Donnerstag, 29. August 2019

Interkulturelle und interreligiöse Organisationen: national und international (Auswahl A-Z)


Seit dem ersten Weltparlament der Religionen in Chicago 1893 ist unübersehbar geworden, dass Menschen aller religiösen Traditionen sich verstärkt für ein friedvolles Zusammenleben bewusst einsetzen wollen, um Brücken der Verständigung und der Versöhnung zu bauen. 
Die beiden Weltkriege haben die internationalen Bemühungen zwar unterbrochen, aber diese wichtigen Impulse blieben erhalten und haben
sich nach dem 2. Weltkrieg wesentlich verstärkt.





Focus Lateinamerika (aktualisiert)

Lateinamerika ist ein von vielen Umbrüchen geprägter Kontinent. Neben den großen indigenen Kulturen der Mayas, Atzeken, Inkas und anderer Völker veränderte die Eroberung Amerikas durch Spanier und Portugiesen den Kontinent grundlegend. So sind die Hauptsprachen in Mittel- und Südamerika, also von Mexiko bis Argentinien sind überwiegend Spanisch (und in Brasilien) Portugiesisch. Etwa 70% der Bevölkerung gehören der Katholischen Kirche an, allerdings haben die indigenen Religionen und sog. Mischkulte, aber auch fundamentalistische protestantische Gruppen erheblich an Einfluss gewonnen. So lohnt der Blick in die lange Geschichte dieses Kontinents ebenso wie die aufmerksame Beachtung aktueller Entwicklungen.
Mittelamerika mit Karibik (Wikipedia)



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Hauptsprachen in Lateinamerika:
Grün: Spanisch; Ocker: Portugiesisch;
Blau: Französisch; Grau: Englisch
(Wikipedia.en)










Lektüre und Weiterarbeit:
Gustavo Gutierrez: Von Medellín
nach Aparecida (2007).
Zusammenstellung von Artikeln  zu "50 Jahre
- lateinamerikanische Bischofskonferenz
in Medellín". Lima 2018, 190 S.





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Weiteres:


Leonardo BOFF (geb. 1938)
Ernesto CARDENAL (geb. 1925)


Pedro CASALDÁLIGA (geb. 1928) 
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  • DELGADO, Mariano: Hunger und Durst nach Gerechtigkeit. 
    Das Christentum des Bartolomé de las Casas.

    Freiburg (CH): Kanisius 2001
  • FORNET-BETANCOURT, Raúl:
    Lateinamerikanische Philosophie
    im Kontext der Weltphilosophie. 
    Interkulturelle Bibliothek,
    Bd. 52. Nordhausen:
    Bautz 2005, 131 S.
  • FABER, Gustav:
    Auf den Spuren
    von Christoph Kolumbus.

    München: List 1987, 280 S., Abb., 
    Namen- und Ortsregister
  • GEWECKE, Frauke:
    Wie die neue Welt
    in die alte kam.
    München:
    dtv 4568, 1992, 315 S. + Abb.
      
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Gustavo GUTIERREZ (geb. 1928)
Erwin KRÄUTLER (geb. 1939)


Jon SOBRINO (geb. 1938)
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Religiöser Pluralismus und Option für die Armen
  • VIGIL, José María: Teología del pluralismo religioso. Curso sistemático de teología popular. Quito (Ecuador): Abya Yala 2005 
  • Deutsch: Theologie des religiösen Pluralismus. Eine lateinamerikanische Perspektive. Hg.: Ulrich Winkler / Übersetzung: Helene Büchel / Mitarbeit: Reinhard Kirste.
    Innsbruck-Wien: Tyrolia 2013, 492 S.
  • Der mit den Erniedrigten solidarische Gott -
    zu einem Beitrag von Juan José Tamayo
    (Reinhard Kirste in: Dokumentationen und Diskurse, August 2019)






Dienstag, 27. August 2019

Religiöser Pluralismus und Gleichwertigkeit der Religionen: Thesen - Texte - Literatur (aktualisiert)


Begegnung mit anderen Religionen. Theologische Voraussetzungen: 
  Wahrheit des Glaubens
und Offenbarung zum Heil 
auf unterschiedlichen Wegen

Thesen von Reinhard Kirste 
Im katholischen Raum fand man viele Jahrhunderte die 
exklusivistische
 Position ("außerhalb der Kirche ist kein Heil"),
der man die protestantische Variante zuordnen kann:
"Außerhalb des Christentums ist kein Heil".
Diese wird unter missionarischer Perspektive teilweise immer noch
 – wenn auch nicht mehr so offenkundig
unter post-kolonialen Bedingungen – gepflegt.

Alle inklusivistischen Positionen favorisieren letztlich
 ein christlich höheres Verständnis gegenüber anderen
Glaubensweisen (so z.B. trotz ihrer dialogischen Offenheit
 Hans Küng und Walter J. Hollenweger).
Andere Religionen haben nicht den vollen Zugang zur Heilswahrheit.
Karl Rahners Ausspruch von den  
anonymen Christen
in anderen Religionen ist ebenso berühmt wie problematisch.
Christologische Engführungen im Sinne der Verbindlichkeit auch für andere Glaubensweisen scheinen das wirkliche Handicap
der inklusivistischen Positionen zu sein,
 wie zurückhaltend sie sich auch immer artikulieren
(„strenger“ oder „milder“ Inklusivismus).
Die Höherwertigkeit des Christentums im Blick auf das Heil bleibt bindend,
weil sonst die anderen Christus, sein Kreuz und seine Auferstehung
im Sinne einer Heilskonzeption nicht bräuchten.
Der amerikanische Theologe Paul Knitter
zeigt in diesem Zusammenhang auf, dass im Inklusivismus,
die eigene Religion doch die Beste ist.
Er nennt dies darum eine
 partikularistische 
Position
--- zuletzt in einem Vortrag über:
Interreligiöser Dialog: Bleibende Differenz oder kreatives Potenzial, Münster 03.02.2014.
 

Theologien des religiösen Pluralismus, also religionspluralistische Positionen,
versuchen dagegen jeder Glaubensweise ihr Recht zu lassen und sie als eigenständigen Weg zum Heil anzuerkennen.
Der bedeutendste Vorreiter dieser Konzeptionen ist
der englische Theologe und Religionsphilosoph 
John Hick (1922-2012).
Der Theologe und Religionspädagoge Paul Schwarzenau (1923-2006)
hat das so formuliert:
Alle Religionen bedürfen einander,
nicht nur in ihren Gemeinsamkeiten,
sondern gerade auch in ihren Unterschieden,
durch die sie einander ergänzen.
Wir sollen in der eigenen Religion daheim
und in der anderen Gäste sein,
Gäste, nicht Fremde

Der auf diese Weise geführte interreligiöse Dialog will
also die Fremdheit abbauen und durch Begegnung
Gemeinsamkeiten und Unterschiede durchaus klärend hervorheben,
Differenzen aber nicht als Hindernis auf den unterschiedlichen Heilswegen ansehen. Außerdem geschieht Begegnung immer zwischen Menschen. Ihr Verhalten ist dabei oft ein genauerer Anzeiger ihres Glaubens
als ihre Theologie oder Philosophie.
Je unbeweglicher dogmatische Positionen dabei festgehalten werden,
umso gefährdeter ist eine friedvolle Begegnung
und ein unvoreingenommenes Religionsgespräch.

Religionspluralistische Positionen sind darum als Foren zu verstehen,
nicht im Sinne religiöser Beliebigkeit, sondern um Grenzüberschreitungen
zu ermöglichen und so gegenseitige Bereicherung zu erfahren.
Es soll also intensiv versucht werden, das Bewusstsein von Toleranz
und Versöhnung zwischen den Religionen umfassend zu fördern
und auf diese Weise auch dem Frieden in der Gesellschaft zu dienen.


Dazu können die folgenden Thesen Orientierung bieten:
  • Dialog kann nur sinnvoll zwischen gleichwertigen Partnerinnen und Partnern geschehen.
    Es geht nicht um Gleich-Artigkeit, sondern um 

    prinzipielle Gleich-Wertigkeit
     
    gerade angesichts
    unterschiedlicher Glaubensverständnisse und Denkvoraussetzungen.
  • Absolutheitsansprüche einzelner Religionen (wie auch des Christentums) dürfen sich nur auf die Verbindlichkeit des eigenen Glaubens beziehen. Das erlaubt kein noch so verdecktes inklusives Denken, das die anderen religiösen Traditionen in irgendeiner Form als minder-wertig einstuft. Es erlaubt aber auch kein inklusives Vereinnahmen („anonyme“ Christen, Buddhisten, Muslime usw.).
  • Das Missionsverständnis (besonders des christlichen Glaubens) ist im Sinne eines persönlichen Zeugnisses und Engagements zu interpretieren, ohne dabei die anderen zur eigenen Glaubensweise bekehren zu wollen.
  • Die verschiedenen Religionen drücken nicht endgültige Wahrheit aus. Sie sind sprachliche, rituelle und spirituelle Annäherungen an das Transzendente. Ihre Aussagen sind vorläufig und bleiben revisionsbedürftig.
  • Religionen sind eingebunden in vielfältige Kulturen und differierende Denkweisen. Sie sind darum als unterschiedliche Wege zum Heil zu verstehen.
  • In einer globalisierten Welt kann keine Religion mehr für sich leben, sondern nur in Beziehung mit anderen. Interreligiöse Begegnung ist darum Herausforderung und Bereicherung zugleich, m.a.W. die anderen religiösen Anschauungen sind notwendig im Sinne der Komplementarität als des ergänzenden Verstehens durch den Anderen.

Vielfalt und Gleichwertigkeit der Religionen
(Zum Lesen auf die Überschriften klicken / To read - click on the headlines ) 




Rückseite des Buches von Gnana Robinson (ed.): Unite to Serve.
Kanyakumari Peace Trust 2002


Denis Diderot
von Dimitry Levitzky, 1773/74 (Wikipedia.fr)



Eine Mahnung des Aufklärers
Denis Diderot (1713-1784):

Von der Philosophie zur Gottlosigkeit ist es eben so weit wie von der Religion zum Fanatismus, aber vom Fanatismus zur  
 Barbarei ist es nur ein Schritt. 


      Papst Franziskus, 2015
      (Wikipedia)
      Papst Franziskus:  
      Absage an Gewalt und  Fundamentalismus 
      Es ist nicht wahr und auch nicht zutreffend über den Islam [zu sagen], dass er Terrorismus ist ... Wenn ich über islamische Gewalt reden muss, muss ich auch über katholische Gewalt reden. In fast allen Religionen gibt es immer eine kleine Gruppe Fundamentalisten. Wir haben sie auch ... Wie viele von den jungen Europäern haben wir ohne Ideal, ohne Arbeit  allein gelassen?  ...



      Antwort von Papst Franziskus am Sonntag 31. Juli 2016 im Flugzeug, das ihn nach Krakau zum Weltjugendtag brachte. Er sagte dies, nachdem er zur Ermordung des Priesters Jacques Hamel in der Kirche von Saint-Étienne-du-Rouvray (bei Rouen) befragt wurde.

      • Papst Franziskus und der interreligiöse Dialog:
        Harold Kasimow / Alan Race (Eds.):

        Pope Francis and Interreligious Dialogue

        Religious Thinkers Engag
        e with Recent Papal Initiatives

        Basingstoke (UK): Palgrave Macmillan 
        2018, XXVII, 348 pp





      relpäd/Relplur-Thesen, zuletzt aktualisiert, 23.05.2017