Samstag, 24. März 2018

IRB: Bücher und Zeitschriften - Interreligiöser Dialog - interreligiöses Lernen (aktualisiert)

INTERRELIGIÖSER DIALOG und
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Interreligiös orientierte Zeitschriften

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Sonntag, 11. März 2018

Sri Ramakrishna (1836 - 1886) - gelebte Heiligkeit

Cover der Ausgabe: Boston & London:
Shambhala 1992, XVII, 314 pp., index
Der aus Bengalen stammende Ramakrishna eigentlich: Ramakrishna Chattopadhyay,
(18.02.1836  -
 16.08.1886) ist einer der bedeutendsten indischer Mystiker. Er erhielt den Ehrentitel "Paramahansa ( = "oberster Schwan".
"Bereits in seiner Kindheit berichtete Ramakrishna von spirituellen Visionen. Er wurde mit sechzehn Jahren von seiner Familie zum Geldverdienen zu seinem Bruder Ramkumar nach Kolkata gesandt, der dort als Priester tätig war und eine Sanskrit-Schule betrieb. Ramakrishnas Hingabe bei der Versenkung in die Anbetung der Götter war auffällig und ungewöhnlich. Er begnügte sich nicht damit, Mantren zu rezitieren, sondern soll die Gegenwart der Göttin gespürt und sie so lange angebetet haben, bis sie sich ihm offenbarte. Dem Geldverdienen gegenüber zeigte er eine völlige Abneigung. Durch besondere Umstände wurde er schließlich Priester im Tempelkomplex von Dakshineshwar am Ganges, einem nördlichen Vorort von Kolkata. Dort gab es zwölf Shiva-Tempel, einen Radha-Kanta-Tempel (Krishna und Radha gewidmet) und als Haupttempel den Kali-Tempel. Kali wird dort als Retterin der Welt (Bhavatarina) verehrt. Ramakrishna wurde Priester des Kali-Tempels und widmete sich mit charakteristischem Eifer seiner Aufgabe. Damit begann für ihn eine intensive spirituelle Suche." (Wikipedia)


Ergänzungen älterer Titel:
  • Solange LeMaître: Ramakrischna mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten.
    rororo Bildmonograpien 60.
    Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1963 u.ö., 185 S., Abb., Register
  • Marc de Medt: Ramakrishna, un sage en Inde.
    Paris: Le Courrier du Livre 1994, 190 pp.
  • Martin Kämpchen (Übers., Einl. aus dem Bengalischen):
    Sri Ramakrishna. Ein Werkzeug Gottes sein.
    Gespräche mit Schülern. Zürich: Benziger 1988, 213 S.
  • Hans-Peter Müller: Die Ramakrishna-Bewegung. Studien zu ihrer Entstehung, Verbreitung und Gestalt. Missionswissenschaftliche Forschungen, Bd. 18.
    Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1986, 286 S.
  • Carl. T. Jackson: Vedanta for the West. The Ramakrishna Movement in the United States. Blomington & Indianapolis (USA): Indiana Univ. Press 1994, 185 pp., index

Buchbesprechung
Ramakrishna: Leben und Gleichnis.
Die Botschaft des größten indischen Heiligen.
Auswahl und Übersetzung der Texte:
Ursula von Mangoldt.
Bern u.a.: Scherz (für O.W. Barth)
1979, 3. Aufl., 145 S.


In diesem Buch hat die Meditationslehrerin Ursula von Mangoldt (1904 - 1987) Texte des berühmten indischen Philosophen und Heiligen Ramakrishna (1836-1886) zusammengestellt. Sie beziehen sich auf das Verhältnis Gott – Mensch im Sinne von Wirken und Bewirktwerden. Gott ist dabei der Wirkende. Das Ich (Maya genannt) steht diesem Wirken Gottes faktisch im Wege, weil es nicht von vornherein auf die Wirkgnade eingestellt ist. Der Seelenführer, der Guru, weiß um diese Problematik. Er hat erfahren, dass das Ich in ihm selbst getötet wurde. Darum ist er frei. Er kann dem Suchenden die dunkle Wolke
des Ich-Bewusstseins wegziehen und ihn
damit in das strahlende Licht Gottes führen.


Von der Unwissenheit zur Erkenntnis
Letztlich kommt der Mensch jedoch zu sich selbst, wenn er des Unendlichen ansichtig wird. Da nun Gott in allem wirkt, aber unterschiedlich stark und an unterschiedlichen Orten, muss der Weg von der Unwissenheit zum Wissen gehen. Auch die falschen Mächte müssen durchschaut werden.
Wenn aber ein Mensch zur vollkommenen Erkenntnis durchdringt, wird er in der Vielfältigkeit das eine göttliche Bewusstsein erkennen. Göttliches Bewusstsein und Weltall lassen sich in diesem Zusammenhang nicht mehr trennen; der Mensch taucht vielmehr darin ein, und die Subjekt-Objekt-Spaltung löst sich auf. Da aber die Macht, mit der sich das göttliche Bewusstsein offenbart, einmal groß und das andere Mal klein ist, bedarf es einer intensiven Lebensführung, die sich auf solche ungewöhnlichen Erkenntnisse einstellt. Dazu gehört innerer Verzicht.
Die Erfahrung der Freiheit
Die Hingabe an Gottes Willen führt plötzlich oder schlussendlich in die Befreiung. "Befreiung wird nur dem zuteil, der Gott gefunden hat. Ein gekochtes Reiskorn keimt nicht mehr. Der im Feuer der Erkenntnis 'Gekochte' kann am Weltspiel nicht mehr teilnehmen." (aaO S.72)
Zum Verständnis einer solchen Lebensentwicklung, die über viele Wandelbarkeiten führt, legt Ramakrishna Geschichten vor. Er spricht dort auch die Möglichkeiten der mehrfachen Wiedergeburt an. Sie führt schließllich zu einem führt, das eigentlich kein lokales Jenseits ist, sondern eine unendliche Sphäre.
Der Heilige Narada erlebt angesichts der faktischen Lebensschwierigkeiten im Alltag Hindernisse auf dem Wege zur Befreiung.  In tiefer Demut nähert er sich dem  wahres Gottesverständnis an – es ist eine Gotteserkenntnis durch schlichtes Gedenken:
Narada - oder die Schwierigkeiten, Gottes zu gedenken
Eines Tages schlich sich Eitelkeit in das Herz des göttlichen Weisen Narada ein, und er meinte, es gäbe keinen, der frömmer sei als er. Vishnu, der Gott, der seine Gedanken las, sprach zu ihm „Narada, gehe dorthin, wo ein Verehrer von mir lebt, und suche Narada machte sich auf den Weg früh am Morgen aufstand, einmal auf das Feld ging, den Boden einmal den Namen Hari und ging dann zu Bett.
Wie kann ein solcher Bauer ein Liebhaber Gottes genannt werden, dachte Narada bei sich. Er ist tief in weltliche Dinge verstrickt, und es fehlt ihm jedes Zeichen der Frömmigkeit.
Als er wieder zu Vishnu zurückkam, berichtete er von seiner neuen Bekanntschaft. Der Herr aber befahl ihm, eine Schale mit Öl, bis zum Rande gefüllt, um die Stadt herum zutragen und sie wieder zurückzubringen, ohne auch nur einen Tropfen zu verschütten.
Narada tat, wie ihm befohlen. Bei seiner Rückkehr fragte ihn der Herr: „Nun, Narada, wie oft hast du dich auf dem Weg meiner erinnert?“
„Nicht ein Ma“', gab Narada zur Antwort.“Wie hätte ich dies tun können, nachdem ich alle Aufmerksamkeit auf die Schale richtete, die fast überlief?“
Da sprach der Herr „Diese eine Schale mit Öl hat deine Aufmerksamkeit so sehr abgelenkt, dass selbst du mich vollkommen vergessen hast. Nun denke an den Bauern, der trotz seiner schweren Pflichten zweimal des Tages meiner gedachte“ (aaO S. 74.)
Diese Geschichten aus dem Leben Ramakrishnas, die Begegnung mit seinem Schüler Vivekananda, der durch das Parlament der Weltreligionen in Chicago 1893 berühmt wurde und die scheinbar so einfachen und doch tiefsinnigen Gottesgleichnisse machen dieses Buch zu einer Ermutigung, Gott in anderen Religionen zu begegnen.
Reinhard Kirste
Rz-Ramakrishna, bearb. 11.03.2018 , Vorfassung ICT 5 (1995), S. 8



Freitag, 2. März 2018

Georgien - Faszination zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus (aktualisiert)

Georgien im politischen Zusammenhang (Wikipedia)
Andrei Miron / Winfried Orthmann (Hg.):
Katalog zur Ausstellung 1995 in Saarbrücken
Das Land am Kaukasus gehört zu den bedeutendsten kulturellen Regionen - gerade was die Geschichte im Spannungsfeld von Europa und Asien betrifft. Schon in der Antike ist hier das Goldene Vlies "beheimatet".  

Archäologische Funde zeigen Reste beeindruckender Kulturen vom Neolithikum  bis zum antiken Königreich Kolchis und dem spätmittelalterlichen Kartli.

Die Georgische Orthodoxe Kirche gehört zu den ältesten orientalischen Kirchen des gesamten Mittelmeerraumes. 
So ist es nur zu begrüßen, dass im Jahre 2018 Georgien Ehrengast der
Frankfurter Buchmesse sein
wird.

Am letzten Messetag im Oktober 2017 fand traditionell die Übergabe statt.
Frankreich gab die Stafette an Georgien weiter.
Pressemitteilung: hier



Welche Fülle dieses schöne Kaukasusland präsentieren
kann, mögen einige geschichtliche und
kulturell-religiöse Einblicke verdeutlichen.


Orthodoxe Kirche und Religion in Georgien (georgienseite.de)

Die Kirche Georgiens im Kontext der orientalischen Kirchen: hier
  • Informativ und übersichtlich zeigt sich die Einführung in die Kirche Georgiens durch: Lothar Heiser:
    Die Georgisch Orthodoxe Kirche und ihr Glaubenszeugnis.
    Trier: Paulinus 1989, 246 S., Abb.
  • National Geographic - Special Issue:
    Georgia. Tradition, modernity and hospitality:
    the Caucasus at its best.

    Tblissi (Tiflis): Ministry of Economy
    and Sustainable Development of Georgia 2017
  • Eine weitere Besonderheit:
    Die georgische Schrift (Wikipedia)
  • Zum Werden Georgiens als Nation:
    Akaki Bakradse: Ilia Tschawtschawadse (1837-1907). Eine Biographie.
    Hg. / Übers.: Lascha Bakradse. Tiflis: Pegasus 2008, 118 S., Abb.
National Geographic: Georgia (Rückseite)



Konfuzius und der Konfuzianismus (aktualisiert)

Konfuzius-Statue,
Gärten der Welt, Berlin-Marzahn

Neben dem Taoismus/Daoismus und dem Buddhismus ist der Konfuzianismus die bedeutendste philosophische Lebensdeutung und Welt-Anschauung in China.

Die Einsichten des Konfuzius/Kungfutse (ca. 551-449 v. Chr.) in Gesprächen mit seinen Jüngern, die sog. Analekten  haben die Weltgeschichte in ihrem Normen- und Werteverständnis wesentlich beeinflusst und prägen das chinesische Denken bis heute.
Man kann darüber streiten, ob der Konfuzianismus im westlichen Sinne als eine Religion oder mehr als eine ausgefeilte Lebensorientierung zu vestehen ist.
Vgl.:  Tilman Spengler:
Ein jeder an seinem Platz.

Ist der Konfuzianismus eine Religion?

(Die Zeit online, 23.03.2007)



Cover des Buches: Frederking & Thaler 2003 

Zur Geschichte Chinas
im Kontext des Konfuzianismus
 als ethischer und politischer Philosophie

 Chinesische Feste - Übersicht und Beschreibungen


Japanischer Konfuzianismus
Kiri Paramore: Japanese Confucianism.
A Cultural History.New Approaches to Asian History.
Cambridge, MA (USA): Cambridge University Press   2016, 249 pp.

Rezension: hier
Zugang zu den Quellen
  • Kungfutse: Gespräche. Aus dem Chinesischen übertragen und hg. von Richard Wilhelm.
    Diederichs Gelbe Reihe. Kreuzlingen/München: Hugendubel 2008
  • Jonathan Clements: Confucius. A Biography.
    Thrupp, Stroud (Gloucestershire, UK): Sutton 2004
  • Gregor Paul: Konfuzius. Meister der Spiritualität.
    Herder spektrum 5069. Freiburg u.a.: Herder 2001

Weitere Literatur


  • Joseph A. ADLER. Chinesische Religionen
    (Rezension).
     
    Freiburg u.a.: Herder spektrum 5863, 2007
  • Pan Chui Lai / Jason Lam: A Sino-Christian Theology
    A Theological Qua Cultural Movement in Contemporary China

    Reihe: 

  • James A. Flath: Traces of the Sage. Monument, Materiallity, and the First Temple of Confucius. Honolulu (USA): University of Hawai'i Press 2016, 290 pp., illustr. --- Rezension: hier
  • David S. Nivison: The ways of Confucianism. Investigations in Chinese Philosophy.
    Chicago / La Salle (Illinois): Open Court 1996 
  • Bryan van Norden (ed.): Confucius and the Analacts. New Essays.
    Oxford (USA / UK): Oxford Univ. Press 2002
  • Thierry Meynard, SJ: The Jesuit Reading of Confucius.
    The First Complete Translation of the Lunyu (1687) published in the West
    Leiden: Brill 2015 --- Information mit Inhaltsangabe ---
  • Shaoping Gan:
    Die chinesische Philosophie.
    Die wichtigsten Philosophen, Werke, Schulen und Begriffe.

    Darmstadt: WBG 1997, S. 46-67,
    Schaubild = S. 54

  • Junhua Zhang: Die schwierige Geburt der Freiheit.
    Eine vergleichende Betrachtung des chinesischen Freiheitsverständnisses
    vor dem Hintergund der französischen und chinesischen Aufklärung.

    Europäische Hochschulschriften, Reihe XXXI, Vol. 448. Frankfurt/M. u.a.: P. Lang 2001

 

Die Seidenstraße - Buddhismus zwischen Indien, Zentralasien, China und Japan (aktualisiert)

Cover des Ausstellungskatalogs 1992
Der Buddhismus entstand  als Reform-Hinduismus  sehr wahrscheinlich im 5. Jh. v. Chr. in Indien.

Sehr bald verbreitete sich diese neue Religion über die Handelsrouten (die "Seidenstraße") sowohl nach Westen wie nach Osten. Die Entwicklung in China spielt dabei eine Schlüsselrolle bei der Weiterentwicklung des Mahayana-Buddhismus.
Auch Japan entwickelte besondere Formen des  aus China "eingewanderten" Buddhismus. Hier spielt die Wertschätzung des Lotos-Sutra eine erhebliche Rolle. Das gilt zum einen für den meditativ geprägten
Zen-Buddhismus, der aus China einwanderte (Chan-Buddhismus) und auch im Westen populär wurde.
  • Hermann-Josef Frisch: Die Welt des Buddhismus. Von Indien bis Japan. Darmstadt: Theiss (WBG) 2016, 208 S., Abb., Karten --- Rezension: hier
  •  Indien und China - Begegnungen auf der Seidenstraße 
    (Indienwelt, abgerufen 28.02.2018)
  • Werner Engelmann u.a. (Hg.): Kunst des Buddhismus entlang der Seidenstraße  Eine Ausstellung der Stadt Rosenheim und des Staatlichen Museums für Völkerkunde München in Zusammenarbeit mit der Dresdner Bank.  München: Knürr 1992, 315 S., Abb.
  • Jean-Pierre Drège (Text) / Emil M. Bührer (Konzeption und Gestaltung): Seidenstrasse.
    Deutschsprachige Ausgabe: Köln: vgs 1986, 287 S., Abb., Karten, Zeittafel
  • Mazu Daoyi /Dazhu Huihai:
    Grundlegende Reden und Aufzeichnungen des Chan-Buddhismus. (Zen-Buddhismus)
    Berlin: Verlag der Weltreligionen 2011 --- Inhalt und Leseprobe
    Zum Vergrößern auf die Bilder klicken !
    Aus dem Flyer der Ausstellung (Wien und Wolfenbüttel, Frühjahr 2000):
    Buddhistische Manuskripte der Großen Seidenstraße.
    Das Lotos-Sutra und seine Welt
      Lotos-Sutra (Sanskrit) - National-Archiv Indien
    Zum anderen hat im Rahmen des Shin-Buddhismus (Nichiren-Buddhismus) der Amida-Buddhismus ein Gnadenverständnis entwickelt, das an protestantische Glaubensformen und die lutherische Rechtfertigungslehre erinnert. 
    Schließlich gibt es noch eine ganze Reihe esoterischer Typen, die teilweise Elemente der ursprünglichen Religionen Japans aufgenommen haben.

    Der Nichiren-Buddhismus ist die Basis für die nicht nur in Japan,
    sondern weltweit tätige laienbuddhistische Organisation 
    Soka Gakkai (SGI).

    CC