Dienstag, 28. November 2017

Khalil Gibran - Poet zwischen Orient und Okzident (aktualisiert)

  

Selbstporträt 1911
(wikipedia.en)
Der aus dem Libanon stammende
Khalil Gibran (1883-1931) gehört zu
den großen Persönlichkeiten, die Goethes
Ausspruch im West-östlichen Divan 
(Nachtrag 1825/26) bewusst gelebt haben:

                     Wer sich selbst und andre kennt, 
                     wird auch hier erkennen,
                     Orient und Occident
                     sind nicht mehr zu trennen.
                     Sinnig zwischen beiden Welten 
                     sich zu wiegen, lass ich gelten;  
                     also zwischen Ost und Westen
                     sich bewegen sei's zum Besten.


Den meisten fällt beim Namen Gibran sein berühmtes Werk "Der Prophet" ein, das 1923 in New York zum ersten Mal erschien und schnell zu einem weltweiten Kultbuch wurde. Die Auflagen in vielen Sprachen zeigen an, ,wie umfangreich und existentiel intensiv das Werk dieses Dichters ist.
Auch als Maler hinterließ er bleibende Eindrücke.  Durch sein Leben zwischen der Levante, Europa und Amerika, durch seine Poesie, seine vielen Aphorismen und unnachahmlichen Erzählungen ist er ein wichtiger Brückenbauer auch zwischen den Religionen geworden. Man denke hier nur an sein Jesus-Buch:
  • Jesus Menschensohn. Seine Worte und Taten,
    berichtet von Menschen, die Ihn kannten.

    Olten (CH): Walter 1988, 2. Aufl. ,170 S. u.ö.
    -- Drei Beispiele: hier
  • Vgl. Jean-Pierre Dahdah: Khalil Gibran. La vie inspirée de l'auteur du "Prophète" [1994]. Espaces libres. Paris: Albin Michel  2004
    Deutsch: Khalil Gibran. Eine Biographie
    .
    Düsseldorf: Patmos 1997
Weitere Informationen

  • Warten auf den Freund
    „Worauf wartest du hier am Tor?",
    fragte der Prophet den Wachposten.
    „Auf den Feind!", entgegnete dieser. „Man muss jede Stunde auf ihn gefasst sein. Vielleicht sammelt er gerade seine Mannschaften, irgendwo hinter den Bergen. Vielleicht denkt er sich in diesem Augenblick eine Kriegslist aus, um uns zu überfallen, wenn wir nicht wachsam sind, sei es am Feiertag oder in der Nacht. Wenn ich die Schilde des Feindes blinken sehe in der Ferne oder das Lärmen der Waffen höre von den Bergen her, dann muss ich schreien, bis die ganze Stadt gerüstet ist den Feind zu empfangen."
    Der Prophet schwieg und schaute lange vor sich hin. Dann sagte er:
    „Die Stadt ist gerüstet, den Feind zu empfangen. mag sein. Aber ist sie auch gerüstet einen Freund zu empfangen? Einen Retter und Helfer, der nicht gegen die Mauern anrennen will, um die Stadt zu stürmen; und der uns nicht Krieg bringt sondern Frieden?
    Ist diese Stadt auch gerüstet für einen Freund?"

    Aus: Männerarbeit der Ev. Kirche von Westfalen (Hg.): Ein Weggeleit. 
    Schwerte, Haus Villigst 2004, S. 42 

Freitag, 17. November 2017

Telemann grenzenlos

Georg Philipp Telemann: Kupferstich
von Georg Lichtenberger (um 1745)

(Wikipedia)
Die Überschrift erinnert an ein Konzert während der Tage Alter Musik in Herne im November 2017. Der zu Unrecht im Schatten Bachs stehende Georg Philipp Telemann (geb. 1681 in Magdeburg, gest. 1767 in Hamburg) gehört nämlich zu den herausragenden Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Der 250. Todestag des Wahl-Hamburgers wurde darum in der Hansestadt gebührend bedacht.
Vgl. Bericht im NDR-Kultur (25.06.2017)

Neben der ungeheuren musikalischen Schaffenskraft und Kompositionsfülle muss aber auch seine europäische Weite erwähnt werden. In seine Musik fließen italienische und französische Elemente und viel Volksmusikalisches ein. Seine große Weltoffenheit zeigt sich bei seinen Aufenthalten in Krakau und im niederschlesischen Sorau (Zary) und Pless (Pszczyna)Polen wurde für Telemann nicht nur wegen der dortigen Beziehungen zu Frankreich wichtig, sondern auch wegen der slawischen Musik.  Seine über halbjährige Auszeit in der damaligen Musikmetropole Paris war für ihn ebenso bedeutsam wie die empathische Begegnung mit anderen (musik)-kulturellen Traditionen.

Die Lebensstationen von Georg Philipp Telemann: 
Magdeburg, Hildesheim, Leipzig, Halle, Berlin, Sorau, Eisenach, Frankfurt/Main, Gotha, Hamburg, Paris und wieder Hamburg.


Musikalische Zentren des 18Jahrhunderts in Europa: MailandWienMannheim, ParisLondon und Berlin (Universal-Lexikon)

In Paris sah er u.a. auch eine sog. Augen Orgel,
das
"Clavecin oculaire" des Jesuitenpaters Louis-Bertrand Castel (1688-1757), eines Gegners der Reformation! Die dazu gehörende Schrift veröffentlichte Telemann 1739 ! 


Auf vielfältige, oft humorvolle Weise verinnerlichte Telemann imaginierte und reale Reisen in seinen Kompositionen. Auch sein Hamburger Blumengarten ist international: Dort lässt er Hyazinthen,Tulpen, Kakteen und Aloe sprießen. Kurzum: Grenzüberschreitungen zeichnen Telemanns Charakter auf allen Ebenen aus - ein wahrhaft europäischer Geist. Hier gleicht er sehr seinem inzwischen in London beheimateten Kollegen Georg Friedrich Händel.

Vgl. den Beitrag von Wolfgang Kostujak: "Grenzüberschreitungen im Kopf".
In: WDR / Stadt Herne (Hg.): "Aufbruch!. Rebellen, Reformer und Revolutionäre in der Musik zwischen Mittelalter und Neuzeit." 42. Tage Alter Musik in Herne 2017, S. 145-150


Mehr zum vielgestaltigen Genie Telemann
in biografischen Aufzeichnungen: hier


Telemann, auf einer Bank sitzend -
Denkmal in Záry (Sorau),
Niederschlesien (Polen)

Ein besonders schönes Beispiel von Telemanns offenem interkulturellen Geist ist seine Völkersuite  "Les Nations". Hier kommen (natürlich im Geschmack der Zeit): Türken, Schweizer, Russen und Portugiesen zum Klang.

Mit der Berliner Akademie
für Alte Musik
(TWV 55:B5 / 2002, YouTube - anklicken und hören ...)

00:00 - Ouverture 06:15 - Menuet I alternativement. Menuet II 10:01 - Les Turcs 12:13 - Les Suisses 13:58 - Les Moscovites 15:32 - Les Portugais 17:17 - Les Boiteux (Die Hinkenden) 18:17 - Les Coureurs (Die Läufer)

Ein weiteres interkulturelles Beispiel: Ouverture des Nations anciens et modernes, TWV 55:G4 (YouTube : Vanni Moretto - Orchestra dei Pomeriggi Musicali di Milano - Milano, Juli 2005 1. Ouverture 2. Menuet 1&2 3. Les Allemands anciens 4. Les Allemands modernes 5. Les Suédois anciens 6. Les Suédois modernes 7. Les Danois anciens 8. Les Danois modernes 9. Les vieilles Femmes
Telemann-Konservatorium in Magdeburg



09 - 18. März 2018

Voller Poesie 
- Telemann und die Literatur


CC