Donnerstag, 25. Dezember 2014

Meditieren mit Nik(o)laus von Flüe

Die Bauernfamilie Scheidtweiler empfand ihr Leben als  besonders von Segen erfüllt.  Dafür wollten sie danken. So entstand die Idee, auf dem eigenen Feld in Wachendorf einen Ort der Besinnung und des Gebets zu bauen.
Im Mai 2007 wurde die von den berühmten Schweizer Architekten Peter Zumthor entworfene fünfeckige Bruder-Klaus-Kapelle eingeweiht. Sie erinnert an Nik(o)laus von Flüe (1417-1487): Bauer, Familienvater, Richter, Ratsherr und Friedensstifter. Er lebte die letzten 20 Jahre als Einsiedler in den Bergen in der Nähe des Vierwaldstätter Sees. Aus der Kraft seines intensiven Gottesbewusstseins bewahrte er die Schweizer Kantone 1481 vor einem Bürgerkrieg.
Diesem beeindruckenden Gottespilger zur Erinnerung ist die dem Himmelslicht entgegenstrebende Kapelle errichtet. Sie wurde mit Hilfe von Fichtenstämmen und gestampften Beton zu einem in die Höhe strebenden Raum. Durch die Schalung  entstanden 350 runde Öffnungen, die  technisch notwendig waren und dann mit mundgeblasenem Glas verschlossen wurden. Der Lichteinfall erzeugt helle Sternenpunkte. Eine kurze Bank zur Meditation und brennende Kerzen lassen an das Wort des Hebräerbriefs (4,9) erinnern: 
Es ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes.
Die Skulptur auf einer Vierkantsäule zeigt Bruder Klaus. Sein Radzeichen symbolisiert die Einheit in der Dreiheit Gottes, und spirituell geweitet kann man sogar die drei monotheistischen Religionen erahnen.
Dieser schöne und schlichte Raum fasziniert. Es lohnt sich, hier länger zu schauen und die mystischen Wirkungen zu erspüren. So lässt dieser Ort als Friedenskapelle die Erfahrungen vieler spirituell Suchender zusammenklingen:

Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.



Die Kapelle von Bruder Klaus - Annäherung zu Fuß - 1,3 km
 
Schatten des Kreuzes






Sternen-Lichter





Glaspfropfen












Himmels-Öffnung
Stilles Leuchten


Das sechs-speichige Lebens-Lenk-Rad von Bruder Klaus





Bruder-Klaus (mit Reliquie)




STILLE-Bank





Aus-Gang


Eremitage mit fünf Wänden



Ahnung zwischen Himmel und Erde


Mittwoch, 23. Juli 2014

Interreligiöse Horizonte der Weltreligionen - mit Beispielen aus Christentum, Buddhismus und Taoismus

In diesem Seminar an der TU Dortmund (Sommersemester 2014) wurde interreligiöse Offenheit anhand von Originaltexten der genannten Religionen und Beispielen religionspluralistischer Theologien im Blick auf andere Denkweisen angesprochen.

Seminarprogramm (Planung)




1. Einführung -
Voraussetzungen interreligiösen Verstehens

 Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir!
Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.
Angelus Silesius (1624-1677)
--- Reinhard Kirste: Thesen zum religiösen Pluralismus

--- Satirische Auseinandersetzung mit einem Fundamentalismus,
    der die Bibel in jeder Hinsicht wörtlich nimmt: Letter to Dr. Laura


 2. Interreligiöse Ansätze im AT

Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. 
Prediger Salomo (Kohelet) 4,6

3. Interreligiöse Ansätze im  NT
Wunderbar, wenn das Herz sich festigt.
Bejahende Zuwendung lässt dies geschehen.
Hebräer 13,9b
--- Rezension von Oscar Brenifier/ Jacques Després:  
     Was, wenn Gott einer, keiner oder viele ist?
--- Heilung jenseits der Grenzen: Mk 6,30-52; 7,24-30; Joh 4,1-41 (ICT 18, S. 39-40)
--- Thematisches Protokoll: Religiöse Grenzüberschreitungen


4. Johannes interreligiös / Kirchen und Dialog
Bei dir ist die Quelle des Lebens, 
und in deinem Lichte sehen wir das Licht. 
Psalm 36,10

5. Religiöser Pluralismus
als Herausforderung für Kirche und Theologie

Tao erzeugt Eins, Eins erzeugt Zwei, Zwei erzeugt Drei,
Drei erzeugt alle Wesen.
Alle Wesen tragen das ruhende Yin und umfassen das bewegende Yan.
Der vermittelnde Lebensodem bewirkt die harmonische Vereinigung.
Tao Te King Nr. 42 (Zürich: Manesse 1959, S. 114, Hg.W.Y. Tonn)


6. Religiöse Offenheit im Buddhismus:
Grundlagen und der Buddha als Beispiel



--- Kleine Einführung in den Buddhismus


7. Interreligiöse Ansätze
im japanischen Buddhismus: Das Lotos-Sutra

Weilt man in der Einsamkeit und übt sich darin, seinen Geist zu sammeln,
verweilt ruhig und ohne sich zu bewegen wie der Berg Sumeru,
dann betrachtet man alle Daseinsfaktoren als ohne Existenz,
ganz wie der Luftraum, ohne Festigkeit,
ungeboren, unentstanden, unbeweglich, unumkehrbar,
allzeit verweilend in einer einzigen Form -
dies nennt man den Ort, dem man sich nähern soll.
Das Lotos-Sutra. Übersetzt von Max Deeg. 
Darmstadt: WBG 2007, S. 2013 (5. Rolle, 14. Kap.)

Ergänzungen zum Vortrag von Yoshiharo Matsuno
Informationen zum Lotos-Sutra

8. Buddhistische Texte - Kleines und Großes Fahrzeug
Besser als hundert Jahre zu leben, ohne das Todlose zu sehen,
ist ein einziger Tag des Erkennens, was jenseits ist von Leben und Tod.
Dhammapada. Die Weisheitslehren des Buddha.
Freiburg: Herder spektrum 5601, 2005, Kap. 8, S. 46

Nachträge zum Lotos-Sutra und weitere buddhistische Texte
9. Buddhistische Texte: Dhammapadam, Felsenedikte, Dalai Lama  
Jene, die den Weg der Achtsamkeit gehen, haften nicht an Orten, Menschen, Dingen,
wie Schwäne erheben sie sich vom See, lassen Orte, Menschen, Dinge los.
Dhammapada, aaO Kap. 7, S. 41 

Bücher des Dalai Lama XIV.
--- Politik und Religion - Zitate und Überlegungen
--- Bücher zur Lebensphilosophie
--- Das Auge der Weisheit. 
     Grundzüge des Buddhismus für westliche Leser
(1982, 3. Aufl.)


10. Begegnung mit China:
Interreligiöse Offenheit im Taoismus
- Tao Te King (Dau De Dsching) und I Ging

Nur in der Nacht sieht man die Sterne.
Afrikanisches Sprichwort

I Ging: Kreis, Achteck,
Hexagramme, Schriftzeichen

11. Meditativer Campusgang 
mit Marc-André Beyersdorff, Ann-Christin Bultmann und Elke Jouvenal 

Thema: Geh deinen Weg (mit 6 Stationen)
Kleine Fotogalerie: hier
1. Schau auf deinen Weg
2. Regenbogenweg
3. Springbrunnen
4. Unser Leben ist ein Weg
5. Station der Hochbahn: Der Weg zum Himmel?
6. Ankommen


12. Nachträge: Campusgang / Begegnung mit China (s. Texte unter Nr. 10)

Wer andre kennt, ist klug,
Wer sich selbst kennt, ist weise.
Wer andere besiegt, hat Kraft,
Wer sich selbst besiegt, ist stark.
Wer sich durchsetzt, hat Willen.
Wer sich genügen lässt, ist reich.
Wer seinen Platz nicht verliert, hat Dauer.
Wer auch im Tode nicht untergeht, lebt.
Laotse: Das Buch vom Sinn und Leben. Tao Te-King.
Wiesbaden: Marix 2010, 4. Aufl., aaO Nr. 33, S. 98


13. Weltethos und BrückenbauerInnen der Religionen
Des Himmels Sinn ist segnen, ohne zu schaden,
des Berufenen Sinn ist wirken, ohne zu streiten
Laotse, aaO Nr. 81, S. 150

14. BrückenbauerInnen der Religionen
Verborgenes Leben ist tief, weitreichend,
anders als alle Dinge,
aber zuletzt bewirkt es das große Gelingen.
Laotse, aaO Nr. 65, S. 134

Materialien (zum Download)


--- Interreligiöse Arbeitsstelle (INTR°A)
--- Materialpool von rpi-virtuell


Weitere Literaturhinweise für die Besprechung im Seminar: 
  • Oscar BRENIFIER / Jacques DESPRÉS:
    Was, wenn Gott einer, keiner oder viele ist?
    Aus dem Französischen von Anja Kootz und Tobias Scheffel. 
    Stuttgart/Wien: Gabriel (Thienemann 2013) --- Rezension: hier
  • Reinhard KIRSTE: Interreligiöse Zeit-Gedanken (Kurz-Info zum E-Book)
  • Reinhard KIRSTE: Liebe aus christlich-biblischer Sicht. In: Philipp Thull / Hamid Reza Yousefi (Hg.):
    Interreligiöse Toleranz. Von der Notwendigkeit des christlich-islamischen Dialogs.
    Darmstadt: WBG 2014, S. 103-111
  • Johannes LÄHNEMANN, Johannes / RELIGIONEN FÜR DEN FRIEDEN NÜRNBERG /  RELIGIONS FOR PEACE:Spiritualität multireligiös. Begegnung der Religionen in Gebeten, Besinnungen, Liedern.
    Berlin: EB-Verlag 2014 --- Rezension: hier ---
  • Ming-huei LEE: Konfuzianischer Humanismus. Transkulturelle Kontexte
    Bielefeld. Transcript 2013 --- Rezension hier ---
  • Stephan LEIMGRUBER: Unser Gott - Euer Gott?
    Christentum und Weltreligionen. Studiengang Theologie, Band XII.
    Zürich: Edition NZN bei TVZ 2014
  • Barbara LUKOSCHEK: Ethik der Befreiung.
    Engagierter Buddhismus und Befreiungstheologie im Dialog (Rezension).

    Beiträge zur Komparativen Theologie, Bd. 16. Paderborn: Schöningh 2013 
  • Johannes MARBÖCK: Faszination Bibel. Theologie im kulturellen Dialog, Bd. 27.
    Innsbruck-Wien: Tyrolia 2014 --- Rezension hier ---




 

Samstag, 28. Juni 2014

Geh deinen Weg! - Meditativer Campusgang an der TU Dortmund

Im Rahmen des Seminars "Interreligiöse Horizonte der Weltreligionen" unternahmen Studierende im Juni 2014 einen meditativen  GEDANKEN - GANG 
zu einigen Orten auf dem Campus.
Das Thema "Geh deinen Weg!" wurde in 6 Stationen "beschritten".

1. Station: Schau auf deinen Weg!

Das Wege-Labyrinth im Forum der Anglistik



Verliere deine Seele nicht!


2. Station: Regenbogenweg

Spektralfarben-Ringe



3. Station: Springbrunnen

Bewegung des Wassers - LEBENSKREISE


4. Station: Unser Leben ist ein Weg

ErFAHRungen in der Hoch-Bahn


5.  Station: Der Weg zum Himmel?

Im Raum der Stille

6. Station: Ankommen

Das "Ankommen" auf der Wiese vorbereiten



Angekommen!