Sonntag, 17. Januar 2016

Mani und der Manichäismus - eine verschwundene Religion?

Das Wissenschaftlich-Religionspädagogische Lexikon der  Deutschen Bibel-gesellschaft gibt eine recht ausführliche und gut fundierte Einführung in den Manichäismus und seinen Gründer Mani.
Hier einige Zitate zum Leben Manis, seiner Lehre und Ethik:  

Kölner Mani-Kodex (Wikipedia)

"Mani ist der Stifter einer nach ihm benannten synkretistisch-dualistischen Religion, des Manichäismus ... Geboren wurde Mani am 14. April 216 bei Seleukia-Ktesiphon im Irak, in der Nähe von Bagdad ... Er war Mitglied in der asketisch ausgerichteten juden-christlichen Täufersekte der Elkesaiten ... Im Alter von 12 Jahren (vgl. den 12jährigen Jesus im Tempel!) empfing Mani die erste Offenbarung seines himmlischen „Zwillings“ (...), der ihn über die himmlischen Geheimnisse aufklärte und zu seinem ständigen Begleiter, gewissermaßen zum himmlischen Über-Ich und Doppelgänger, wurde. Durch diese erste Vision mit prophetischem Sendungsbewusstsein erfüllt entwickelte Mani eine universale Heilslehre, auf deren Grundlage er die Täufersekte reformieren wollte ... Als eine Reform der Täufersekte nicht gelang, kam es zum Bruch und Mani trennte sich von den Elkesaiten ... Nachdem er als 24 jähriger durch eine zweite Offenbarung seines himmlischen Zwillings als „Apostel des Lichts“ bestätigt und ausgesandt wurde, brach Mani zu Missionsreisen zunächst nach Ktesiphon, dann nach Indien auf (240/241) ...  Im Jahre 242 kehrte Mani nach Persien zurück, wo inzwischen der Perserkönig Šapur I. (242-273) an die Macht gelangt war. ... Šapur I. versprach sich von Manis Einheitsreligion politische Vorteile für seine Reichsideologie und stand dem Manichäismus deswegen positiv gegenüber. Mit seiner Billigung und Unterstützung  ...  breitete sich der Manichäismus sowohl innerhalb als auch außerhalb des Irans im Osten und Westen aus ... Auch der Nachfolger von Šapur I., Hormizd I. (273 / 274), blieb der manichäischen Lehre wohlgesonnen. Das Schicksal Manis und der Manichäer änderte sich jedoch unter der Herrschaft von Bahram I. (274-276/77), der Mani unter anderem das Reisen und damit die Mission untersagte. Eine Verfolgung des Manichäismus begann. Treibende Kraft hinter der nun einsetzenden Repression des Manichäismus war indes die zoroastrische Priesterschaft ... Die zwischen den beiden konkurrierenden Religionen schon lange schwelenden Konflikte führten schließlich zur Verhaftung und zum Tod Manis: Nach 26 Tagen Gefängnis erlitt er ... den Märtyrertod in Gundešapur ... das genaue Todesdatum ist umstritten (14. Februar 276 oder 26. Februar 277). Die Legende erzählt, dass Mani nach seinem Tod direkt ins Lichtreich aufstieg ... Verfolgungen der Manichäer schlossen sich an; viele starben wie Mani den Märtyrertod oder wanderten im Lauf der Zeit in den Nordosten Irans und von da aus über Zentralasien nach China aus, wo der Manichäismus zu neuer Blüte gelangte. ... Manis Religion ist nach dem Prinzip eines gezielten Synkretismus gebaut, der mehrere Religionen in sich vereint und aus ihnen eine umfassende Heilslehre konstruiert. Einflüsse des Christentums (...), der jüdisch-christlichen Täufersekte der Elkesaiten (...), der Gnosis (...), des zoroastrisch-iranischen Dualismus (...) und später auch des Buddhismus (...) sind vorhanden.
Kern der manichäischen Lehre ist der Dualismus zwischen den Urprinzipien Licht bzw. Geist und Finsternis bzw. Materie ... Das Reich des Lichtes und das Reich der Finsternis stehen einander als feindliche Mächte gegenüber, die je für sich immer neue Kräfte und Emanationen generieren ...  Das Licht wird in einem apokalyptischen Endkampf („großer Krieg“), einem 1468 Jahre andauernden Weltenbrand und dem Endgericht mit der Wiederkunft Christi als Richter (...) befreit ...
Aus der Vorstellung, dass in jeder Form von Materie – sei sie organisch, sei sie anorganisch - Licht gefangen ist, resultiert ein umfassendes „kosmisches Verantwortungsgefühl“  ... Im alltäglichen Leben muss immer darauf geachtet werden, die Lichtteile nicht zu schädigen und zugleich an der Ausläuterung des Lichtes und der Ausbreitung des Manichäismus mitzuwirken."

Manichäische Miniaturmalerei aus Kocho in Zentralasien, im Museum für indische Kunst in Berlin
Manichäische Miniaturmalerei aus Kocho (Zentralasien)
Quelle: Joachim Schäfer: Ökumenisches Heiligenlexikon
Weiterführendes
Literaturhinweise

  • Ludwig Koenen / Cornelia Römer (Hg.): Mani. Auf der Spur einer verschollenen Religion. Freiburg u.a.: Herder 1993, 106 S. mit Literaturliste zum Manichäismus 
  • Amin Maalouf: Les jardins du lumières. Roman. Paris: J.-C. Lattès 1991, 341 pp.
    "Die Gärten des Lichts": Roman über das Leben Manis
  •  Christa Maria Siegert (Hg.): Mani. Perlenlieder. Eine Auswahl manichäischer Texte. Vadolzburg: hermanes T. 1985, 196 S.
  • Ludwig Koenen / Cornelia Römer (Hg.): Mani. Auf der Spur einer verschollenen Religion. Freiburg u.a.: Herder 1993, 106 S. mit Literaturliste zum Manichäismus
  • Amin Maalouf: Les jardins du lumière. Roman.
    Paris: J.-C. Lattès 1991, 341 pp.
    "Die Gärten des Lichts": Roman über das Leben Manis
  • Christa Maria Siegert (Hg.): Mani. Perlenlieder. Eine Auswahl manichäischer Texte. Vadolzburg: hermanes T. 1985, 196 S.
  • Zsusanna Gulácsi (Northern Arizona University): Mani's Pictures:


    The Didactic Images of the Manichaeans from Sasanian Mesopotamia to Uygur Central Asia and Tang-Ming Chin.
    Leiden (NL): Brill 2015  


    The founder of Manichaeism, Mani (216-274/277 CE), not only wrote down his teachings to prevent their adulteration, but also created a set of paintings — the Book of Pictures— to be used in the context of oral instruction.
  •  

     


Manichäismus ist eine antike Religion, die nach ihrem Stifter, dem persischen Weisen Mani - er lebte etwa 216 bis 276 - benannt wurde. Mani bezeichnete sich selbst nach Buddha und Jesus als letzten Propheten. Neben Elementen aus dem Parsismus und Christentum weist der Manichäismus insbesondere Einflüsse der Gnosis auf.