnischen Lissa 
(Leszno) Asyl. Dort gründete er ein Gymnasium (Lateinschule) nach seinen Bildungsvorstellungen. Aufgrund seiner humanistischen Publikationen erfolgten Einladungen von europäischen Intellektuellen nach England und Schweden. So kam es, dass er seit 1642 an einer Unterrichtsreform der Schulen im damals schwedischen Elbing arbeitete. Dorthin holte er auch seine Familie nach. 1645 nahm er als Vertreter der Böhmischen Brüder am (gescheiterten) Thorner Religionsgespräch teil. 1648 kehrte er nach Lissa zurück und wurde Bischof der Böhmischen Brüdergemeine. Seit 1650 versuchte er in  Sárospatak (Ungarn) das dortige (protestantische) Lateinkolleg zu reformieren, kehrte jedoch 1654 weitgehend erfolglos nach Lissa zurück. 
1656 eroberte ein polnisches Heer Lissa, Comenius musste wiederum fliehen und lebte bis zu seinem Tod im Amsterdamer Exil.
Mehr zum Leben und Wirken von Amos Comenius: hier


Der Theologe und Pädagoge Comenius
entwickelte eine große Hoffnungsvision:

Pädagogik des Lebens

im Sinne
Didactica Magna, Stadtbibliothek Elbing (Wikipedia)
von Herzensbildung. 

Seine "Didactica Magna"
(veröffentlicht 1657)
ist die Frucht seiner Überlegungen und schulpraktischen Reformen im Sinne eines von Gott geleiteten Humanismus. Dies führt er im einzelnen an den verschiedenen Phasen der Kindererziehung aus. "Niemand glaube also, dass in Wahrheit Mensch sein könne, wer nicht als Mensch sich zu verhalten gelernt hat, d.h. zu dem, was den Menschen macht, herangebildet ist."

(Aus Didactica Magna, in: Gerhard Arnhardt
Gerd-Bodo Reinert [Hg.]:
Jan Amos Comenius: Über sich und die Erneuerung von Wissenschaft ...  Bd. II. Donauwörth: Auer 1996,  S. 384.

Gesamtausgabe der Didactica Magna
 zum Download - Englisch: hier
)



Beeindruckend ist, dass Comenius es für entscheidend hält, bereits im [frühen] Kindesalter mit der entsprechenden Erziehung zu beginnen.
Im "Informatorium der Mutterschul" (1633) hat er seine Intentionen verdeutlicht.
(Seitenangaben der Ausgabe - Johann Heubach [Hg.] in Pädagogische Forschungen. Veröffentlichungen des
Comenius-Instituts 16. Heidelberg: Quell & Meyer 1962)



  • Kinder sind ein Geschenk,
    das Eltern und Lehrer zur
    Verantwortung herausfordert
    (S. 17f).
    Das ist die Voraussetzung der "Mutterschul".
  • Für einen sinnvollen Lebensbezug müssen Kinder lernen (S. 23).
  • Bereits im Vorschulalter ist eine soziale Erziehung nötig.
  • Die gesundheitlichen Bedingungen, bereits  von der Schwangerschaft bis in das Vorschulalter, sind ernst zu nehmen.
  • Die Kinder sollen zum Denken erzogen werden
    (S. 38ff).
  • Dazu gehören das schöpferische Gestalten (S. 43ff) und die Sprach- und Sprecherziehung gleichermaßen (S. 43ff und 49ff).
  • Eine solche Grundlegung ermöglicht die Vermittlung von Normen und Wertmaßstäben (S. 53ff). Dazu gehört auch die Einführung in den christlichen Glauben.
  • Die Funktionen der "Mutterschul" muss die Schule (im heutigen Sinne auch der Kindergarten) weiterführen.
Hinter diesen in die Praxis weisenden Überlegungen steht für Comenius der Gedanke der einen Menschheit, die sich als Brüder und Schwestern verstehen sollte und so zu Versöhnung der Welt beiträgt. Comenius plädiert damit für eine Erziehung zum Frieden. Die Begründung leitet er einerseits aus der Gottebenbildlichkeit des Menschen ab und andererseits am Versöhnungswerk Christi, an dem der Mensch mitwirken soll (2. Kor. 5, 18-19).
Dies geschieht in der Erziehung von Menschen so, dass sie zur Bildung "gezogen" werden . Der Gedanke der "Zucht" hat hier aber nichts mit der damaligen in den Schulen üblichen "Prügelpädagogik" zu tun, sondern ist die Er-Ziehung zur Harmonie mit sich selbst und der
Orbis Sensualium Pictus - Die sichtbare Welt
Schulbuch, 2 Bände, lateinisch-deutsch,
Nürnberg [Erstausgabe 1653] 1658, 1280 S.
Welt. Dazu bedarf es der Norm- und Wertorientierung, die allerdings auch bei Comenius sehr streng gesehen wird. Aber seine Erziehungsbasis ist eine von Gott  bestimmte wahre Menschlichkeit. So kann der christliche Glaube den Kindern bei ihrer Lebensbewältigung helfen und ihnen einen Einblick in die gesamte Welt bieten.
Die Grunderkenntnisse des Glaubens sind für eine humane Bildung deshalb wichtig, weil der Mensch daran erinnert wird, dass er nicht Herr seiner selbst ist, also absolut autonom,
sondern sich immer wieder seine Geschöpflichkeit bewusst macht und sich in dieser Weise auf die Nachfolge Jesu einlässt. So geschieht auch Erziehung im Geiste Jesu.

Für Comenius ist dabei wichtig, dass die modernsten pädagogischen und theologischen Erkenntnisse in der Schule konsequent berücksichtigt werden.
Als wichtigstes Werk von Comenius gilt seine "Allgemeine Beratung zur Verbesserung der menschlichen Dinge".
Das Original erschien in Latein:

De Rerum Humanorum Emendatione Consultatio.
2 Bände, zus. 1680 S., Abb.,
Auszüge aus dem handschriftlichen Manuskript als Faksimile Hg.: Otokar Chlup / Vorwort J. Vana. Reprint der Akademie der Wissenschaften Prag 1966. 

Der herausragende Teil dieses unvollendet gebliebenen Werks ist die Pampaedia
(All-Erziehung)
, eine Lehre universaler Bildung - zwischen Pädagogik und Politik angesiedelt. 

Inhalt der Pampaedia im Blick auf alle Menschen, alle Dinge,
die Schule, die Bücher, die Lehrer - und folgend: Die Schule des Lebens
 von der Geburt - durch alle Lebensalter hindurch - bis zum Tod. 

Überlegungen für die Gegenwart
Überträgt man all diese Überlegungen auf die Gegenwart, dann wird deutlich, dass die 
Friedenskräfte der Religionen die Chance bieten, eine verantwortliche Erziehung (in der Schule) aufzubauen. Sie ist von Achtsamkeit geprägt, die den Menschen nicht zum Herrn über andere erhebt, sondern aufgrund der Zusammengehörigkeit aller miteinander die Herzensbildung vorantreibt. Sie bezieht Verstand und Geist ebenso mit ein wie das Herz, um über Verstandeswissen hinaus zur Weisheit zu gelangen. Insofern erinnert die Pädagogik des Comenius durchaus  an ein inzwischen internationales Schulprojekt: Mind with Heart. Hier ist nicht nur eine Religion, das Christentum gefordert, sondern dies ist die Aufgabe aller religiösen Traditionen, mit ihren Versöhnungskräften. "die menschlichen Dinge zu verbessern".

"Die Religion, das Band, das den geschaffenen Geist mit dem ungeschaffenen verbindet, hat die Bestimmung in den irdischen Dingen Trost zu bringen, vor den Stürmen des Erdenlebens den sicheren Hafen nicht nur zu zeigen, sondern auch hineinzugleiten".
(J.A. Komenský: Das Labyrinth der Welt  und andere Schriften 
[Hg.: Ilse Seehase]. Leipzig. Reclam TB 187, 1984, S. 258 - aus: "Weckrufe")


English Summary
Johann Amos Comenius, promotor of an education which nurtures the heart

The theologian and pedagogue Jan Amos Komenský, latinised Johann Amos Comenius, (1592 - 1670) is one of the most important school reformers in Europe. As an educator he was a politician,a preacher and finally bishop of the Bohemian Brethren (Unity of the Brethren), a persecuted exile church of the Counter-Reformation. His private, social and political life was largely marked by the brutal conflicts and epidemics of the Thirty Years' War and subsequent military conflicts. Nevertheless, in view of the chaos of the world, he developed the humanistic vision, to enable a "paradise of the heart" through human education and training, from which rise peace-promoting energies. His understanding of an ecumenical peace education remains an everlasting model.


Literaturhinweise 
Denkmal im Comenius-Garten
Berlin-Neukölln
  • Johann Amos Comenius: Werke und Sekundärliteratur (Wikipedia)
  • Johann Amos Comenius: Das einzig Notwendige.
    Unum necessarium.
    (Neuausgabe von 1904 bei Eugen Diederichs).
    Hamburg: Agentur des Rauhen Hauses 1964, 178 S.
  • Jan Amos Komenský: Das Labyrinth der Welt  und andere Schriften [Hg.: Ilse Seehase]. Leipzig: Reclam TB 187, 1984, 301 S.
  • Bernhard Stalla: Comenius als Didaktiker (2012, PDF)
  • Comenius-Jahrbücher. Baden Baden: Academia Verlag [Nomos] 1993ff
  • Gerhard Arnhardt / Gerd-Bodo Reinert [Hg.]: 
    Jan Amos Comenius: Über sich und die Erneuerung von Wissenschaft, Erziehung und christlicher Lebensordnung. 2 Bände. Donauwörth: Auer 1996.
    --- Bd. I, 288 S., Register: XV S., Abb.
    --- Bd. II, 686 S., Register, Xv S., Abb.
  • Johann Heubach [Hg.]: Informatorium der Mutterschul.
    Pädagogische Forschungen. Veröffentlichungen des Comenius-Instituts 16.
    Heidelberg: Quelle & Meyer 1962, 104 S., Register
  • Klaus Heuer: Die Ansichten des Johann Amos Comenius (DIE Bonn, abgerufen: 05.07.2018)
  • Franz Hofmann: Jan Amos Comenius. Lehrer der Nationen.
    Leipzig u.a.: Urania 1975, 108 S., Abb.
  • Klaus Schaller: Die Pampaedia des Johann Amos Comenius. Eine Einführung in sein Hauptwerk.
    Pädagogische Forschungen.
    Veröffentlichungen des Comenius-Instituts 4.
    Heidelberg: Quell & Meyer 1958, 34 S. 
  • Johannes Schnurr: Comenius. Eine Einführung in die Consultatio Catholica. Schriften der Universität Passau. Reihe Geisteswissenschaften, Bd. 2. Passau: Passavia Universitätsverlag 1981, 96 S.
  • Uwe Vogt: Das Geschichtsverständnis des Johann Amos Comenius in Via Lucis als kreative Syntheseleistung. Vom Konflikt der Extreme zur Kooperation der Kulturen.
    Schriften zur Triadik und Ontodynamik, Bd. 11.
    Frankfurt/M. u.a.: Peter Lang 1996, 264 S., Personenregister
 CC

Donnerstag, 1. August 2019

Pater Dall'Oglio und das Kloster Mar Moussa - christlich-islamischer Dialog in der syrischen Einöde (aktualisiert)

Byzantinische Kapelle (Wikipedia)
Ein verfallenes Kloster, ein Jesuitenpater und die Bergwüste:
Damit beginnt die dramatische Geschichte des italienischen Priesters 
Paolo Dall'Oglio (geb. 1954 in Rom) in Syrien. Er entdeckte 1982 das verfallene Kloster, das den Namen Dair Mār Moūssā al-Habaschi trägt. Der Name bezieht sich auf einen äthiopischen Fürsten, Moses von Abessinien, der hier vor 1500 Jahren in der Einsamkeit mit einigen Gefährten die Nähe zu Gott suchte.

Seit 1984 baute Pater Paolo
Kloster Mar Moussa (Wikimedia)
mit Freiwilligen die Klosterruine nach und nach wieder auf und machte sie zu einer Begegnungsstätte von Christen und Muslimen in der Region und darüber hinaus. In der klösterlichen Abgeschiedenheit leben Mönche und Nonnen (eine Besonderheit in der katholischen Kirche!). Menschen aus aller Welt, die bisher kamen, wurden gastfreundlich
umsonst aufgenommen
und halfen dann als Dank im Kloster mit.
Pater Paolo, unerschrockener Kämpfer für Gerechtigkeit und Frieden, hat seit den revolutionären Aufbrüchen in Syrien immer wieder zwischen den Fronten  vermittelt. Er suchte während des brutaler gewordenen Bürgerkriegs die verfeindeten Gruppen auf und riskierte dabei sein Leben.
Seit dem Spätsommer 2013 ist der Pater jedoch verschwunden - ein beunruhigendes Zeichen! Das hat hauptsächlich den im französischsprachigen Raum tätigen Freundeskreis von Pater Paolo (Les amis de Mar Moussa) bewogen, zu Gedenkveranstaltungen und für die Freilassung des Paters sowie aller syrischen Gefangenen die Stimme zu erheben.



  • Der politisch engagierte Schriftsteller Navid Kermani
    beendete seine Rede zur Verleihung des
    Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2015
    in Frankfurt/M. am Schluss mit folgenden Worten:
    "Beten Sie für Jacques Mourad [ein entführter Priester und Schüler von Pater Paolo], beten Sie für Paolo Dall'Oglio, beten Sie für die Christen von Qaryatein, beten Sie oder wünschen Sie sich die Befreiung aller Geiseln und die Freiheit Syriens und des Irak. Gern können Sie sich dafür auch erheben, damit wir den Snuffvideos der Terroristen ein Bild unserer Brüderlichkeit entgegenhalten."  
    --- Hier der Text der gesamten Friedenspreisrede 
Sr. Houda mit Arbeitern auf der Klosterbaustelle (2014)

Im Sommer 2013 erschien das Buch von
Paolo Dall'Oglio: La rage et la lumière. Un prêtre dans la révolution syrienne 
( = Die Wut und das Licht. Ein Priester in der syrischen Revolution)

Hintergrundbericht im Portal "Le Chiffon Rouge" vom 30.08.2013 

Die Motivation für das dialogische Handeln
von Pater Paolo Dall'Oglio SJ. 

Erklärung nach seiner Ordination 1983 
(La Croix, 01.09.2014)


Weitere Informationen zu Syrien: hier