Freitag, 17. November 2017

Telemann grenzenlos

Georg Philipp Telemann: Kupferstich
von Georg Lichtenberger (um 1745)

(Wikipedia)
Die Überschrift erinnert an ein Konzert während der Tage Alter Musik in Herne im November 2017. Der zu Unrecht im Schatten Bachs stehende Georg Philipp Telemann (geb. 1681 in Magdeburg, gest. 1767 in Hamburg) gehört nämlich zu den herausragenden Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Der 250. Todestag des Wahl-Hamburgers wurde darum in der Hansestadt gebührend bedacht.
Vgl. Bericht im NDR-Kultur (25.06.2017)

Neben der ungeheuren musikalischen Schaffenskraft und Kompositionsfülle muss aber auch seine europäische Weite erwähnt werden. In seine Musik fließen italienische und französische Elemente und viel Volksmusikalisches ein. Seine große Weltoffenheit zeigt sich bei seinen Aufenthalten in Krakau und im niederschlesischen Sorau (Zary) und Pless (Pszczyna)Polen wurde für Telemann nicht nur wegen der dortigen Beziehungen zu Frankreich wichtig, sondern auch wegen der slawischen Musik.  Seine über halbjährige Auszeit in der damaligen Musikmetropole Paris war für ihn ebenso bedeutsam wie die empathische Begegnung mit anderen (musik)-kulturellen Traditionen.

Die Lebensstationen von Georg Philipp Telemann: 
Magdeburg, Hildesheim, Leipzig, Halle, Berlin, Sorau, Eisenach, Frankfurt/Main, Gotha, Hamburg, Paris und wieder Hamburg.


Musikalische Zentren des 18Jahrhunderts in Europa: MailandWienMannheim, ParisLondon und Berlin (Universal-Lexikon)

In Paris sah er u.a. auch eine sog. Augen Orgel,
das
"Clavecin oculaire" des Jesuitenpaters Louis-Bertrand Castel (1688-1757), eines Gegners der Reformation! Die dazu gehörende Schrift veröffentlichte Telemann 1739 ! 


Auf vielfältige, oft humorvolle Weise verinnerlichte Telemann imaginierte und reale Reisen in seinen Kompositionen. Auch sein Hamburger Blumengarten ist international: Dort lässt er Hyazinthen,Tulpen, Kakteen und Aloe sprießen. Kurzum: Grenzüberschreitungen zeichnen Telemanns Charakter auf allen Ebenen aus - ein wahrhaft europäischer Geist. Hier gleicht er sehr seinem inzwischen in London beheimateten Kollegen Georg Friedrich Händel.

Vgl. den Beitrag von Wolfgang Kostujak: "Grenzüberschreitungen im Kopf".
In: WDR / Stadt Herne (Hg.): "Aufbruch!. Rebellen, Reformer und Revolutionäre in der Musik zwischen Mittelalter und Neuzeit." 42. Tage Alter Musik in Herne 2017, S. 145-150


Mehr zum vielgestaltigen Genie Telemann
in biografischen Aufzeichnungen: hier


Telemann, auf einer Bank sitzend -
Denkmal in Záry (Sorau),
Niederschlesien (Polen)

Ein besonders schönes Beispiel von Telemanns offenem interkulturellen Geist ist seine Völkersuite  "Les Nations". Hier kommen (natürlich im Geschmack der Zeit): Türken, Schweizer, Russen und Portugiesen zum Klang.

Mit der Berliner Akademie
für Alte Musik
(TWV 55:B5 / 2002, YouTube - anklicken und hören ...)

00:00 - Ouverture 06:15 - Menuet I alternativement. Menuet II 10:01 - Les Turcs 12:13 - Les Suisses 13:58 - Les Moscovites 15:32 - Les Portugais 17:17 - Les Boiteux (Die Hinkenden) 18:17 - Les Coureurs (Die Läufer)

Ein weiteres interkulturelles Beispiel: Ouverture des Nations anciens et modernes, TWV 55:G4 (YouTube : Vanni Moretto - Orchestra dei Pomeriggi Musicali di Milano - Milano, Juli 2005 1. Ouverture 2. Menuet 1&2 3. Les Allemands anciens 4. Les Allemands modernes 5. Les Suédois anciens 6. Les Suédois modernes 7. Les Danois anciens 8. Les Danois modernes 9. Les vieilles Femmes
Telemann-Konservatorium in Magdeburg



09 - 18. März 2018

Voller Poesie 
- Telemann und die Literatur


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