Samstag, 28. Januar 2017

Johann Gerhard - lutherische Orthodoxie zwischen Dogmatik und Spiritualität

Johann(es) Gerhard (geb. 17.10.1582 in Quedlinburg, gest. 17.08.1637 in Jena)  gehört zu den bedeutendsten nach-reformatorischen Theologen lutherischer Prägung. Noch nicht der Erstarrung  protestantischer Orthodoxie verfallen, ist er ein durchaus eigenständiger Denker. Er bedient sich zwar noch der Loci-Methode in seiner Hauptschrift, den Loci communes, zeigt sich schon eine gewisse analytische Kraft (vgl. die dann dominierende Analytische Methode).
Darüberhinaus war er  stark am religiösen praktischen Leben interessiert. Die einzelnen Loci, also die jeweiligen Glaubensthemen,  enden darum auch immer mit einem Abschnitt zum Gebrauch: "de usu". In der Nachwirkung seines Lehrers Johann Arndt hat er auch Erbauungsliteratur verfasst. Besonders bekannt geworden sind seine "Meditationes sacrae" 

In den theologischen Konflikten seiner Zeit hielt er sich polemisch weitgehend zurück und suchte stattdessen eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung. Das zeigt sich besonders in seiner kritischen Analyse der Werke des Jesuiten und Kardinals  Robert Bellarmin (1542-1621). Dieser war der Hauptverfechter der vom Tridentinum entwickelten Kirchenlehre.
Führend war Johann Gerhard in der Abwehr der Lehre des lutherischen Theologen Hermann Rahtmann aus Danzig. Dieser trennte die Auslegung der Bibel von der Einwirkung des Heiligen Geistes: Vor dem Verstehen der biblischen Texte ist der direkte Empfang des Heiligen Geistes notwendig (Rahtmannscher Streit). 



                                                                                          CC 

Freitag, 27. Januar 2017

Albert Schweitzer in Günsbach (Elsass) begegnen:

  
Als wäre Albert-Schweitzer (1875-1965) gerade zu seinem geliebten Kanzrain hinaufgegangen … so wirkt es auf die in das Albert-Schweitzer-Museum in Günsbach Eintretenden.
Den Mantel hat er wohl heute nicht mitgenommen ...

Das Wohnhaus Schweitzers im kleinen elsässischen Günsbach bei Colmar vermittelt nicht den Eindruck eines Museums, sondern lässt unmittelbar die große Gestalt des Theologen, Mediziners, Organisten, Urwaldarztes und Friedensnobelpreisträgers wieder lebendig werden. Immerhin sind hier alle seine Briefe archiviert, die private Bibliothek erhalten und seine Utensilien (fast) noch in Gebrauch – ein idealer Ort zum Schauen und Forschen.
In Verbindung mit dem kleinen Afrika-Museum im ehemaligen Schulhaus, in das der Schüler Schweitzer oft genug gegangen war, lohnt dieser Ausflug in das elsässische Dorf, das die globale Verantwortung in vielen religiösen und kulturellen Abschattungen widerspiegelt.



Denkmal auf dem Kanzrain 1969
von Fritz Behn,
einem Schüler Rodins





Hier oben möge ich
- in Stein gehauen -
meine Freunde empfangen;

hier mögen sie meiner gedenken.
Hier ist meine Kulturphilosophie entstanden.
Hier verstand ich Jesus in seiner Zeit.
Hier fühlte ich mich ganz zu Hause.







Offizielle Homepage
der Internationalen Albert-Schweitzer-Vereinigung (AISL)


 Weitere Lernorte: hier 

Mittwoch, 18. Januar 2017

Paul Schwarzenau - Vordenker einer religiösen Weltversöhnung

Zur Biografie
Paul Schwarzenau wurde am 19. September 1923 in Dortmund-Hörde geboren. Er starb am 16. November 2006 in Borghorst (bei Münster). Der 2. Weltkrieg war für ihn ein großer Einschnitt, weil er als Nicht-Kriegsbegeisterter Soldat sein musste. Bei der Offensive der Alliierten 1944 in Frankreich wurde  er gefangen genommen. Seine Internierung  eröffnete ihm jedoch eine Chance. Mit anderen jungen Wissenschaftlern baute er im Kriegsgefangenenlager Montpellier eine Art Theologisch-Philosophischer Hochschule auf. Die 1956 hier gegründete Reformierte Akademie hat sicher davon einiges als Erbe übernommen. Sie ist heute im Verbund mit  dem Institut Protestant de Théologie in Paris und Montpellier (neben der einzigen französischen Ev.-theol. Fakultät in Straßburg) Ausbildungsstätte für evangelische Theologen in Frankreich .
Nach dem Studium in Münster, wo er 1954 über Martin Buber promovierte, kam er 1957 nach Hemer (Sauerland) und blieb dort Gemeindepfarrer bis 1963. Anschließend wurde er Studentenpfarrer an der damaligen Pädagogischen Hochschule und der im Aufbau befindlichen Universität Dortmund, die 1968 offiziell gegründet wurde. In dieser unruhigen Zeit der Studentenrevolution engagierte er sich mit den Studenten und aufgeschlossenen Professoren für ein befreiendes Lernen. Als man ihn 1971 zum Professor für Ev. Theologie und ihre Didaktik an die Pädagogische Hochschule Ruhr in Dortmund wählte, merkten viele sehr schnell, dass man mit ihm einen Lehrer der besonderen Art für das Kollegium der "jungen" Universität Dortmund bekommen hatte. Er lehrte in Dortmund bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1985.
Paul Schwarzenau war 1982 Mitbegründer der
Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG e.V.) und
1989 der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A).
Zur Theologie: Grenzüberschreitendes Gottesverständnis
Schwarzenau vermittelte als Professor nicht nur Wissen, sondern machte deutlich, dass es notwendig ist, hinter dem Wissen die unergründliche Weisheit dessen zu spüren, was die Welt im Innersten zusammenhält. Darum war ihm auch der interreligiöse Austausch und die Begegnung der Religionen auf derselben geistigen Ebene wichtig. Seine Motivation brachte er so auf den Punkt:
„Alle Religionen bedürfen einander, nicht nur in ihren Gemeinsamkeiten, sondern auch in ihren Unterschieden, durch die sie einander ergänzen. Wir sollen in der eigenen Religion daheim sein und in der anderen Gäste, Gäste nicht Fremde.“
Schwarzenau wagte Grenzüberschreitungen nicht nur zwischen Theologie, Philosophie und Religionswissenschaft, sondern auch hin zur Psychologie, besonders zu C.G. Jung und zur Anthroposophie Rudolf Steiners; ja er untersuchte auch esoterische Strömungen im Blick auf ihre geheimnisvollen Zeichen der „Anderwelt.“ Er ging damit auch bewusst über rationale Welterklärungen hinaus. 

Weiteres zu Leben und Werk: 

Literatur von und über Paul Schwarzenau: Übersicht


Literaturauswahl:
  • Thesen zur Religion (ZRP 28/1973)
  • Vom Totempfahl zum Kruzifix. Vergessene Voraussetzungen unseres Weltverständnisses.
    Dortmund: Crüwell 1976 
  • Der größere Gott. Christentum und Weltreligionen. Stuttgart: Radius 1977 
  • Korankunde für Christen. Stuttgart u.a.: Kreuz 1982, 3. erw. Aufl. Hamburg: EBV Rissen 2001 
  • Welt-Theologie. Gesammelte Aufsätze. Interreligiöse Horizonte Bd. 3 (IH 3).
    Köln u.a.: Böhlau 1998 
  • Ein Gott in allem. Aufsätze zum Gottesbild der Religionen.
    Interreligiöse Horizonte Bd. 5 (IH 5). Köln u.a.: Böhlau 1999
  • GREWEL, Hans / KIRSTE, Reinhard (Hg.): Alle Wasser fließen ins Meer. Die grenzüberschreitende Kraft der Religionen. Festschrift für Paul Schwarzenau zum 75. Geburtstag.
    Interreligiöse Horizonte Bd. 4 (IH 4).
     Köln u.a.: Böhlau 1998 
Mitherausgeber
--- Religionen im Gespräch (RIG 1-9), Bd. 1-9: 1990 - 2006 --- Details: hier
--- Iserlohner Con-Texte (ICT 1-18), 1986 - 2003
und In
terreligiöse Horizonte (IH 1-5), 1998-2001 --- Details: hier